Pseudomonas-aeruginosa-Ausbruch in Köln – gab es Hygieneprobleme in der Radiologie-Praxis?

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

16. Mai 2019

Ist der Tod eines 84-Jährigen in Köln auf eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa zurückzuführen und hat sich der Rentner damit in einer Kölner Radiologie-Praxis infiziert? Das prüft jetzt die Staatsanwaltschaft, berichtet Köln.de . Wie Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer mitteilt, wird auch untersucht, ob 28 ebenfalls erkrankte Patienten der Praxis mit dem Erreger infiziert sind.

Infektionsquelle peridurale Infiltrations-Therapie?

Die radiologische Praxis bestätigt gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger , dass es Infektionen gab. Mehrere Patienten seien an einer Meningitis erkrankt. „Im Rahmen von CT-gesteuerten periduralen Infiltrations-Therapien ist es in einem Zeitraum von zirka zweieinhalb Wochen zu Infektionen mit einem pansensiblen Erreger Pseudomonas aeruginosa gekommen“, erklärt der ärztliche Geschäftsführer des MVZ, Michael Herbrik.

Das MVZ hatten nach eigenen Angaben „aufgrund der Vielzahl der betroffenen Patienten“ selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Nach Angaben der Praxis wurden im Zeitraum 2. Januar bis 1. März 2019 insgesamt 297 Patienten mit der Infiltrations-Therapie behandelt, einige von ihnen mehrfach. Weil der Infektionszeitraum nicht sicher sei, seien die meisten potenziell Betroffenen Ende März schriftlich und mündlich informiert worden.

„Wir stehen in engem Kontakt mit den betroffenen Patienten und bedauern sehr, dass sie sich in unserer Praxis infiziert haben“, erklärt Herbrik. Er kündigte zudem an: „Sofern unseren Patienten durch ein Verschulden der Praxis ein Schaden entstanden ist, werden wir für diesen einstehen.“

Laut Staatsanwalt Bremer hatte sich der 84-Jährige Anfang des Jahres wegen Rückenproblemen in der Praxis behandeln lassen. Nachdem er eine Spritze erhalten hatte, sei es wiederholt zu Komplikationen gekommen. Nach einer Operation starb er Mitte April an Multiorganversagen. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb jetzt ein sogenanntes „Todesermittlungsverfahren“ eingeleitet.

Größter ambulanter Ausbruch mit dem Erreger in Europa

Nach Einschätzung von Dr. Peter Walger, Infektiologe und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), handelt es sich bei den Infektionen um „einen der größten Ausbrüche mit dem Erreger in einer ambulanten medizinischen Einrichtung“. Seines Wissens nach sei in ganz Europa „noch kein größerer Ausbruch“ beschrieben worden, teilte Walger dem dem Kölner Stadt-Anzeiger mit.

Pseudomonas aeruginosa zählt zu den häufigsten Krankenhauskeimen und kann bekanntlich Lungenentzündungen sowie Harnwegs- und Wundinfektionen verursachen. Wie Walger klarstellt, gehört eine Pseudomonas-aeruginosa-Infektion mit zu den schwersten Infektionen und kann auch zum Tod führen.

„Grundsätzlich ist zu sagen, dass Infektionen mit Pseudomonas-Bakterien häufig schwer verlaufen und eine Sepsis oder einen septischen Schock hervorrufen können“, erläutert Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Uniklinik Köln, und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Ein Multiorganversagen ist eine typische Komplikation eines septischen Schocks. Eine Meningitis durch Pseudomonas-Bakterien kommt selten vor, ist aber immer eine sehr schwere und ernste Erkrankung“, so Fätkenheuer.

Meist dringt der Erreger über eine Wunde, einen Katheter oder Beatmungsschläuche in den Körper ein. Gelangt er in Regionen des Körpers – Gewebe, Blut, Liquor –, die normalerweise bakterienfrei sind, kann er dort Infektionen verursachen. Je nach Ort und Menge der eingebrachten Bakterien dauert es dann unterschiedlich lange, bis Krankheitszeichen auftreten. Alle im aktuellen Fall erkrankten Patienten sollen nach Berichten verschiedener Kölner Medien Spritzen in den Rücken bekommen haben.

Vermutlich Fehler bei der Hygiene

Laut Kölner Medien hat das Umweltamt die Räumlichkeiten der Radiologie am 3. März von Hygiene-Experten der Universitätsklinik Köln untersuchen lassen. Bei ihrer Begehung nahmen die Hygieniker auch Proben aus dem Waschbecken-Siphon des Behandlungsraumes und vom verwendeten Kontrastmittel. Am 5. März wurden erneut Proben genommen. Am 12. März kamen auch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in die Praxis. Zwar wurde ein Keim entdeckt, allerdings noch nicht der Bakterienstamm, der im Körper der Infizierten nachgewiesen wurde.

Liegt den Infektionen ein Hygieneproblem zugrunde? „Damit Pseudomonas aeruginosa Infektionen auszulösen kann, müssen besondere Umstände vorliegen“, erklärt Prof. Dr. Sören Gatermann, Leiter des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger an der Ruhr-Universität Bochum: „Solche besonderen Umstände sind typisch bei Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen gegeben, weswegen Infektionen dort auch häufiger sind. Treten Infektionen mit dem Erreger in einer Arztpraxis wie berichtet auf, ist man geneigt, Hygienefehler bei dem durchgeführten Eingriff zu vermuten.“

 
Treten Infektionen mit dem Erreger in einer Arztpraxis wie berichtet auf, ist man geneigt, Hygienefehler bei dem durchgeführten Eingriff zu vermuten. Prof. Dr. Sören Gatermann
 

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt auch Fätkenheuer: „Die Umstände und der Umfang des Ausbruches sprechen dafür, dass in der betroffenen Praxis ein Hygieneproblem im Rahmen der angewendeten medizinischen Maßnahme aufgetreten ist. Aus meiner Sicht spielt es dabei keine Rolle, dass es sich um eine Praxis und nicht um eine Klinik handelt, da sowohl hier wie dort dieselben hygienischen Anforderungen für medizinische Eingriffe gelten.“

 
Die genaue Ursache für den Ausbruch ist bisher nicht bekannt. Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer
 

Er fährt fort: „Die genaue Ursache für den Ausbruch ist bisher nicht bekannt. Unter Leitung des Gesundheitsamtes wird nach möglichen Fehlern gesucht, die den Ausbruch verursacht haben könnten.“

Behandlungschancen stehen gut

 

Für die Behandlung einer Pseudomonas-Infektion sind eine frühzeitige Diagnose und der Einsatz effektiver Antibiotika entscheidend, so Fätkenheuer: „Wenn keine Resistenzen bestehen, kommt zur Therapie von Pseudomonas-Infektionen eine Handvoll Antibiotika infrage. Beim vorliegenden Ausbruch wurden meines Wissens keine resistenten Bakterien gefunden, die Behandlungsmöglichkeiten sind damit grundsätzlich gut. Wenn sich Abszesse gebildet haben, werden auch operative Eingriffe notwendig, um die Infektion vollständig zu beseitigen.“

 

Kommentar

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