FDA lässt erste Immuntherapie bei Brustkrebs im Schnellverfahren zu: Hat Atezolizumab das Zeug zum „neuen Standard“?

Nick Mulcahy

Interessenkonflikte

11. März 2019

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat am Freitag die beschleunigte Zulassung für Atezolizumab (Tecentriq®, Genentech/Roche) in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Nab-Paclitaxel (Abraxan®, Celgene) für die Erstlinienbehandlung von inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem, PD-L1-positivem, dreifach negativem Brustkrebs (TNBC) erteilt.

Erste Immuntherapie gegen Brustkrebs

Atezolizumab ist die erste Immuntherapie, die bei Brustkrebs zugelassen worden ist. Die Zulassung basiert zunächst auf Studienergebnissen zum progressionsfreien Überleben. Die Behörde behält sich vor, die Zulassung zu ändern, wenn weitere Endpunktdaten (zum Überleben) vorliegen.

Die Zulassung der Kombination basiert auf den Ergebnissen der multizentrischen IMpassion130-Studie, die auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) 2018 vorgestellt und gleichzeitig im New England Journal of Medicine veröffentlicht worden ist (wir berichteten).

Die Studie wies jeweils 451 Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem dreifach-negativem Brustkrebs nach dem Zufallsprinzip entweder Atezolizumab oder Placebo zu. Alle 902 Patienten erhielten auch Nab-Paclitaxel.

Reduziertes Risiko für Krankheitsprogression oder Tod

In der Intention-to-Treat (ITT)-Population reduzierte Atezolizumab das Risiko für eine Krankheitsprogression oder Tod (progressionsfreies Überleben; PFS) im Vergleich zu Placebo signifikant um 20% (Medianes PFS 7,2 vs. 5,5 Monate; Hazard Ratio[HR] = 0,80, 95% Konfidenzintervall[CI], 0,69-0,92, p = 0,0025).

Atezolizumab verbesserte auch das mediane Gesamtüberleben (OS), aber die statistische Signifikanz für diesen Endpunkt war zum Zeitpunkt der Zwischenanalyse noch nicht erfüllt (21,3 vs. 17,6 Monate; HR = 0,84, 95% CI, 0,69-1,02, p = 0,0840). Dieser koprimäre Endpunkt war von den Autoren hochgerechnet worden, das mediane Follow-up betrug erst 12,9 Monate.

Die Studienautoren erstellten auch eine Subgruppenanalyse für Patientinnen, die PD-L1+ waren. Dies wurde definiert als Expression ≥ 1% von PD-L1 auf Tumor-infiltrierenden Immunzellen. In dieser Subgruppen-Analyse bestand die Atezolizumab-Gruppe aus 185 Patienten und die Placebogruppe aus 184 Patienten.

In der PD-L1+-Population reduzierte Atezolizumab das Risiko einer Krankheitsprogression oder des Todes signifikant um 38% (Medianes PFS = 7,5 vs. 5,0 Monate; HR = 0,62, 95% CI, 0,49-0,78, p < .0001). Die Immuntherapie verbesserte auch das mittlere Gesamtüberleben (25,0 vs. 15,5 Monate; HR = 0,62, 95% CI, 0,45-0,86).

Atezolizumab bald neuer Standard bei PD-L1-positivem Brustkrebs?

Bei der Präsentation dieser Ergebnisse im vergangenen Jahr sagte der leitende Studienautor Prof. Dr. Peter Schmid, St. Bartholomew's Breast Cancer Centre, Barts Health NHS Trust, London, Großbritannien, dass in der PD-L1+ Untergruppe „wir einen fast 10-monatigen Gesamtüberlebensunterschied sehen, was meiner Meinung nach eine bedeutsame Ermutigung ist, dieses Medikament als neuen Standard zu betrachten".

 
Wir haben einen fast 10-monatigen Gesamtüberlebensunterschied gesehen, was meiner Meinung nach eine bedeutsame Ermutigung ist, dieses Medikament als neuen Standard zu betrachten. Prof. Dr. Peter Schmid
 

Dr. Kathy Miller, vom IU Simon Cancer Center an der Indiana University, Indianapolis, wandte jedoch ein, dass die Ergebnisse für das Überleben ja noch nicht endgültig waren. In einem Medscape-Kommentar dazu sagte sie: „Die Autoren von IMpassion130 kommen zu dem Schluss, dass Atezolizumab plus Nab-Paclitaxel ein neuer Versorgungsstandard in der PD-L1-positiven Untergruppe ist. An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich anderer Meinung bin. Was sie bisher berichtet haben, ist eine sehr bescheidene Verbesserung des progressionsfreien Überlebens. Wir wissen ehrlich gesagt noch nicht, ob es eine Verbesserung des Gesamtüberlebens gibt."

In der zulassungsrelevanten Studie ist Atezolizumab in einer festen Dosis von 840 mg über intravenöse (i.v.) Infusionen an den Tagen 1 und 15 jedes 28-Tage-Zyklus bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zu inakzeptabler Toxizität verabreicht worden. Nab-Paclitaxel wurde mit einer Anfangsdosis von 100 mg/m2 über i.v.-Infusionen an den Tagen 1, 8 und 15 eines jeden 28-Tage-Zyklus verabreicht.

 
Ich muss sagen, dass ich anderer Meinung bin. Was sie [die Autoren von IMpassion130] bisher berichtet haben, ist eine sehr bescheidene Verbesserung des progressionsfreien Überlebens. Dr. Kathy Miller
 

Die mediane Dauer der Atezolizumab- und Nab-Paclitaxel-Behandlung in der Atezolizumab-Gruppe betrug 24,1 Wochen bzw. 22,1 Wochen, und die mediane Dauer von Placebo und Nab-Paclitaxel in der Placebogruppe betrug 22,1 Wochen bzw. 21,8 Wochen.

Während des Studienzeitraums hatten 358 (79,4%) Patienten in der Atezolizumab-Gruppe und 378 (83,8%) von denen in der Placebo-Gruppe eine Krankheitsprogression oder starben. Die Forscher berichteten, dass unerwünschte Ereignisse (Adverse Events, AEs) mit den bekannten Sicherheitsprofilen der Studienmedikamente übereinstimmten; es wurden keine neuen Sicherheitssignale der Kombination von Atezolizumab plus Nab-Paclitaxel identifiziert.

Schwere unerwünschte Ereignisse (SAEs) wurden in 23% der Atezolizumab-Gruppe gegenüber 18% der Placebo-Gruppe gemeldet. Grad 3-4 AEs traten in 49% der Atezolizumab-Gruppe gegenüber 42% in der Placebo-Gruppe auf. Die häufigsten waren Neutropenie (8%), periphere Neuropathie (6%), verminderte Neutrophilenzahl (5%), Müdigkeit (4%) und Anämie (3%).

Dieser Artikel wurde von Sonja Boehm aus www.medscape.com übersetzt und angepasst.

 

Kommentar

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