Neuer Bluttest zur Brustkrebs-Früherkennung von Heidelberger Forschern – was es damit auf sich hat

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

21. Februar 2019

Ein Bluttest könnte die Früherkennung von Mammakarzinomen in absehbarer Zeit deutlich verändern: „Der von unserem Forscherteam entwickelte Bluttest ist eine neue, revolutionäre Möglichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust nicht-invasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen“, erklärt Prof. Dr. Christoph Sohn, Ärztlicher Direktor der Frauenklinik Heidelberg, in einer Pressemitteilung des Herstellers HeiScreen [1].

Bislang gilt die Mammografie als Goldstandard in der Brustkrebs-Früherkennung. Der neue Bluttest mache sie aber keinesfalls überflüssig, betont Sohn, dessen Team den sogenannten HeiScreen-Test entwickelt hat, sondern biete eine Ergänzung – vor allem für jüngere Frauen, die nicht mit dem Mammografie-Screening erfasst werden.

 
Der von unserem Forscherteam entwickelte Bluttest ist eine neue, revolutionäre Möglichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust … zu erkennen. Prof. Dr. Christoph Sohn
 

Der Test könne auch Diagnoseverfahren wie Ultraschall oder MRT erweitern. Sohn hat den Bluttest aktuell auf der FOKO 2019 der Frauenärztliche BundesAkademie (FBA) in Düsseldorf vorstellt.

Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im Jahr 2018 sind etwa 70.000 Frauen neu an Brustkrebs erkrankt. Wird er frühzeitig erkannt, ist die Heilungschance mit 95% jedoch sehr hoch.

Mit wenigen Millilitern Blut auch kleine Tumoren nachweisbar

Der Bluttest basiert auf dem Prinzip der Liquid-Biopsie, der blutbasierten Nukleinsäure-Analytik zum Nachweis von Tumorzellen bzw. Tumor-DNA im Blut. Im Blut von Frauen, die an Brustkrebs erkranken, konnten 15 verschiedene Biomarker identifiziert werden, mit deren Hilfe auch kleine Tumoren nachweisbar sind. Für den Test sind nur wenige Milliliter Blut notwendig. Er soll von jedem Labor durchgeführt werden können.

Das Universitätsklinikum Heidelberg forscht seit Jahren im Bereich Liquid-Biopsie: 2016 wurde das dem Test zugrundeliegende Verfahren als Patent angemeldet und erste Fördermittel wurden gewonnen. Seitdem ist das Verfahren kontinuierlich verfestigt und weiterentwickelt worden.

In den vergangenen 12 Monaten ist eine Kohorte von über 900 Frauen mit über 500 Brustkrebs-Patientinnen und 400 gesunden Frauen untersucht worden. Die Studie ist auf 2.000 Probandinnen ausgelegt und wird als Multicenterstudie fortgeführt.

Aktuelle Ergebnisse des Tests bei den 500 Brustkrebspatientinnen zeigen insgesamt eine Sensitivität von 75%. Es gibt altersabhängige Unterschiede: So beträgt die Sensitivität des Tests bei den unter 50-Jährigen sogar 86%, bei den über 50-Jährigen 60%.

Die blutbasierte Krebsdiagnostik schont die Patientinnen: „Das neue blutbasierte Verfahren ist deutlich weniger belastend für Frauen, weil es weder schmerzhaft ist noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht“, sagt Prof. Dr. Sarah Schott, Sektionsleiterin Translationale Frauenheilkunde und Leiterin für Familiäre Krebserkrankungen an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, die das Projekt gemeinsam mit Sohn leitet.

 
Das neue blutbasierte Verfahren ist deutlich weniger belastend für Frauen, weil es weder schmerzhaft ist noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht. Prof. Dr. Sarah Schott
 

Den Forschern zufolge liefert der Test eine höhere Genauigkeit, ein schnelleres Ergebnis, und er ist unabhängig von Größe und Art des Tumors sowie dem Alter der Patientin. Außerdem könne die Krankheit in einem sehr frühen Stadium entdeckt werden.

Umfassenderer Einsatz geplant

Ziel der fortlaufenden Studie ist es, die Aussagekraft, Sensitivität und die Einsatzmöglichkeiten des Tests durch Analysen weiter zu spezifizieren und zu verbessern.

Anhand der Biomarker soll etwa auch eine Metastasierung oder ein Rezidiv frühzeitiger erkannt werden und der Test zum Langzeit-Monitoring nach einer Krebserkrankung eingesetzt werden können.

Auch für die Therapie könnte der Test von Bedeutung sein: Die Biomarker könnten Auskunft darüber geben, ob der Tumor auf die Behandlung anspricht oder eine Therapieresistenz eintritt.

Erste Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass das individuelle Ansprechen auf eine Chemotherapie tatsächlich über die Liquid-Biopsie überwacht werden und so langfristig die Chemotherapie noch stärker personalisiert werden kann.

Auch wird der Einsatz bei weiteren Krebsarten, so z.B. bei Eierstockkrebs, erforscht. Bei dieser Indikation erreicht der Test laut aktueller Zwischenergebnisse derzeit eine Sensitivität von bis zu 80% bei rund 200 untersuchten Patientinnen.

Detailliertere Publikationen zum Bluttest liegen allerdings bislang noch nicht vor. „Insofern können wir leider nichts dazu sagen“, kommentiert Dr. Sybille Kohlstädt, Sprecherin des Deutschen Krebsforschungszentrums DKFZ in Heidelberg.

Der Hersteller gab bekannt, dass der Test noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Ob die Krankenkassen die Kosten für den Bluttest übernehmen werden – und falls ja, bei welchen Indikationen, ist noch unklar. Wie teuer der Test sein wird, steht ebenfalls noch nicht fest.

 

Kommentar

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