FDA warnt vor Leberversagen und Tod unter Hepatitis-C-Medikamenten – für einige Patientengruppen nicht ratsam 

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

4. September 2019

Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor schweren Leberschäden bei Patienten, die mit den Kombinationspräparaten Glecaprevir-Pibrentasvir (Maviret®), Elbasvir-Grazoprevir (Zepatier®) oder Sofosbuvir-Velpatasvir-Voxilaprevir (Vosevi®) behandelt worden sind [1].

Grundlage der Meldung sind Berichte von 63 Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion, bei denen es unter dieser Medikation zur Leberdekompensation gekommen war. Einige der Fälle führten zu Leberversagen und Tod. 46 Fälle traten unter Glecaprevir-Pibrentasvir auf, 14 unter Elbasvir-Grazoprevir und 3 Fälle unter Sofosbuvir-Velpatasvir-Voxilaprevir.

Wie Medscape berichtet hat, wurden die unerwünschten Effekte bis zum 8. Januar 2019 an das FDA Adverse Event Reporting System (FAERS) gemeldet oder in der medizinischen Literatur identifiziert.

Alle 3 Medikamente reduzieren die Menge an Hepatitis C-Viren im Körper, indem sie die Virenreplikation inhibieren. Unbehandelt kann eine HCV-Infektion bekanntlich zu schweren Leberproblemen wie Zirrhose, Leberkrebs und Tod führen.

Die FDA weist darauf hin, dass alle genannten Medikamente, falls sie gemäß ihrer Indikation verordnet werden, weiterhin als sicher und wirksam gelten. Zugelassen sind sie allerdings nur für Patienten ohne oder mit leichter Leberschädigung (Child-Pugh A gemäß der Child-Pugh-Kriterien von A bis C).

Den meisten Patienten hätte die Therapie nicht verschrieben werden dürfen

FDA-Experten erklären die Komplikationen größtenteils mit inadäquaten Verordnungen: „In vielen der berichteten Fälle trat Leberversagen bei Patienten auf, die Anzeichen und Symptome einer mittelschweren bis schweren Leberschädigung (Child-Pugh B oder C) zeigten oder andere schwere Leberprobleme hatten und die nicht mit diesen Medikamenten hätten behandelt werden dürfen.“

 
In vielen der berichteten Fälle trat Leberversagen bei Patienten auf, die Anzeichen und Symptome einer mittelschweren bis schweren Leberschädigung (...) zeigten. FDA
 

So hatte man einige Patienten fälschlicherweise ohne Zirrhose oder mit kompensierte Zirrhose und leichter Leberschädigung (Child-Pugh A) eingestuft, obwohl es Anzeichen einer schwereren Lebererkrankung einschließlich verminderter Blutplättchen oder Pfortader-Hochdruck gab. Auch Alkoholabhängigkeiten oder andere Erkrankungen im Zusammenhang mit Leberproblemen seien der FDA zufolge bei Entscheidungen nicht hinreichend berücksichtigt worden.

Im Median traten die Nebenwirkungen 22 Tage nach Behandlungsbeginn auf. Hyperbilirubinämie war am häufigsten (n = 42), gefolgt von Ikterus (n = 32), Aszites (n = 27) und hepatischer Enzephalopathie (n = 12). Nach dem Absetzen der Medikamente erholte sich die Leber bei 39 Patienten wieder. Bei 2 Patienten kam es unter der erneuten Therapie zu einer weiteren Verschlechterung.

Laut FDA sind im Jahr 2018 rund 72.000 US-Patienten mit den 3 Medikamenten behandelt worden. Jetzt raten Behördenvertreter allen Ärzten, die Leberfunktion ihrer Patienten vor Behandlungsbeginn sorg­fältig zu prüfen und Patienten in den Stadien Child-Pugh B oder C nicht mit den genannten Pharmaka zu behandeln.

Während der Therapie sollten Ärzte ihre Patienten auf eine Verschlechterung der Leberfunktion (Anstieg der Leberenzyme, Gelbsucht, Aszites, Enzephalopathie und Varizenblutungen) hin überwachen. Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn Anzeichen einer Leberdekompensation oder sonstige Beschwerden auftreten.

 

Kommentar

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