Neuer Impfstoff gegen Herpes zoster: G-BA gibt grünes Licht für Personen über 60 – wahrscheinlich ab Sommer GKV-Leistung

Dr. Susanna Kramarz

Interessenkonflikte

7. Mai 2019

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat grünes Licht gegeben für die Übernahme der Herpes-zoster-Impfung für Personen über 60 Jahre in die gesetzlichen Regelleistungen [1]. Die Bekanntmachung des G-BA ist bereits ohne Einspruch des Bundesgesundheitsministeriums im Bundesanzeiger veröffentlicht worden. Damit ist jetzt die Impfung in allen Krankenkassen erstattungsfähig.

Bei dem neuen Impfstoff handelt es sich um einen Totimpfstoff, der anders als der bisher verfügbare Lebendimpfstoff auch und gerade bei immungeschwächten Patienten angewendet werden kann, etwa nach einer onkologischen Therapie oder bei dauerhafter Immunsuppression, so die Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI).

Denn steigendes Alter und geschwächte Immunkompetenz sind die wichtigsten Faktoren dafür, dass sich aus vor Jahrzehnten durchgemachten Windpocken eine Gürtelrose entwickelt: Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen, chronischer Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus, immunsupprimierte Personen und Patienten mit anderen schweren Grunderkrankungen, insbesondere mit Autoimmunerkrankungen haben laut RKI „im Vergleich zu immungesunden Personen in jedem Alter ein erhöhtes Risiko, an Herpes zoster zu erkranken“.

Zusätzlich treten bei diesen Personen auch häufiger schwere Verläufe oder Komplikationen des Herpes zoster auf wie etwa eine postzosterische Neuralgie oder eine Augenbeteiligung, die zur Erblindung führen kann. Deshalb wird die neue Impfung entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI nicht nur für alle Patienten ab 60 Jahre in die Regelleistungen aufgenommen, sondern für Patienten mit entsprechender Belastung bereits ab 50 Jahre.

70% lokale Nebenwirkungen

Auch bei über 70-jährigen Patienten wird nach zweimaliger Impfung eine ausreichende Immunität noch bei über 90% erreicht. Allerdings musste der Impfstoff hoch adjuvantiert werden, um eine derart zuverlässige Immunantwort zu provozieren. Die hohe Immunogenität hat ihren Preis: Auch wenn schwere Nebenwirkungen nicht häufiger auftreten als unter Placebo, berichten bis zu 70% der Probanden über lokale Beschwerden am geimpften Arm; Myalgien und Müdigkeit traten bei über 40% auf, jeder fünfte entwickelte vorübergehend eine Fieberepisode, teilweise mit Schüttelfrost.

Das Adjuvans AS01b ist allerdings aluminiumfrei, so dass die lokalen Beschwerden schneller abklingen als die selteneren, aber gelegentlich doch länger anhaltenden lokalen Reaktionen nach Impfungen mit Aluminium-adjuvantierten Impfstoffen.

Müssen Patienten betont auf diese möglichen Nebenwirkungen vorbereitet werden? Dr. Thomas Ledig, einer der beiden Allgemeinärzte in der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts, erklärt: „Da wir die Kassenzulassung noch nicht haben, habe ich bisher noch wenige Patienten geimpft und dabei keine schweren Folgen gesehen.“

 
Ich impfe antikoagulierte Patienten (…) immer intramuskulär und sorge für eine Kompression der Impfstelle für 5 Minuten. Dr. Thomas Ledig
 

Ledig betont, dass eigentlich die Abwägung, ob ein älterer Patient die Zoster-Impfung erhalten sollte oder nicht, immer zugunsten der Impfung ausfalle: „Bei schwer Immunsupprimierten Patienten und Patienten in sehr schlechtem Allgemeinzustand würde ich die Indikation zwar sehr streng stellen. Trotzdem kann gerade bei diesen Gruppen eine Zoster-Episode auch sehr schwer verlaufen. Hier ist eine sehr individuelle Abwägung zu treffen.”

Wenn wegen einer Immuninsuffizienz Bedenken gegen die Impfung bestünden und der Immunstatus unbekannt sei, könne eine serologische Testung sinnvoll sein. Denn ohne durchgemachte Varizellen-Erkrankung bestehe auch kein Risiko für eine Gürtelrose.

Auch bei marcumarisierten Patienten intramuskulär

Anders als der bisher verfügbare Lebendimpfstoff wird der neue Totimpfstoff intramuskulär gespritzt. Das gelte unbedingt auch für marcumarisierte Patienten, so Ledig: „Eine subkutane Injektion ist nicht vorgesehen und nicht empfohlen. Ich impfe antikoagulierte Patienten, bei denen eine klare und wichtige Indikation besteht, immer intramuskulär und sorge für eine Kompression der Impfstelle für 5 Minuten. Darunter habe ich in den vergangenen 15 Jahren noch nie eine relevante Blutung oder ein Hämatom gesehen.“
 

Kommentar

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