Erstmals nachgewiesen: Kombi mit CDK4/6-Inhibitor verlängert bei fortgeschrittenem Brustkrebs auch das Gesamtüberleben deutlich

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

3. Juni 2019

Chicago – „Dies ist das erste Mal, dass eine statistisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens mit einem CDK4/6-Inhibitor in Kombination mit endokriner Therapie beim HR+/HER2-negativen Brustkrebs gesehen worden ist.“

Prof. Dr. Sara Hurvitz

Prof. Dr. Sara Hurvitz, Direktorin des Breast Cancer Clinical Research Program am UCLA Jonsson Comprehensive Cancer Center, Los Angeles, Kalifornien, USA, war beim Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) sehr angetan von den Ergebnissen der MONALEESA-7-Studie, die sie dort am Wochenende vorgestellt hat.

In der Studie lag bei prämenopausalen Frauen mit fortgeschrittenem HR+/HER2-negativem Brustkrebs die errechnete Überlebensrate nach 42 Monaten unter der Behandlung mit Ribociclib (und endokriner Therapie plus Goserelin) bei 70,2%. Dies im Vergleich zu einer Überlebensrate von 46,0% mit Placebo plus endokriner Therapie.

Hurvitz stellt dieses Ergebnis der Phase-3-Studie beim ASCO-Kongress am 4. Juni 2019 vor; es wird parallel im New England Journal of Medicine (Erstautor Dr. Seock-Ah Im) publiziert [1].

Die Onkologin erläuterte bei der Pressekonferenz weiter: „Es ist sehr schwierig in Studien bei Patienten mit metastasiertem Mammakarzinom eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens nachzuweisen, weil die Patientinnen nach dem Ende der Studienmedikation sehr oft noch mit weiteren Medikamenten behandelt werden.“

 
Dies ist das erste Mal, dass eine statistisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens mit einem CDK4/6-Inhibitor in Kombination mit endokriner Therapie beim HR+/HER2-negativem Brustkrebs gesehen worden ist. Prof. Dr. Sara Hurvitz
 

ASCO-Experte Prof. Dr. Harold J. Burstein, Dana-Farber Cancer Institute, Boston, bezeichnete die Studie auch deswegen als sehr wichtig, weil sie gezeigt habe, dass der CDK4/6-Inhibitor den Effekt der Hormontherapie nicht nur auf das progressionsfreie Überleben, sondern auch auf das Gesamtüberleben fast verdoppeln konnte.

Er betonte zudem: „Das ist die bislang größte Studie, die ausschließlich bei prämenopausalen Frauen durchgeführt worden ist.“ Er hoffe nun, dass weltweit mehr Frauen Zugang zu dieser Therapie erhalten werden.

Aggressiver Tumor im jüngeren Alter

Nach Aussage von Hurvitz werden in den USA im Jahr 2019 mehr als 268.000 Frauen an einem Mammakarzinom erkranken. Rund jede 5. davon ist jünger als 50 Jahre. Jüngere Frauen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom haben meist eine besonders aggressive Form der Erkrankung mit einer schlechteren Prognose.

MONALEESA 7 ist die erste Phase-3-Studie, in die nur prämenopausale Frauen aufgenommen worden sind. Untersucht wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Ribociclib-basierten Regimes zusätzlich zu endokriner Therapie in der Firstline im Vergleich zu Placebo additiv zur endokrinen Therapie.

In der EU ist der CDK4/6-Hemmer Ribociclib (Kisqali®) zur Behandlung von Frauen mit einem HR-positiven, HER2-negativen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant als initiale endokrin-basierte Therapie oder bei Frauen mit vorangegangener endokriner Therapie zugelassen. Bei prä- oder peri-menopausalen Frauen sollte die endokrine Therapie mit einem LHRH-Agonisten kombiniert werden.

Studie nur mit prämenopausalen Frauen

In die Studie wurden 672 nicht vorbehandelte prä- oder perimenopausale Frauen mit HR-positivem und HER2-negativem fortgeschrittenem Mammakarzinom aufgenommen. Randomisiert erhielten sie Ribociclib (600 mg/Tag) jeweils über 3 Wochen gefolgt von einer Woche Pause plus Tamoxifen oder nichtsteroidalem Aromataseinhibitor (NSAI) plus Goserelin (n = 335) oder Placebo plus endokriner Therapie (n = 337).

Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS), zu den sekundären Endpunkten gehörten das Gesamtüberleben, die Gesamt-Ansprechrate, der klinische Nutzen, die Sicherheit und von Patienten berichtete Outcomes.

Wie bereits früher berichtet und in Lancet Oncology publiziert, erreichte die Studie den primären Endpunkt: Das progressionsfreie Überleben wurde durch Ribociclib signifikant von 13,0 auf 23,8 Monate im Median verlängert (HR: 0,553; p < 0,0001).

Hurvitz präsentierte nun die Ergebnisse einer vordefinierten Interimsanalyse des sekundären Endpunkts Gesamtüberleben, die nach einer Nachbeobachtungszeit von 34,6 Monaten erhoben wurden. Dies waren weitere 15 Monate Follow-up nach der Analyse des primären Endpunkts. 35% der Patienten in der Ribociclib-Gruppe führten die Therapie zum Zeitpunkt dieser Analyse fort.

Durch die zusätzliche Gabe des CDK4/6-Inhibitors sank das relative Sterberisiko um 29% (p = 0,00973) wobei das mediane Gesamtüberleben (Overall Survival; OS) in der Ribociclib-Gruppe noch nicht erreicht worden war. In der Placebo-Gruppe lag es bei 40,9 Monaten.

Nach einer Landmark-Analyse (Ereigniszeitanalyse) überlebten nach 42 Monaten in der Ribociclib-Gruppe 70,2% und in der Placebo-Gruppe 46,0% der Patienten. Aufgrund der Signifikanz der Ergebnisse gelten sie nun entsprechend dem Protokoll als die finalen Ergebnisse der Studie für den wichtigen sekundären Endpunkt Gesamtüberleben.

Vordefinierte Subgruppenanalysen ergaben, dass Patienten, die Aromatasehemmer einnahmen, nach 42 Monaten mit 69,7% in der Ribociclib- und mit 43% in der Placebo-Gruppe ähnliche OS-Raten aufwiesen wie die Gesamtgruppe.

Das relative Risiko für Tod nahm mit Ribociclib um 30% ab. Bei Einnahme von Tamoxifen betrugen die OS-Raten 71,2% und 54,5%, das relative Risiko für Tod nahm um 21% ab. „Das ist eine kleine Subgruppe“, erläuterte Hurvitz die Tamoxifen-Daten. „Wir geben aktuell Tamoxifen nicht in Kombination mit Ribociclib. Nach Ende der Studie wurde festgestellt, dass Tamoxifen zu einer Verlängerung des QT-Intervalls führen kann.“ Ribociclib ist auch nicht für die Kombination mit Tamoxifen zugelassen. Bei der längeren Nachbeobachtungszeit wurden keine neuen, bislang nicht bekannten Nebenwirkungen beobachtet.

 

Kommentar

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