Prostatakrebs: Bei Hochrisikopatienten verbessert Docetaxel zusätzlich zu ADT weder Progression noch Metastasierung

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

18. Februar 2019

Bei Patienten mit nicht-metastasiertem Prostatakarzinom, deren PSA-Wert nach lokaler Therapie gestiegen war, bremste Docetaxel zusätzlich zu einer Androgrendeprivationstherapie (ADT) weder die Progression noch die Metastasierung – im Vergleich zu ADT alleine.

Dies ergab eine offene randomisierte Phase-3-Studie, deren Ergebnisse Prof. Dr. Stéphane Oudard, Hôpital Européen Georges Pompidou, Service de Cancérologie Médicale, Paris, und Kollegen, kürzlich in JAMA Oncology veröffentlicht haben [1]. Das Taxan verlängerte weder das Überleben noch verzögerte es die Entstehung von Metastasen. Es verzögerte aber die Zeit bis zur PSA-Progression um 15%. Die Ergebnisse lassen „darauf schließen, dass Docetaxel in einer Hochrisikogruppe nicht so gut geeignet ist, wie in einem metastasierten Setting“, so die Autoren.

 
Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Docetaxel in einer Hochrisikogruppe nicht so gut geeignet ist, wie in einem metastasierten Setting. Prof. Dr. Stéphane Oudard
 

Prof. Dr. Nicholas J. Vogelzang, Comprehensive Cancer Centers, Las Vegas, Nevada, USA, lobte im begleitenden Editorial in JAMA Oncology die Nachbeobachtungszeit von 10,5 Jahren [2]. „Es ist enttäuschend, dass der gewählte Endpunkt negativ war“, kommentierte er. „Wir wissen nun, dass der Optimismus für eine adjuvante Chemotherapie in dieser Population, der vor 15 bis 20 Jahren auf den guten Ergebnissen mit einer adjuvanten Chemotherapie beim Mammakarzinom basierte, unbegründet war, weil die biologischen Charakteristika von Mamma- und Prostatakarzinom unterschiedlich sind.“

Vogelzang ist der Meinung, dass die Androgenumgebung für die Auswahl der adjuvanten Therapie wichtiger als die Tumorlast ist. Nur Patienten, deren Tumor zu einem bislang noch nicht bekannten Zeitpunkt unabhängig vom Androgenrezeptor wachse, könnten von Taxanen profitieren. Leider könne man diesen Zeitpunkt bislang noch nicht bestimmen. Seine Empfehlung lautet daher, bei Hochrisiko-Patienten adjuvant eine ADT über 1 bis 2 Jahre einzusetzen.

Bei Patienten mit sehr hohem Risiko (Lymphknoten-positiv, positiver PSA-Wert nach radikaler Prostatektomie, junges Alter) empfiehlt Vogelzang eine adjuvante Taxantherapie. Aufgrund der uneinheitlichen Daten sollte dies aber eine sorgfältige überlegte Option bleiben: „Es gibt Patienten, für die eine adjuvante Taxantherapie nützlich ist – ich weiß aber einfach nicht, welche Patienten das sind.“

 
Wir wissen nun, dass der Optimismus für eine adjuvante Chemotherapie in dieser Population (…) unbegründet war (…). Prof. Dr. Nicholas J. Vogelzang
 

PSA-Anstieg – erhöhtes Risiko für Metastasen

Bei 15 bis 30% der Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom steigt innerhalb von 10 Jahren nach der Primärtherapie der PSA-Wert. In diesen Fällen entwickeln sich nach median 8 bis 10 Jahren distante Metastasen. Kliniker sind dann mit dem Problem konfrontiert, unter den Patienten mit steigenden PSA-Werten diejenigen zu erkennen, die das höchste Metastasierungsrisiko haben und sie dann zu behandeln. Bislang gibt es aber für diese Fälle noch keine Standardtherapie. Bei hormonempfindlichen metastasierten Patienten hat in 3 randomisierten Phase-3-Studien die zusätzliche Docetaxel-Gabe zu ADT das Überleben verlängert.

Oudard und Kollegen untersuchten nun in einer offenen randomisierten Phase-3-Studie die Wirksamkeit von zusätzlich zu ADT verabreichtem Docetaxel bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom ohne Metastasen nach Primärtherapie, deren PSA-Wert angestiegen war. Je 125 Patienten erhielten randomisiert eine ADT (Bicalutamid in den ersten 3 Wochen plus Triptorelin alle 3 Monate über 1 Jahr) oder eine ADT plus Docetaxel (70 mg/m² an Tag 1 eines 3-wöchigen Zyklus bei bis zu 6 Zyklen). Primärer Endpunkt war das PSA-bezogene PFS:

Eine PSA-Progression war nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 30 Monaten bei 63,2% der Patienten in der Kombinationsgruppe und bei 64,8% in der ADT-Gruppe aufgetreten. Das mediane PSA-PFS betrug 20,3 Monate unter ADT plus Docetaxel und 19,3 Monate unter alleiniger ADT (Hazard-Ratio 0,85, p = 0,31).

 
Es gibt Patienten, für die eine adjuvante Taxantherapie nützlich ist – ich weiß aber einfach nicht, welche Patienten das sind. Prof. Dr. Nicholas J. Vogelzang
 

Die radiologische Progression und das Überleben wurden im Median nach 10,5 Jahren beurteilt. Im Median dauerte es unter ADT plus Docetaxel 8,9 Jahre, unter ADT allein 9,0 Jahre bis zur radiologischen Progression des Tumors. Das radiologische PFS unterschied sich damit zwischen den beiden Armen nicht signifikant (HR 1,03, p = 0,88). Die Daten zum medianen Gesamtüberleben sind derzeit noch nicht reif.

Unerwünschte Wirkungen führten in der Kombinationsgruppe zu 4 Therapieabbrüchen, unter ADT allein zu 1 Therapieabbruch. Als häufigste hämatologische Nebenwirkung vom Grad 3 oder 4 trat unter Docetaxel-Behandlung eine Neutropenie bei 48% der Patienten auf. Bei 8% kam es zu einer febrilen Neutropenie und bei 3% zu einer Thrombozytopenie. Die Lebensqualität der Patienten unterschied sich zwischen den beiden Armen nicht.

 

Kommentar

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