Alternative zu Tampons und Binden: Metaanalyse prüft Menstruationstassen – eine gute Option, aber weitgehend unbekannt

Diana Philips

Interessenkonflikte

30. Juli 2019

Menstruationstassen bieten einen ähnlichen oder besseren Schutz als Binden oder Tampons, kosten weniger, haben nur geringe Nebenwirkungen und werden von Frauen, die über die Anwendung aufgeklärt worden sind, sehr geschätzt, wie eine Studie zeigt [1].

Trotz dieser Eigenschaften stellt das Hygieneprodukt aufgrund seiner mangelnden Anerkennung derzeit nur eine eingeschränkte Option für das Menstruations-Management dar, sagen die Forscher.

Dr. Anne Maria van Eijk, Senior Research Fellow an der Liverpool School of Tropical Medicine in Großbritannien, und ihre Kollegen berichten über ihre Ergebnisse in einem Artikel, der in The Lancet veröffentlicht worden ist.

Die Ergebnisse zeigen: Die Tassen sind bislang eine wenig genutzte Option, um Mädchen und Frauen während der Menstruation mit sicheren, effektiven und erschwinglichen Menstruationshilfsmitteln zu versorgen, insbesondere in ressourcenarmen Umgebungen, in denen ein fehlender Zugang zu solchen Produkten die Gesundheit negativ beeinflussen kann, schreiben die Autoren. 

Daten von über 3.300 Teilnehmern ausgewertet

Um die „Awareness“ für Menstruationstassen zu steigern, haben die Forscher eine systematische Metaanalyse zur internationalen Anwendung des Produkts durchgeführt. Sie sammelten auch Informationen über die Verfügbarkeit und die Kosten, verglichen die geschätzten Kosten- und Abfall-Einsparungen und untersuchten Online-Anleitungen, die die Verwendung und Funktion beschreiben.

Insgesamt werteten die Autoren Daten von 3.319 Teilnehmern aus 43 Studien aus, die in der Analyse Informationen über Leckagen, Akzeptanz oder Sicherheit von Menstruationstassen enthielten. Primärer Endpunkt war die Leckage (Wirksamkeit) des Produkts.

Es ging zudem um die Akzeptanz der Anwendung, Schwierigkeiten beim Einführen und Entfernen, Komfort, die Absicht, die Tassen auch weiterhin zu verwenden, unerwünschte Ereignisse und die Sicherheit unter schlechten hygienischen Bedingungen. Die Studienteilnehmer stammten aus verschiedenen Regionen, Alters- und Einkommensgruppen.

Leckagen und unerwünschte Wirkungen

Von den 43 Studien verglichen 4 Studien Leckagen mit Menstruationstassen und anderen Hygieneartikeln. Obwohl sich die Ergebnisse der Studien unterschieden, „war in 3 Studien das Ausmaß von Leckagen unter allen Produkten ähnlich und in einer Studie bei Verwendung von Menstruationstassen deutlich geringer“, berichten die Autoren.

Faktoren, die die Wirksamkeit der Menstruationstasse einschränkten, waren Menorrhagie, ungewöhnliche Anatomie der Gebärmutter, unzureichende Tassengröße und eine falsche Platzierung.

Im Hinblick auf die Produktsicherheit zeigten die Studien, die auch vaginale Untersuchungen einschlossen, keine Assoziation von Tassengebrauch und vaginalen oder zervikalen Anomalien. Auch Berichte über vaginale Verletzungen oder Irritationen und starke Schmerzen bei Gebrauch der Tasse waren selten und blieben, wenn dann ohne klinische Folgen. Bei 3 Allergie-bedingten Ereignissen, von denen in einer Kohortenstudie berichtet wurde, war in einem Fall eine rekonstruktive Vaginaloperation notwendig.

Eine häufige, unerwartete Begleiterscheinung war die Schwierigkeit, die Menstruationstasse wieder zu entfernen, in 49 Fällen musste dafür professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden (47-mal bei zervikalen Tassen und 2-mal bei vaginalen Tassen).

Im Vergleich zu anderen Produkten war die Menstruationstasse nicht mit mehr ungewollten Schwangerschaften oder einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden. Sie schien in einigen Studien sogar einen gewissen Schutz vor einer Candidose zu bieten.

Ein toxisches Schocksyndrom mit mikrobiologischer Bestätigung wurde in 5 Fallberichten von Anwendern der Menstruationstasse berichtet. Diese Zahl scheint gering zu sein; weil aber die Zahl der Benutzer von Menstruationstassen unbekannt sei, könne kein Vergleich des Risikos eines toxischen Schocksyndroms zwischen Menstruationstassen, Tampons oder dem intravaginalen Diaphragma durchgeführt werden, schreiben die Autoren.

Beschwerden beim Einsetzen lassen nach

Viele Nutzerinnen äußerten Bedenken, dass die Tasse schwierig oder schmerzhaft einzuführen sei oder dass sie Schäden an den Fortpflanzungsorganen verursachen könne.

