Ist die Chemoprävention mit ASS auch beim Lungenkrebs eine mögliche Option?

Dr. Jürgen Sartorius

Interessenkonflikte

12. März 2019

Senkt niedrigdosierte Acetylsalicylsäure (ASS) nicht nur das Darmkrebs-, sondern auch das Lungenkrebs-Risiko? In einer südkoreanischen Kohortenstudie mit fast 13 Millionen Menschen im Alter zwischen 40 und 84 Jahren war die Einnahme über mindestens 5 Jahre mit einer moderaten Risikoreduktion für Lungenkrebs assoziiert – dies besonders bei Älteren und Nicht-Diabetikern.

Bei 63.040 dieser 13 Millionen Menschen (etwa 0,5%), die im Rahmen eines staatlichen Programmes umfassend medizinisch untersucht worden waren, war in den Jahren 2011 bis 2015 Lungenkrebs neu diagnostiziert worden. 72% der Patienten waren Männer. Die Inzidenzrate lag insgesamt bei 0,988 pro 1.000 Personenjahre.

Retrospektive Kohortenstudie mit über 63.000 Patienten

Im Vergleich zu Menschen, die kein ASS eingenommen hatten, nahm das Lungenkrebsrisiko dabei immer weiter ab, je länger die ASS-Einnahme dauerte. So errechneten die Autoren um Dr. Shinheeye Ye, Ewha Womans Hospital, Universität Seoul, Südkorea, eine Hazard Ratio (HR) nach 5 bis 6 Jahren Einnahme von 0,96, nach 7 bis 8 Jahren von 0,94 und nach 9 Jahren von 0,89.

Der mit steigender Dauer der ASS-Einnahme abnehmende Trend, an einem Lungenkarzinom zu erkranken, war mit p < 0,001 signifikant. Betrug die Dauer der ASS-Einnahme allerdings weniger als 5 Jahre, war die Risikoreduktion nicht signifikant.

Jedoch hatten 85% der Lungenkrebspatienten in den Jahren vor der Erkrankung (2002 bis 2010) kein ASS eingenommen, und nur 2,8% wiesen eine Einnahmedauer von mindestens 7 Jahren oder länger auf. Wer länger als 6 Monate ASS in Dosen von über 100 mg täglich eingenommen hatte, wurde von Anfang an aus der Studie ausgeschlossen.

Die Studie ist online im Journal of the American Medical Association (JAMA) publiziert worden [1]. Neben der Universitätsklinik war das südkoreanische Krankenkassensystem Auftraggeber dieser retrospektiven Analyse.

Risikoreduktion für Lungenkrebs nur bei bestimmten Faktoren

In den nach Geschlecht, Alter (über/unter 65), Übergewicht (über/unter BMI 25), Diabetes und Raucherstatus (nein/unter/über 30 Packungsjahre) stratifizierten Analysen ergab sich lediglich für Patienten über 65 Jahre und für Patienten ohne Diabetes eine signifikante Risikoreduktion für Lungenkrebs bei der Einnahme von niedrigdosierter ASS über mindestens 5 Jahre. Geschlecht, Körpergewicht und Raucherstatus waren in diesem Zusammenhang unerheblich.

Dabei definierten die Autoren ein „ASS“-Jahr mit einer Mindesteinnahme von 104 Tabletten, also von 2 solcher Tabletten pro Woche; die maximale Dosis durfte täglich 100 mg nicht überschreiten. Die Lungenkrebs-Diagnose wurde anhand der ICD-Codes C33.x und C34.x dokumentiert, für die Analyse aber nicht weiter spezifiziert.

Eine mögliche antineoplastische Wirkung von ASS könnte einerseits durch die Hemmung der Cyclooxygenase (COX)-1-gesteuerten Plättchenaktivierung, andererseits durch die Hemmung der COX-2-abhängigen Prostaglandin-Bildung erklärt werden, meinen die Autoren. Zudem wiesen sie darauf hin, dass Cyclooxygenase-2 in menschlichem Lungenkarzinom-Gewebe stark exprimiert wird – vor allem in Adenokarzinomen.

Als Stärken dieser Studie diskutieren sie die hohe Fallzahl und die damit verbundene hohe statistische Aussagekraft. Als Schwächen führen sie an, dass weder die Krebsdiagnosen noch die exakte Einnahme-Modalitäten von ASS detailliert dokumentiert worden waren. Letzteres könnte eine Erklärung dafür sein, dass die dokumentierten Effekte relativ gering ausfielen, bemerken die Epidemiologen.

So wünschen sich Ye und Kollegen weitere, insbesondere prospektive Studien, um den Zusammenhang zwischen niedrigdosierter ASS und Lungenkrebs genauer zu untersuchen.

 

Kommentar

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