Fettarm, Obst, Gemüse, Ballaststoffe – Studie enthüllt, welche Kost das Risiko eines Brustkrebs-Todes reduziert

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

23. Mai 2019

Chicago – Frauen, die sich über mehr als 8 Jahre fettarm und mit viel Gemüse, Obst und Ballaststoffen ernährten, hatten ein um 21% geringeres Risiko, an Brustkrebs zu sterben, als Frauen, die eine normale US-amerikanische Kost zu sich nahmen.

„Dies ist die erste randomisierte, kontrollierte Studie, die belegt, dass eine gesunde Ernährung das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, verringert“, sagte Prof. Dr. Rowan Chlebowksi, Los Angeles Biomedical Research Institute, Harbor-UCLA Medical Center, Torrance, Kalifornien (USA), bei einer Vorab-Pressekonferenz zum Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) [1].

 
Es lohnt sich, die Patienten dazu anzuleiten, sich gesund zu ernähren. Prof. Dr. Lidia Schapira
 

Chlebowski wird die Daten bei diesem Kongress Anfang Juni präsentieren. Die Analyse stammt aus der Women‘s Health Initiative(WHI-)Studie zur Ernährungsmodifikation (WHI-DM), in die zwischen 1993 und 1998 knapp 49.000 postmenopausale Frauen aufgenommen worden waren.

ASCO-Expertin Prof. Dr. Lidia Schapira, Stanford Medical Center, Stanford, Kalifornien (USA), ordnete die Studie als „sehr wichtig“ ein. „Es lohnt sich, die Patienten dazu anzuleiten, sich gesund zu ernähren.“ Als hoffnungsvoll bezeichnete sie, dass die Studie auch einen Effekt gezeigt habe, ohne dass die Mehrzahl der Frauen der Interventionsgruppe das zunächst angestrebte Ziel erreicht hatten.

 
Die Studie zeigt, dass die Ernährung einen Unterschied im Risiko, an Brustkrebs zu sterben, macht. Prof. Dr. Monica M. Bertagnolli
 

„Die Studie zeigt, dass die Ernährung einen Unterschied im Risiko, an Brustkrebs zu sterben, macht. Diese Studie belegt, dass eine gesündere Ernährung keine Nachteile, sondern nur Vorteile hat“, kommentierte ASCO-Präsidentin Prof. Dr. Monica M. Bertagnolli, Harvard Medical School, Boston.

Die WHI-DM-Studie

In der WHI-DM-Studie waren 48.835 postmenopausale Frauen ohne Krebserkrankung zwischen 1993 und 1998 in 40 US-amerikanischen Zentren aufgenommen worden. Sie wurden in eine Gruppe mit Ernährungsmodifikation (40%, n = 19.541) und in eine Vergleichsgruppe mit normaler US-amerikanischer Ernährung (60%, n = 29.291) randomisiert.

Ziel der Studie war der Nachweis, dass durch eine Ernährung mit einem niedrigeren Fettanteil im Vergleich zur normalen Ernährung das Risiko für Brust- und Darmkrebs sowie für eine kardiovaskuläre Erkrankung gesenkt werden kann.

Vor Studienbeginn nahmen die Frauen mindestens 32% ihrer Kalorien in Form von Fett zu sich. In der Interventionsgruppe wurden die Frauen angehalten, diesen Anteil auf 20% zu senken, in dem sie mindestens fünfmal täglich Obst und Gemüse sowie Ballaststoffe verzehrten. Koprimäre Endpunkte waren die Inzidenz von invasivem Mammakarzinom, von invasivem Kolorektalkarzinom und von kardiovaskulären Ereignissen.

Primäre Endpunkte nicht erreicht

Die meisten Frauen in der Diätgruppe hatten den Fettanteil an der täglichen Energiezufuhr auf etwa 25% gesenkt, die anvisierten 20% erreichte die Mehrzahl nicht. Ihr Körpergewicht sank im Mittel um etwa 3%.

Wie 2006 in JAMA publiziert wurde, konnte nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 8,1 Jahren zwar eine um 9% geringere Inzidenz an invasiven Mammakarzinomen in der Diätgruppe gesehen werden, der Unterschied war jedoch nicht signifikant. Das Risiko für Kolorektalkarzinome wurde ebenfalls nicht signifikant verringert. Auch auf das kardiovaskuläre Risiko hatte die Ernährungsumstellung nur wenig ausgeprägte Effekte.

Aktuelle Analyse nach fast 20 Jahren Nachbeobachtungszeit

Nach 8,5 Jahren endete die Diätintervention der WHI-DM, die Frauen wurden jedoch weiter beobachtet. Chlebowski stellte nun Ergebnisse eines kumulativen Follow-ups von 19,6 Jahren im Median vor, in der er die Gruppe von Frauen analysiert hatte, die im Verlauf der Studie an Brustkrebs erkrankt waren.

Dies waren insgesamt 3.374 Frauen. Frauen der Diätgruppe hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe ein um 21% niedrigeres Risiko, an der Brustkrebserkrankung zu sterben (HR: 0,78; p = 0,025) und ein um 15% niedrigeres Gesamtsterberisiko nach einer Brustkrebsdiagnose (HR: 0,85; p = 0,01).

 
Man weiß nicht, welche Komponente (der Ernährung) ausschlaggebend war. Prof. Dr. Rowan Chlebowksi
 

Eine weitere Analyse der WHI-DM, die beim ASCO 2019 vorgestellt wird, ergab, dass Frauen mit schlechtem metabolischem Status noch stärker von einer fettreduzierten Ernährung profitieren können: Bei 3 bis 4 zusätzlichen metabolischen Risikofaktoren war das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um 29% geringer. Zu den metabolischen Risikofaktoren zählten ein Hüftumfang von mindestens 88 cm, Hypertonie, hohe Cholesterinwerte und Diabetes.

Unklar ist allerdings, so Chlebowksi auf Nachfrage in der Pressekonferenz, welche Komponente der Ernährungsumstellung besonders wichtig war. Die Fettreduktion sei damit zu erklären, dass die Probandinnen ihre tägliche Nahrungszufuhr reduziert und weniger Fleisch verzehrt hätten, obwohl dies nicht ausdrücklich empfohlen war.

Es sei wie mit allen Lebensstil-Interventionen: „Man weiß nicht, welche Komponente ausschlaggebend war.“ Die Botschaft der WHI-DM-Studie beinhalte, dass eine Modifikation der Ernährung hin zu einer gesunden Kost insgesamt sinnvoll sei.

 

Kommentar

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