In den Studien berichteten aber nur 3% der Teilnehmer, dass sie die Tasse nicht einsetzen konnten, und 11%, dass sie die Verwendung aus Produkt-spezifischen Gründen einstellten. Von Beschwerden beim Einsetzen berichteten 20% der Teilnehmerinnen. Es zeigte sich aber mit zunehmender Dauer der Anwendung über 2 bis 5 Zyklen eine deutliche Lernkurve.

 
3 Studien deuteten darauf hin, dass sich Schulbesuch, Konzentration und Leistung verbesserten, nachdem die Teilnehmer eine Menstruationstasse erhielten. Dr. Anne Maria van Eijk und Kollegen
 

73% der Studienteilnehmer, die die Einführung der Menstruationstasse zum ersten Mal testeten, wollten die Tasse weiterhin verwenden. „3 Studien deuteten darauf hin, dass sich Schulbesuch, Konzentration und Leistung verbesserten, nachdem die Teilnehmer eine Menstruationstasse erhielten“, schreiben die Autoren.

Zu den Herausforderungen bei der Verwendung der Menstruationstasse gehörten Schwierigkeiten bei der Reinigung und Lagerung sowie bei der Entleerung der Tasse in Schul- oder öffentlichen Toiletten.

Menstruationstassen sind günstig

Insgesamt fanden die Autoren 199 Marken von Menstruationstassen, die in 99 Ländern zu einem mittleren Preis von 23 US-Dollar erhältlich waren: „Die Anschaffungskosten und das Abfallaufkommen durch konsequente Verwendung einer Menstruationstasse würden nur einen kleinen Bruchteil der Kosten und Verschwendung durch Tampons ausmachen“, schreiben sie.

„Im Vergleich zur Verwendung von 12 Binden pro Periode würde die Verwendung einer Menstruationstasse 5% der Anschaffungskosten betragen und 0,4% des Kunststoffabfalls ausmachen, und im Vergleich zu 12 Tampons pro Periode würde die Verwendung einer Menstruationstasse 7% der Anschaffungskosten betragen und 6% des Kunststoffabfalls ausmachen.“

Aber nur wenige Frauen wissen von der Möglichkeit, bei der Menstruation solche Tassen zu verwenden: In 3 Studien in Ländern mit hohem Einkommen war nur 11 bis 33% der Frauen diese Option bekannt.

Von 69 Websites aus 27 Ländern mit Infos zu Pubertät und Menarche, die die Autoren untersuchten, erwähnten 77% der Websites Binden und 65% Tampons als Option, aber nur 30% Menstruationstassen.

Weitere Studien notwendig

Obwohl die Studie „die politischen Entscheidungsträger darüber informieren kann, dass Menstruationstassen eine Alternative zu Einweg-Hygieneartikeln sind, selbst wenn Wasser knapp und sanitäre Einrichtungen kaum verfügbar sind“, schränke die Qualität der verfügbaren Studien die Informationen ein, die aus ihnen gewonnen werden können, so die Autoren.

Sie stufen nur 3 der 43 Studien als qualitativ gut ein. „Es sind weitere Studien über Kosteneffizienz und Umweltauswirkungen verschiedener Menstruationsprodukte erforderlich …. Es sollten auch Monitoringsysteme eingerichtet werden, um etwaige negative Ergebnisse zu dokumentieren“, schreiben sie.

Informationen über gesamte Produktpalette notwendig

In einem begleitenden Kommentar stimmt Dr. Julie Hennegan von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, Baltimore, Maryland, der Einschätzung der Autoren zur Bedeutung der Analyse und dem Bedarf an Forschung zu [2].

„Für Verbraucher, die Menstruationsprodukte kaufen, zeigen die Ergebnisse, dass Menstruationstassen eine sichere und kostengünstige Option sind. Ganz entscheidend zeigt die Metaanalyse aber, dass die Aufklärung und Information über Menstruation keinen umfassenden Überblick über die Produkte gibt, um eine sachkundige Wahl zu treffen“, schreibt sie.

 
Für Verbraucher … zeigen die Ergebnisse, dass Menstruationstassen eine sichere und kostengünstige Option sind. Dr. Julie Hennegan
 

Hennegan sagt, dass die Studie mehrere „komplexe Fragen“ über kostenlose oder subventionierte Vertriebsprogramme für Menstruationsprodukte aufwerfe. Zum Beispiel: Welches ist das beste Produkt, das man anbieten kann? Wie können Anbieter Kosten und Nachhaltigkeit in Einklang bringen und den Nutzen für die Empfänger maximieren?

Sie fordert, fundierte (Kauf)-Entscheidung zu unterstützen, die Bevölkerung über die gesamte Produktpalette zu informieren und nicht durch Verbreitung von Marketingbotschaften bestimmte Produkte und kommerzielle Interessen zu unterstützen.

Hennegan: „Alle diejenigen, die menstruieren, brauchen Zugang zu einer Auswahl an Hygieneartikeln, die sicher und bequem sind und eine nachhaltige Produktion und Verwendung unterstützen.“

 

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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