Als „Hauptverantwortlicher“ der Opioid-Krise: Johnson & Johnson soll Oklahoma 572 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen

Deborah Brauser

Interessenkonflikte

28. August 2019

Johnson & Johnson und seine pharmazeutische Tochtergesellschaft Janssen werden für Schäden in Höhe von mehr als 572 Millionen US-Dollar haftbar gemacht, die im Rahmen der sogenannten „Opioid-Krise“ durch die Vermarktung von Opioiden im Bundesstaat Oklahoma verursacht worden sind. Dies hat ein ortsansässiger Richter am Wochenende in einem so genannten „Landmark"-Urteil angekündigt.

Der 8-wöchige Opioid-Prozess, in dem der Generalstaatsanwalt von Oklahoma, Mike Hunter, mehr als 17 Milliarden Dollar für den Staat gefordert hatte, war der erste derartige Prozess, der vor Gericht verhandelt worden ist. Allerdings wurden mehr als tausend weitere Klagen von regionalen und Landesregierungen eingereicht.

„Der Bundesstaat hatte eine Belastung durch das irreführende Marketing und die Verkaufsförderung von Opioiden der Angeklagten zu tragen," so der Bezirksrichter von Cleveland County Thad Balkman in seiner Urteilsbegründung.

 
Die Beklagten haben eine Opioid-Krise verursacht, die sich in erhöhten Suchtraten, Überdosis-Todesfällen und dem Abstinenzsyndrom bei Neugeborenen äußert. Thad Balkman
 

„Das Vorgehen des Unternehmens gefährdete die Gesundheit und Sicherheit von Tausenden von Bürgern in Oklahoma. Genauer gesagt, haben die Beklagten eine Opioid-Krise verursacht, die sich in erhöhten Suchtraten, Überdosis-Todesfällen und dem Abstinenzsyndrom bei Neugeborenen äußert", fügte er hinzu.

„Hauptakteur" der Opioid-Krise

Hunter und sein Anwaltsteam hatten ihre Argumente im Juli mittels 5-wöchigen Zeugenaussagen dargelegt.

„Wir haben gezeigt, warum wir glauben, dass Johnson & Johnson der Hauptakteur hinter der Opioid-Krise ist, die den Tod von Tausenden von Bürgern Oklahomas verursacht und eine Generation von Menschen geschaffen hat, die von Opioiden abhängig sind", so Hunter damals in einer Pressemitteilung, die von seinem Büro veröffentlicht worden war.

„Die Beweise sind eindeutig, dass sie für die von ihnen verursachten öffentlichen Missstände verantwortlich gemacht werden müssen", fügte er hinzu.

Der Staat Oklahoma beschuldigt Johnson & Johnson, bereits Anfang der 90er Jahre „einen mutierten Mohnstamm geschaffen zu haben"; der es ihnen erlaubte, mehr als 60% der Wirkstoffe für alle Opioide, die in den Vereinigten Staaten hergestellt und verkauft wurden, zu liefern. Zudem sollen sie alle Opioide als sicher und mit geringem Suchtrisiko vermarktet haben und eine Einflussliste erstellt haben, um zu gewährleisten, dass ihre Opioide auf die Zulassungslisten gelangen.

Zwischen den Jahren 2000 und 2011 seien Ärzte in Oklahoma „mehr als 150.000 Mal gezielt angesprochen worden", um synthetische Opioide, darunter Fentanyl und Tramadol, zu vermarkten, heißt es in der Pressemitteilung. Darüber hinaus habe die Zeugenaussage des Herstellers „die Sichtweise des Staates bestätigt, dass ein Überangebot an Opioiden zu Sucht und Tod führt".

Laut der Zeitung The Oklahoman gab es von 2000 bis 2017 mehr als 6.100 Todesfälle im Zusammenhang mit verschreibungspflichtigen Opioiden.

Unternehmen wird Beschwerde einlegen

Während des Prozesses hat Johnson & Johnson jedoch jegliches Fehlverhalten bestritten und erklärt, dass es gegen das Urteil Berufung einlegen wird. Zeugen und/oder Anwälte haben darauf hingewiesen, dass die US Food and Drug Administration (FDA) klare Risikoinformationen für Opioide auf allen Etiketten vorschreibt, aber die Ärzte diejenigen waren, die die Opioide weiterhin verordnet haben.

In der ursprünglichen Klage waren auch Purdue Pharma und Teva Pharmaceutical Industries als Beklagte genannt worden. Allerdings hat sich Oklahoma im März mit Purdue über eine Zahlung von 270 Millionen Dollar geeinigt – fast 200 Millionen Dollar davon werden als Stiftung für das Center for Wellness & Recovery an der Oklahoma State University verwendet.

Der Bundesstaat hat zudem im Mai mit Teva einen Vergleich über 85 Millionen Dollar geschlossen.

In der aktuellen Ankündigung sagte Balkman, dass sein Maßnahmenplan auf 572,1 Millionen Dollar ausgerichtet sei, um „die von den Angeklagten verursachten Belastungen sofort zu beheben", wobei die Einzelheiten der notwendigen Maßnahmen in seinem 42-seitigen Urteil vollständig beschrieben seien.

„Es gibt aber Möglichkeiten, diese Maßnahmen anzupassen, wenn ich darum gebeten werde", betonte er. Er ergänzte, dass er den Staat anweisen werde, innerhalb von 10 Tagen ein endgültiges Urteil zu fällen, das dann den Angeklagten vorgelegt werde, die dann 5 Tage Zeit hätten, um Einwände zu erheben.

„Wenn sich die Parteien nicht einigen können, wird das Gericht eine Frist für eine Anhörung festlegen, um die endgültige Verfügung zu regeln", sagte Balkman.

Dieser Artikel wurde von Sonja Boehm aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

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