Umbrella-Review deutscher Wissenschaftler: Mit dieser Ernährung beugt man einem Typ-2-Diabetes vor

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

9. September 2019

Vollkorn- und Getreideprodukte mit hohem Ballaststoff-Anteil sowie ein moderater Alkoholkonsum sind mit einer verringerten Inzidenz eines Typ-2-Diabetes assoziiert. Rotes Fleisch, prozessierte Fleischprodukte, Schinkenspeck und mit Zucker gesüßte Getränke gehen dagegen mit einer erhöhten Diabetesinzidenz einher, so das Ergebnis eines Umbrella-Reviews verschiedener Metaanalysen aus prospektiven Beobachtungsstudien. Ein Team um Dr. Sabrina Schlesinger, Leiterin der Nachwuchsforschergruppe Systematische Reviews am Deutschen Diabetes-Zentrum, Düsseldorf, hat die Ergebnisse im British Medical Journal publiziert [1].

„Diese systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Ernährung und Typ-2-Diabetes bereits in zahlreichen Studien untersucht wurde und dass die Ernährung eine Rolle bei der Prävention des Typ-2-Diabetes spielt. Dennoch besteht für viele Zusammenhänge Unsicherheit in der Aussagekraft“, erläutert Schlesinger in einer Pressemitteilung.

 
Diese systematische Übersichtsarbeit zeigt, ... dass die Ernährung eine Rolle bei der Prävention des Typ-2-Diabetes spielt. Dr. Sabrina Schlesinger
 

In die Metaanalysen waren Beobachtungsstudien eingeschlossen worden, damit können bestimmte Verzerrungsquellen nicht vollständig ausgeschlossen werden. „Weitere gut konzipierte und valide durchgeführte Studien, die den Zusammenhang zwischen den Ernährungsfaktoren und Typ-2-Diabetes untersuchen, sind nötig“, schlussfolgert Schlesinger.

Falsche Ernährung begünstigt Diabetes

Ein Zusammenhang zwischen der Inzidenz von Typ-2-Diabetes und Ernährungsgewohnheiten bzw. Nahrungsbestandteilen ist in zahlreichen Studien gezeigt worden. Allerdings waren deren Aussagekraft und Präzision sowie die Einflüsse verschiedener Faktoren unklar.

Die Arbeitsgruppe um Schlesinger versuchte daher mit einem Umbrella-Review verschiedener Metaanalysen die derzeit vorliegende Evidenz zum Thema Ernährungsfaktoren und Diabetesinzidenz zusammenzufassen.

Hierzu wählten sie aus 11.413 Publikationen 53 Metaanalysen aus. In den Metaanalysen waren Ernährungsweisen (z. B. mediterrane Ernährung, Ernährung mit reduziertem Kohlenhydrat-Anteil), Lebensmittel (wie Vollkornprodukte, Obst oder Gemüse), Getränke (z. B. zuckerhaltige Getränke und Kaffee), Nährstoffe (z.B. Kohlenhydrate, Fette), Mineralstoffe und Vitamine berücksichtigt worden.

Forscher beurteilten die methodische Qualität der Metaanalysen in 75% der Fälle als hoch, in 23% als moderat und in 2% als gering.

In allen Metaanalysen zusammen wurden 153 adjustierte Hazard Ratios (HR) identifiziert, mit denen ein Zusammenhang zwischen Ernährungsfaktoren und Diabetesinzidenz gezeigt werden konnten, z. B. zu Ernährungsverhalten oder Nahrungsqualität (n=12), zu Lebensmittelgruppen und Lebensmitteln (n=56), zu Getränken (n=10), zu alkoholischen Getränken (n=12), zu Makronährstoffen (n=32) und zu Mikronährstoffen (n=31).

Vollkornprodukte günstig, rotes Fleisch ungünstig

Die Analyse ergab eine hone Aussagekraft für die Assoziation zwischen geringerer Diabetesinzidenz und dem Konsum...

  • von Vollkornprodukten (adjustierte HR 0,87 für zusätzlich etwa 30 g/Tag),

  • von Getreideprodukten mit hohem Ballaststoffanteil (adjustierte HR 0,75 für zusätzlich etwa 10 g/Tag) und

  • von mäßigen Alkoholmengen (HR 0,75 für 12-24 g/Tag im Vergleich zu keinem Konsum).

Die Aussagekraft war ebenfalls hoch für die Assoziation zwischen höherer Diabetesinzidenz und Konsum von

  • rotem Fleisch (HR 1,17 für zusätzlich 100 g/Tag),

  • prozessiertem Fleisch (HR 1,37 für zusätzlich 50 g/Tag),

  • Schinkenspeck (HR 2,07 für 2 Scheiben/Tag) und

  • mit Zucker gesüßte Getränke (HR 1,26 für ein zusätzliches Getränk pro Tag).

Für alle anderen untersuchten Assoziationen erwies sich die Aussagekraft als moderat, gering oder sehr gering, was durch den hohen Anteil an Metaanalysen erklärt werden kann, die weniger als 5 Studien enthielten, sehr heterogen waren oder nur mäßige Effektstärken zeigen konnten.

Richtige Ballaststoffquelle wählen

Die Ergebnisse der Studie passen zu bekannten Empfehlungen, vermehrt Vollkornprodukte und Ballaststoffe zu konsumieren. Allerdings erwies sich die Ballaststoff-Quelle auch als wichtig, denn nur Getreide-Ballaststoffe waren stark mit einer verminderten Diabetesinzidenz assoziiert, während sich mit Ballaststoffen aus Obst und Gemüse kein signifikanter Zusammenhang ergab.

Für den Konsum von Milchprodukten mit niedrigem Fettanteil, Obst und Gemüse, Nüsse und einfach ungesättigte Fettsäuren konnte kein günstiger Effekt auf die Diabetesinzidenz gefunden werden. Ebenso wirkten sich gesättigte Fettsäuren und trans-Fettsäuren nicht ungünstig aus.

 

Kommentar

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