Gefährliches Vaping – und nun sogar ein Todesfall: CDC prüft fast 200 Fälle von Lungenschäden bei Nutzern von E-Zigaretten

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

26. August 2019

Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) untersuchen derzeit knapp 200 Fälle von schweren Lungenerkrankungen im Zusammenhang mit der Nutzung von E-Zigaretten oder „Vaping“ [1]. Wie die CDC am Freitag mitteilten, ist darunter auch ein Todesfall: Ein Erwachsener aus dem US-Bundesstaat Illinois ist gestorben, nachdem er eine E-Zigarette benutzt hatte und mit schweren Atemwegsproblemen in die Klinik eingeliefert worden war. Alle Erkrankten hatten zuvor verschiedene Liquids über E-Zigaretten konsumiert – manche mit Nikotin, manche mit THC (Tetrahydrocannabinol), manche hatten auch selbst gemischte Produkte inhaliert.

Laut CDC sind vom 28. Juni bis 20. August 2019 aus bislang 16 US-Bundesstaaten derartige Fälle im Zusammenhang mit der Nutzung von E-Zigaretten gemeldet worden, darunter 30 in Wisconsin und 24 in Illinois. Die Patienten litten unter Husten, Kurzatmigkeit und Müdigkeit; einige hatten Fieber, Brustschmerzen, Gewichtsverlust, Übelkeit und Durchfall.

In Thorax-Aufnahmen fanden sich bilaterale Trübungen. Einige benötigten mechanische Beatmung. Bei nahezu allen Patienten war die Suche nach Infektionen erfolglos. Und die Symptome besserten sich nicht nach Antibiotika-, sondern erst nach Steroid-Gabe.

Die CDC fordern nun Ärzte nachdrücklich auf, mögliche weitere Fälle von unerklärlichen Vaping-assoziierten Lungenerkrankungen an die Gesundheitsbehörden zu melden.

Atmen wie durch einen Strohhalm

Einer der Erkrankten ist der 26 Jahre alte Dylan Nelson aus Burlington, Wisconsin, über den die Washington Post berichtet. Er nutze seit einem Jahr E-Zigaretten und sei im vergangenen Monat mit Lungenentzündung und anhaltenden Atemproblemen ins Krankenhaus eingeliefert worden, heißt es. Er berichtete über ein Gefühl, als ob er „durch einen Strohhalm atme“, litt unter Husten, Herzrasen und hyperventilierte. Nelson musste künstlich beatmet werden.

„Diese Fälle sind äußerst komplex zu diagnostizieren, denn die Symptome können einer Infektion ähneln, aber schwere Komplikationen und einen längeren Krankenhausaufenthalt bedingen“, erklärt Dr. Emily Chapman, ärztliche Leiterin am Children's Minnesota, das 4 Teenager im Alter von 16 bis 18 mit ähnlicher Symptomatik betreut hat, gegenüber der Washington Post. Ärztliche Hilfe sei in diesen Fällen unerlässlich – ob die Patienten langfristige Folgen zurückbehalten, sei derzeit noch nicht zu sagen.

„Es gibt keinen Diagnosecode ... für Lungenerkrankungen im Zusammenhang mit Vaping. Es wird deshalb schwer sein, im Einzelfall die konkreten Ursachen für die Symptomatik zurück zu verfolgen“, sagte der Pulmologe und Intensivmediziner Dr. Humberto Choi von der Cleveland Clinic gegenüber CNN.

Ebenfalls gegenüber der Washington Post wies Gregory Conley, Präsident der American Vaping Association, darauf hin, dass jeden Monat etwa 10 Millionen Erwachsene ohne größere Probleme Nikotin vapen bzw. dampfen. Die Organisation will nach eigenen Angaben Raucher von Tabak-Zigaretten dabei unterstützen, durch E-Zigaretten von ihrem Laster loszukommen. „Es scheint viel wahrscheinlicher, dass die Produkte, die Lungenschäden verursachen, Amateur-gefertigte Vaping-Produkte sind, die THC oder illegale Drogen enthalten, und nicht Nikotin“, meint Conley.

 
Wir haben noch keine ausreichenden Erfahrungen zu den Auswirkungen von Vaping, um – auch für Teenager – sichere Aussagen dazu machen zu können, dass dies eine wirklich sichere Praxis ist. Dr. Emily Chapman
 

Die Gesundheitsbehörden sind sich allerdings dessen nicht so sicher. Chapman jedenfalls stellt fest: „Wir haben noch keine ausreichenden Erfahrungen zu den Auswirkungen von Vaping, um – auch für Teenager – sichere Aussagen dazu machen zu können, dass dies eine wirklich sichere Praxis ist.“ Laut CDC haben 2018 mehr als 3,6 Millionen US-Mittel- und Oberschüler bei einer Umfrage bestätigt, in den vergangenen 30 Tagen E-Zigaretten verwendet zu haben.

