Ultraschall bei Schwangeren: DEGUM will Ersttrimester-Screening als Kassenleistung und beklagt Verunsicherung der Frauen

Heike Dierbach

Interessenkonflikte

2. Mai 2019

Berlin – Das Thema Ultraschall macht in der neuen Strahlenschutzverordnung nur einen sehr kleinen Teil aus. Doch die Auswirkung ist groß: „Wir werden jetzt täglich von Schwangeren gefragt, ob Ultraschall nicht gefährlich ist“, berichtet Dr. Kai-Sven Heling, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) und niedergelassener Pränatal-Diagnostiker in Berlin [1].

 
Wir werden jetzt täglich von Schwangeren gefragt, ob Ultraschall nicht gefährlich ist. Dr. Kai-Sven Heling
 

Dabei seien die Ultraschalldosen in der Schwangerenvorsorge so gering, dass sie im Körper keinen Effekt auslösten. Nach Ansicht der DEGUM wird in der Vorsorge auch nicht zu viel geschallt – eher noch zu wenig: Die DEGUM fordert, das sogenannte Ersttrimester-Screening, eine feindiagnostische Untersuchung um die 12. Woche, zur Kassenleistung zu machen.

PD Dr. Kai-Sven Heling

Der Bluttest kann weniger als das Ersttrimester-Screening

Hintergrund ist die derzeitige Debatte, ob der Bluttest auf Trisomie 21 künftig Kassenleistung werden soll. Bisher nutzen Schwangere, die ihr Risiko bestimmen möchten, oft das Ersttrimester-Screening. Dazu wird unter anderem die Nackenfalte des Kindes gemessen.

„Das Ersttrimester-Screening ist jedoch noch viel mehr“, betont Prof. Dr. Peter Kozlowski, Vorstandsmitglied der DEGUM und Professor für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: „Mehr als die Hälfte der relevanten fetalen Fehlbildungen können damit erkannt werden.“

Die Schwangere wählt das Screening also wegen des Down-Syndroms – und der Arzt findet dadurch den Herzfehler. „Wenn heute nicht so viele Schwangere das Ersttrimester-Screening zusätzlich wählen würden, würde ein erheblicher Teil kindlicher Fehlbildungen unentdeckt bleiben“, sagt Kozlowski.

 
Wenn heute nicht so viele Schwangere das Ersttrimester-Screening zusätzlich wählen würden, würde ein erheblicher Teil kindlicher Fehlbildungen unentdeckt bleiben. Prof. Dr. Peter Kozlowski
 

Doch bisher müssen Frauen diese zusätzliche Feindiagnostik selbst zahlen. Erhalten sie stattdessen künftig den Bluttest kostenlos, verzichten viele möglicherweise auf das Ersttrimeter-Screening, so die Befürchtung der DEGUM, und machen nur den Bluttest.

„Ein unauffälliger Befund wird dann oft mit einem gesunden Kind gleichgesetzt“, sagt Heling, „doch der Test erkennt eben nur Trisomien. Viele andere Probleme bei Kind und Mutter können nur durch die Feindiagnostik entdeckt werden.“ Die DEGUM fordert daher, das Ersttrimester-Screening zur Kassenleistung zu machen und in jedem Fall vor einem Bluttest auf Trisomie 21 durchzuführen.

Beratung kann auch Druck abbauen

Doch würde dies nicht praktisch auch ein Screening auf Trisomie bei allen Schwangeren bedeuten was der neue Bluttest gerade nicht sein soll? „Das Ersttrimester-Sreening muss nicht zwangsläufig die Messung der Nackenfalte beinhalten“, sagt Kozlowski, „die Schwangere kann vorher entscheiden, was sie wissen möchte und was nicht.“

Bei der Beratung könne der Arzt etwa darüber aufklären, dass nur die Trisomien altersabhängig sind. Für viele andere Fehlbildungen des Kindes haben jüngere Mütter ein gleich hohes Risiko wie ältere.

Dass noch eine kassenfinanzierte Untersuchung mehr Druck auf Schwangere ausübt, auch alles machen zu lassen, sieht Kozlowski nicht zwangsläufig: „Der Druck ist oft ohnehin vorhanden, etwa vom Partner, vom Umfeld oder auch nur durch den eigenen Lebensentwurf.“

Die Beratung im Zusammenhang mit der Feindiagnostik sei eine Chance, das anzusprechen, der Schwangeren auf ihrem eigenen Weg beizustehen „und letztlich damit auch Druck rauszunehmen.“

Keine Stellungnahme der DEGUM zur Verordnung

In einem Punkt befürwortet die DEGUM die Strahlenschutzverordnung, nämlich beim Verbot von 3D-Ultraschall ohne medizinische Indikation. Dieses so genannte Baby-Watching ist in kommerzieller Form ab Ende 2020 untersagt. „Viele der heutigen Anbieter sind wenig qualifiziert, so dass Fehlbildungen beim Baby-TV nicht erkannt werden“, sagt Heling. Auch dies wiege werdende Eltern in falscher Sicherheit.

 
Das Ersttrimester-Sreening muss nicht zwangsläufig die Messung der Nackenfalte beinhalten. Prof. Dr. Peter Kozlowski
 

Die DEGUM wurde nach eigener Aussage von der neuen Strahlenschutzverordnung überrascht. Dass es darin auch um medizinischen Ultraschall geht, habe man erst erfahren, als es zu spät war. Entsprechend gab es auch keine Stellungnahme der Fachgesellschaft.
 

Kommentar

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