Kardiovaskuläre Risiken des Rauchens im Vergleich: Die pAVK ist doppelt so wahrscheinlich wie KHK oder Schlaganfall

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

5. August 2019

Rauchen erhöht bekanntlich das Risiko für Koronare Herzerkrankung (KHK), Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) signifikant. Doch ist das Ausmaß der Risikoerhöhung für diese verschiedenen Endpunkte unterschiedlich, wie jetzt eine Studie im Journal of the American College of Cardiology (JACC) zeigt [1]. Danach ist das Risiko für Raucher, eine pAVK zu entwickeln, mehr als doppelt so hoch wie das Risiko für eine KHK oder einen Schlaganfall.

Dr. Kunihiro Matsushita von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore, USA, und Kollegen haben auch analysiert, wie sich ein Rauchstopp langfristig auf die Entwicklung des KHK-, Schlaganfall- und pAVK-Risikos auswirkt. Auch hier ergab sich für die pAVK das schlechteste Ergebnis: Während das Risiko für eine KHK nach 20 Jahren Rauchstopp wieder dem eines Nicht-Rauchers glich (beim Risiko für einen Schlaganfall war das nach 5 bis 20 Jahren der Fall), war das Risiko für eine pAVK erst nach 30 Jahren wieder auf dem Niveau eines Nicht-Rauchers.

„Unsere Ergebnisse belegen, wie wichtig eine gute Prävention und ein frühzeitiger Rauchstopp sind“, schreiben die Studienautoren. Sie weisen auch darauf hin, dass es wichtig sei, „neue Strategien zu entwickeln um die Öffentlichkeit für die pAVK als Folge des Rauchens stärker zu sensibilisieren“.

 
Unsere Ergebnisse belegen, wie wichtig eine gute Prävention und ein frühzeitiger Rauchstopp sind.  Dr. Kunihiro Matsushita und Kollegen
 

„Die Arbeit schließt über 13.000 Patienten ein, die zu Studienbeginn gesund waren und dann über 30 Jahre nachverfolgt wurden – das ist schon eine gut gemachte Studie“, stellt Prof. Dr. Stefan Andreas, Leiter der Pneumologie der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universität Göttingen, gegenüber Medscape fest. Wenngleich die Ergebnisse nicht wirklich neu seien, sondern vor allem bestätigten „was wir prinzipiell schon wissen“.

Lange Rauchdauer und hohe Intensität erhöhen pAVK-Risiko deutlich

Zwar ist Rauchen als sehr starker Risikofaktor für pAVK bekannt, doch „die meisten Aussagen über die Auswirkungen des Rauchens auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen basieren auf Untersuchungen zu koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall“, schreiben die Studienautoren.

Bislang habe keine Studie den langfristigen Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum, Rauchstopp und der Häufigkeit von pAVK, KHK und Schlaganfall verglichen.

Matsushita und Kollegen bezogen in ihre Analyse 13.355 Teilnehmer (Alter von 45 bis 64 Jahren) aus der ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk In Communities) ein, die zu Studienbeginn (1987 bis 1989) gesund waren.

Während des medianen Follow-up von 26 Jahren wurden 492 pAVK-Fälle, 1.798 CHD-Fälle und 1.106 Schlaganfälle dokumentiert. Für alle 3 kardiovaskulären Erkrankungen ließ sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Rauchdauer und Risiko sowie Rauchintensität und Risiko zeigen, der allerdings bei der pAVK am ausgeprägtesten war.

Probanden, die 35 Jahre oder länger geraucht hatten, wiesen im Vergleich mit Nichtrauchern eine Hazard Ratio (HR) von 5,56 (95%-Konfidenzintervall: 4,26–7,26) für pAVK auf. Für KHK lag die HR bei 2,30 (95%-KI: 1,98–2,66) und für Schlaganfall bei 1,91 (KI: 1,57–2,31).

Wer mehr als eine Packung am Tag rauchte (höhere Intensität), wies – im Vergleich mit Nichtrauchern – für pAVK eine HR von 5,36 auf, für KHK eine HR von 2,38 und für Schlaganfall eine HR von 1,88. Wer weniger als eine Packung am Tag rauchte, senkte das Risiko für eine pAVK nur mäßig: Die HR lag bei 3,20.

Rauchverzicht lohnt sich immer

„Die Botschaft der Studie ist, dass es nie zu früh oder zu spät ist, um mit dem Rauchen aufzuhören“, schreiben Prof. Dr. Nancy A. Rigotti vom Tobacco Research and Treatment Center der Harvard Medical School in Boston, USA, und Prof.Dr. Mary M. McDermott, Feinberg School of Medicine in Chicago, USA, im begleitenden Editorial [2].

„Es ist nie zu spät, wegen der relativ schnellen Umkehrung des kardiovaskulären Risikos nach Raucherentwöhnung, und nie zu früh, weil eine vollständige Risikoumkehr Jahrzehnte dauert – für das Risiko eine pAVK zu entwickeln sogar noch länger als für das Risiko eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalls“, erläutern die Wissenschaftler.

 
Die Botschaft der Studie ist, dass es nie zu früh oder zu spät ist, um mit dem Rauchen aufzuhören. Prof. Dr. Nancy A. Rigotti und Prof. Dr. Mary M. McDermott
 

Auch die Studienautoren betonen, dass Rauchverzicht sich immer lohnt: So zeigte die Studie, dass das pAVK-Risiko bereits 5 Jahre nach einem Rauchstopp auf 0,73 (im Vergleich zum Risiko eines weiter Rauchenden) sinkt, nach 5 bis 10 Jahren auf 0,43, nach 10 bis 20 Jahren auf 0,34 und nach 30 Jahren auf 0,22 – was dann mit dem Risiko eines Nichtrauchers (0,20) vergleichbar ist.

Deutschland europäisches Schlusslicht bei der Prävention

Leider schneidet Deutschland bei der Prävention schlecht ab und bildet mit Österreich das Schlusslicht innerhalb Europas, wie auch das Bundesgesundheitsblatt bemängelt. So ist Deutschland das einzige Land in der EU, das noch immer uneingeschränkt Tabakaußenwerbung erlaubt. Auch der Nichtraucherschutz ist hierzulande aufgrund von Ausnahmeregelungen lückenhaft. Zudem gab es seit mehr als 10 Jahren keine spürbaren Tabaksteuer-Erhöhungen mehr.

Zwar wurden auch in Deutschland seit 2002 verschiedene Maßnahmen ergriffen, das Rauchen einzudämmen, wie Warnhinweise auf Tabakverpackungen, eine Verteuerung des Tabaks, Nichtraucherschutzgesetze und Werbe- und Abgabebeschränkungen. Und all diese Regelungen haben auch dazu beigetragen, dass sich – vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen – ein deutlicher Trend zum Nichtrauchen abzeichnet. Auch der Zigarettenabsatz hat sich von 145,1 Mrd. Stück (2002) auf 75,8 Mrd. Stück (2017) fast halbiert.

Doch sind in Deutschland immer noch rund 13 % aller Todesfälle auf Rauchen zurückzuführen. 30% der Erwachsenen in Deutschland rauchen, bei den Jugendlichen seien es etwas weniger, berichtet Andreas.

 

Kommentar

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