„Ein paarmal pro Woche außer Atem“ – HUNT-Studie betätigt: Wer sich regelmäßig bewegt, lebt deutlich länger

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

1. September 2019

Paris – Wer über 20 Jahre und mehr nur wenig körperlich aktiv ist, hat ein doppelt so hohes Risiko für einen frühzeitigen Tod wie Personen, die über viele Jahre anhaltend viel Bewegung haben. Zu diesem Ergebnis kommt die norwegische HUNT-Studie (Nord-Trøndelag Health Study), die Dr. Trine Moholdt, Universität von Trondheim, Norwegen, bei einer Pressekonferenz beim europäischen Kardiologenkongress 2019 in Paris und dort auch als Poster vorgestellt hat.

Im Unterschied zu vielen derartigen Studien, die den Einfluss von Bewegung auf die Lebenserwartung untersucht haben – aber das Ausmaß der körperlichen Aktivität nur einmal zu Beginn abgefragt haben, ist dieser Parameter in der HUNT-Studie über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren dreimal erfasst worden.

 
Unsere Befunde deuten darauf hin, dass eine kontinuierliche körperliche Bewegung für den Schutz vor frühzeitigem und kardiovaskulär bedingtem Tod am besten ist. Dr. Trine Moholdt
 

„Unsere Befunde deuten darauf hin, dass eine kontinuierliche körperliche Bewegung für den Schutz vor frühzeitigem und kardiovaskulär bedingtem Tod am besten ist. Aber man kann das Sterberisiko auch senken, wenn man erst später beginnt, körperlich aktiv zu sein“, betont Moholdt in einer Pressemitteilung der ESC.

Die klare Empfehlung laute, das Erwachsene 150 Minuten pro Woche sich mäßig intensiv oder 75 Minuten pro Woche intensiv bewegen sollten. Sie ergänzt: „Wichtig ist jedoch, dass auch eine geringere andauernde körperliche Aktivität gesundheitliche Vorteile hat. Die körperliche Fitness ist wichtiger als das Ausmaß des Trainings.“ Auch kleinere und geringfügigere Trainingseinheiten könnten die Fitness verbessern, dazu gehörten alle Aktivitäten, die die Atmung verstärkten.

Sie empfiehlt insgesamt mehr Bewegung in das tägliche Leben zu bringen, z.B. zum Einkaufen zu Fuß zu gehen, anstatt zu fahren, eine Bahn- oder Busstation früher auszusteigen und den Rest zu laufen oder Treppen statt des Aufzugs zu benutzen: „Ich empfehle jedem, dass er mindestens ein paar Mal in der Woche außer Atem kommt.“

 
Ich empfehle jedem, dass er mindestens ein paar Mal in der Woche außer Atem kommt. Dr. Trine Moholdt
 

Moholdt rät zudem, so früh wie möglich im Leben Bewegungsprogramme in den Tagesablauf zu integrieren. „Der gesundheitliche Nutzen geht über den Schutz vor einem frühzeitigen Tod hinaus, er erstreckt sich auch auf Organ- und kognitive Funktionen. Körperliche Bewegung hilft uns länger und besser zu leben.“

HUNT: Große norwegische Gesundheitsstudie

Die longitudinale populationsbasierte HUNT-Studie ist eine der größten Gesundheitsstudien weltweit. Insgesamt nahmen 120.000 Bewohner aus Nord-Trøndelag teil, deren Daten in den Jahren 1984-1996, 1995-1997 und 2006-2008 erhoben worden sind. Eine weitere Datenerhebung hat im Jahr 2017 begonnen.

Moholdt und ihre Kollegen haben für ihre aktuelle Analyse die Daten aus der ersten und der dritten Erfassungsrunde von insgesamt 12.665 Frauen und 10.491 Männern verwendet. Die von den Teilnehmern angegebene körperliche Aktivität wurde in 3 Stufen eingeteilt: inaktiv, mäßig aktiv (weniger als 2 Stunden/Woche) und hochaktiv (mehr als 2 Stunden/Woche). Als Referenzgruppe galten die Personen mit der höchsten körperlichen Aktivität.

Die Aktivitätsdaten wurden mit Informationen zu Todesfällen aus dem norwegischen Register zu Todesursachen abgeglichen. Die Analysen wurden adjustiert für Faktoren, wie Body Mass Index, Alter, Geschlecht, Rauchgewohnheiten, Ausbildung und Blutdruck.

Je aktiver, desto gesünder – aber nur wenn man dabei bleibt

Im Vergleich zur Referenzgruppe hatten Personen, die in beiden Erfassungszeiträumen körperlich inaktiv waren, ein doppelt so hohes Sterberisiko (Hazard-Ration 1,99) und ein 2,7-fach erhöhtes Risiko (HR 2,68) für einen kardiovaskulär bedingten Tod.

Bei mäßiger körperlicher Aktivität in beiden Zeiträumen war das Risiko für die Gesamtsterblichkeit um 60% (HR 1,60) und für die kardiovaskulär bedingte Sterblichkeit um 90% (HR 1,90) höher. Für Personen, die zwischen 1984 und 1986 noch körperlich aktiv, aber zwischen 2006 und 2008 dann inaktiv waren, war das Sterberisiko ähnlich wie bei ständiger Inaktivität.

Bei Personen, die zunächst körperlich inaktiv waren, sich dann aber mehr bewegten, war das Sterberisiko zwar auch im Vergleich zur Referenzgruppe erhöht, aber nicht so stark wie bei einem durchgehend inaktiven Lebensstil. Was darauf hinweist, dass es durchaus etwas bringt, wenn man in späteren Jahren noch mit mehr Bewegung beginnt.

 

Kommentar

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