MEINUNG

HIV-Schutz-Pille endlich Kassenleistung: Wem Sie die PrEP verschreiben können und was dafür bezahlt wird

PD Dr. Martin Hartmann

Interessenkonflikte

9. September 2019

Am 1. September wurde die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) im EBM hinterlegt. PD Dr. Martin Hartmann erklärt, wie Sie Patienten nun optimal begleitenund wieivel Geld Sie dafür bekommen.

Transkript des Videos von PD Dr. Martin Hartmann:

Schönen guten Tag, hier ist Martin Hartmann aus dem Klinikum Heidelberg. Heute geht es um den Schutz vor einer HIV-Infektion.

Die Arbeitsgruppe von Farzan (Harvard Medical School, Boston) hatte vor kurzem eine neue Impfstoffstudie veröffentlicht, die gezeigt hatte, dass Makaken durch einen neuen eCD4-Antikörper wirksam vor SIV, also dem Äquivalent von HIV, geschützt werden können. Aber von einem erkrankten Makaken bis zum Menschen ist es weit und es dauert lange. Was kann ich momentan machen?

Ich kann keinen Sex ausüben oder ich kann Safer Sex ausüben. Wer beides nicht machen kann oder will, kann zur PrEP greifen. PrEP heißt Prä-Expositions-Prophylaxe der HIV-Infektion. Sie beinhaltet die Gabe von antiretroviral wirksamen Substanzen, in der Regel 2 nukleosidischen reverse Transkriptase-Inhibitoren. Am häufigsten werden Tenofovir Diproxil (TDF) und Emtricitabin (FTC) eingesetzt, die kontinuierlich gegeben werden und verhindern, dass eine HIV-Infektion auftritt.

In zahlreichen Studien bei MSM (Männern, die Sex mit Männern haben), bei Heterosexuellen und auch bei Drogenabhängigen konnte gezeigt werden, dass die PrEP effektiv und sicher ist. Knackpunkt ist die Compliance/Adhärenz. Patienten, die es nicht schaffen, die PrEP kontinuierlich einzunehmen, sind weniger geschützt.

Ein zweites Problem ist, dass es in Einzelfällen doch zur Infektion kommen kann. Dies ist dann der Fall, wenn multiresistente Stämme auftreten, vor denen eine zweifache Prophylaxe nicht ausreichend schützt.

Nebenwirkungen sind am ehesten leichte Nierenfunktionsstörungen, die dem TDF angeschuldigt werden. Deshalb sollte vor der PrEP die Nierenfunktion überprüft werden.

Eine PrEP schützt natürlich nicht vor anderen sexuell übertragenen Erkrankungen (STI), die inzwischen gehäuft bei PrEP-Gebrauch auftreten. Hierzu gehören bakterielle STI wie Chlamydien-Infektionen, Gonorrhö, Syphilis oder auch Mykoplasmen-Infektionen. Danach sollte gefahndet werden, weil ein Safer Sex in der Zeit nicht durchgeführt wird.

Inzwischen sind die Beratungsziffern zur PrEP im EBM verankert, und zwar eine Beratung vor Einleitung der PrEP, eine Beratung zur Einleitung der PrEP und eine Beratung zur Überprüfung der PrEP. Dazu kommen die Laborziffern, z. B. Kreatinin, oder eine Untersuchung auf HIV- oder HCV-Infektion. Bei entsprechendem Risikoverhalten kann eine Untersuchung auf die STI Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien-Infektionen veranlasst werden.

Die Preise einer TDF/FTC-Tablette schwanken zwischen 1,20 und 5,00 Euro pro Tablette je nachdem von welcher Firma sie bezogen werden können.

Wir bekommen also ab dem 1. September 2019 die kontinuierliche PrEP erstattet und zwar bezüglich Beratung und auch hinsichtlich der Laborziffern. Damit können wir die PrEP dem Patienten auch anbieten.

Es gibt auch eine diskontinuierliche PrEP. 2 bis 24 Stunden vor Risikokontakt und 24 Stunden danach werden je 2 Tabletten dieser Kombination eingenommen. Auch sie kann schützen, aber nicht ganz so effektiv. Ich benötige weniger Tabletten, habe geringere Kosten und ich bin nicht im Label, das heißt, die diskontinuierliche PrEP wird nicht erstattet.

Das war es aus Heidelberg. Vielen Dank.

 

Kommentar

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