In den USA dürfen E-Zigaretten mehr Nikotin enthalten als in Europa

Aus Deutschland sind bisher keine Fälle von schwerwiegenden Lungenschädigungen durch die Nutzung von E-Zigaretten bekannt. In der EU gelten aber auch andere Zulassungsbestimmungen für E-Zigaretten als in den USA: Dort dürfen E-Zigaretten deutlich mehr Nikotin enthalten.

So gibt es in den USA marktübliche Kapseln des Herstellers Juul mit 59 mg/ml Nikotin. Das entspricht einer Nikotinkonzentration von 5%. Erst seit einigen Monaten sind in den USA auch Kapseln mit geringeren Dosierungen erhältlich.

In EU-Mitgliedstaaten dürfen E-Liquids maximal 20 mg/ml Nikotin (1,7%) enthalten.

Die Popularität von E-Zigaretten ist in den letzten 10 Jahren deutlich gestiegen, obwohl es kaum Untersuchungen über die langfristigen Effekte gibt. Juul Labs, Inc., das Unternehmen für elektronische Zigaretten, das die führende Marke Juul vertreibt, teilt mit, Meldungen zu gesundheitliche Folgen würden gemonitort – man verfüge über „robuste Sicherheitsüberwachungssysteme“.

E-Zigaretten bieten keinen Ausweg aus der Sucht

Dass nach Ansicht von Experten aber E-Zigaretten keinen Ausweg aus der Sucht bieten, hatte Prof. Dr. Stefan Andreas beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in München deutlich gemacht. „Wer E-Zigaretten raucht, ist keineswegs abstinent – er ersetzt lediglich die eine Abhängigkeit durch eine andere“, erklärte der Ärztliche Leiter des Zentrums für Pneumologie an der Lungenfachklinik Immenhausen.

 
Wer E-Zigaretten raucht, ist keineswegs abstinent – er ersetzt lediglich die eine Abhängigkeit durch eine andere. Prof. Dr. Stefan Andreas
 

Es gibt Daten, nach denen 80% der E-Zigarettenraucher, denen es gelungen ist, auf Tabakzigaretten zu verzichten, nach einem Jahr immer noch regelmäßig E-Zigaretten nutzen. Aber: Nur 9% derjenigen, die Nikotinpflaster und Co. verwenden, um mit dem Tabakrauchen aufzuhören, nutzten diese Produkte ein Jahr später noch.

Welche Folgen der langfristige Konsum von E-Zigaretten hat, sei heute noch nicht absehbar, betonte Andreas: „Da die E-Zigarette erst einige Jahre auf dem Markt ist, gibt es noch keine Langzeitstudien zu ihren gesundheitlichen Auswirkungen. Es hat ja auch über 50 Jahre gedauert, die Folgen des Tabakrauchens zu untersuchen.“

 
Da die E-Zigarette erst einige Jahre auf dem Markt ist, gibt es noch keine Langzeitstudien zu ihren gesundheitlichen Auswirkungen. Prof. Dr. Stefan Andreas
 

Man müsse sich klar machen, dass die Tabakkonzerne ihren Markt durch die E-Zigarette erweitert hätten, um eine größere Zielgruppe an sich zu binden. Er fügt hinzu: „Schließlich hat die Industrie kein Interesse daran, ihren Absatz durch eine erfolgreiche Rauchentwöhnung zu verringern.“ Der Lungenarzt fordert professionelle Entwöhnungsprogramme für Raucher, die kostenfrei und flächendeckend verfügbar sind. Davon gebe es in Deutschland nämlich viel zu wenige.

WHO: Elektronische Nikotin-Abgabesysteme sind „schädlich“

In ihrem Bericht zum weltweiten Tabakkonsum Ende Juli hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Regulierung von E-Zigaretten gefordert. Sogenannte Elektronische Nikotin-Abgabesysteme (ENDS) seien „unzweifelhaft schädlich und sollten daher Vorschriften unterliegen“, erklärt die WHO.

Eine im März 2019 erschienene Studie im Journal of the American College of Cardiology (JACC) hat gezeigt, dass auch unter dem Konsum von E-Zigaretten das Risiko für Herzerkrankungen erhöht sein kann, ebenso die Wahrscheinlichkeit, an Depressionen und psychischen Störungen zu erkranken.

Und eine im Juni 2019 publizierte Studie von Wissenschaftlern der Standford University hat Hinweise darauf ergeben, dass die verschiedenen Aromen in E-Zigaretten unterschiedlich negative Auswirkungen auf die Gefäßzellen haben und zur endothylialen Dysfunktion beitragen können.

 

Kommentar

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