Vorhofflimmern durch Alkohol? Schäden im Vorhof schon bei moderatem Konsum – möglicher Einfluss bei Katheterablationen

Interessenkonflikte

15. Februar 2019

In einer kleinen Querschnittsstudie mit elektrophysiologischem Mapping bei Patienten, die sich einer Katheterablation wegen eines Vorhofflimmerns unterziehen wollten, zeigte sich, dass sich ein regelmäßiger moderater Alkoholkonsum auf den elektrischen und strukturellen Zustand des Vorhofmyokards auswirkte. Dies berichteten Forscher in Heart Rhythm [1].

Ein solcher moderater Alkoholkonsum wurde hier mit einer Menge von 8 bis 21 Getränken pro Woche definiert und erwies sich als unabhängiger Prädiktor für einen strukturellen Umbau des Vorhofs. Dieser äußerte sich in einer signifikant niedrigeren Vorhofspannung und einer niedrigeren Leitungsgeschwindigkeit sowie in einer Vergrößerung des Vorhofes. Diese Befunde fanden sich nicht bei einem geringen Alkoholkonsum, der als eine Menge von 2 bis 7 Getränke pro Woche definiert wurde.

 
Diese Studie ergänzt jedoch die wachsende Evidenz dafür, dass übermäßiger Alkoholkonsum an der Pathogenese des Vorhofflimmerns beteiligt ist … Dr. Peter M. Kistler
 

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein mäßiger Alkoholkonsum „direkte Auswirkungen auf das Vorhofsubstrat“ hat, die dem Bild einer Myokardfibrose entsprechen, wenngleich die Assoziation kein Beweis für einen kausalen Zusammenhang mit dem Vorhofflimmern ist, stellt Dr. Peter M. Kistler vom Alfred Hospital im australischen Melbourne und Hauptautor der Studie fest.

„Diese Studie ergänzt jedoch die wachsenden Evidenzen dafür, dass übermäßiger Alkoholkonsum an der Pathogenese des Vorhofflimmerns beteiligt ist und als solcher einen potenziell veränderbaren Risikofaktor darstellt“, erklärt Kistler per E-Mail gegenüber Medscape.

3 Kategorien von Alkoholkonsum vergleichen

In die Studie wurden 75 ansonsten überwiegend gesunde Patienten mit paroxysmalem oder persistierendem Vorhofflimmern aufgenommen, die sich zwischen 2016 und 2018 in 2 Kliniken einer Katheterablation unterzogen hatten.

Dazu gehörten 25 nach eigenen Angaben lebenslange Antialkoholiker, 25, die einen Konsum von 2 bis 7 Getränken pro Woche erklärten (Durchschnitt 4,5), und 25, die nach eigenen Angaben in den letzten 12 Monaten 8 bis 21 Getränke pro Woche zu sich genommen haben (Mittelwert 14,1). Ein Getränk wurde als eine Alkoholmenge von 12 g definiert.

Ausgenommen waren Patienten mit permanentem Vorhofflimmern oder einer signifikanten strukturellen Herzerkrankung sowie Patienten, auf welche die Definition der Studie für Gelegenheitstrinker oder aber Vieltrinker zutraf.

Unterschiede in verschiedenen Parametern nachweisbar

Die durchschnittliche Größe des linken Vorhofs lag bei moderatem Alkoholkonsum höher als bei Nichttrinkern (28,0 vs. 22,7 cm²; p = 0,008).

Der linke Vorhof der Patienten wurde mit dem 3D-High-Density-Mapping-System CARTO (Biosense Webster) vor der Ablation nach dem Absetzen einer antiarrhythmischen Medikation im Sinusrhythmus (ggf. nach externer Kardioversion) untersucht.

Bei moderatem Alkoholkonsum wurde eine im Vergleich zu Nichttrinkern signifikant niedrigere mittlere Vorhofspannung, eine geringere Leitungsgeschwindigkeit und ein höherer Anteil vorzeitiger Vorhofkomplexe registriert.

Tab. 1 Elektroanatomisches Mapping mit dem CARTO-System nach Menge des konsumierten Alkohols

Messwert

Moderater Alkoholkonsum

Kein Alkoholkonsum

p-Wert

mittlere Vorhofspannung

1,53 mV

1,89 mV

0,02

Leitungsgeschwindigkeit

33,5 cm/s

41,7 cm/s

0,04

Anteil vorzeitiger Vorhofkomplexe

7,8%

4,5%

0,004

 

Bei geringem Alkoholkonsum fand sich im Vergleich zu gar keinem Konsum ein größerer Anteil an vorzeitigen Vorhofkomplexen bei grenzwertiger Signifikanz (6,6% vs. 4,5%; p = 0,047), jedoch kein signifikanter Unterschied bei der mittleren Vorhofspannung oder der Leitungsgeschwindigkeit.

Rezidive des Vorhofflimmerns

Bei 37% der Patienten kam es zu einem Rezidiv des Vorhofflimmerns im 12-Kanal- oder Langzeit-EKG, das entweder zu festgelegten Kontrollterminen oder beim Auftreten von Beschwerden während der im Durchschnitt 18,7-monatigen Follow-up-Phase durchgeführt wurde.

Diese 37% teilten sich auf in 9 Personen mit moderatem Alkoholkonsum, 11 mit geringfügigen Konsum und 8 Antialkoholikern, was einem Anteil von rund 40% der moderaten und geringfügig Alkohol Konsumierenden entspricht und von 32% der Antialkoholiker (p = 0,62). Diese Zahlen träten nicht in dem Artikel auf, so Kistler. Die Studie weise zu geringe Fallzahlen auf, um Unterschiede im Wiederauftreten eines Vorhofflimmerns aufzeigen zu können.

Zu den signifikanten unabhängigen substratbezogenen Prädiktoren für ein rezidivierendes Vorhofflimmern gehörten eine reduzierte mittlere Vorhofspannung, ein größerer Anteil an Niederspannungs-EKGs und eine höhere Prävalenz vorzeitiger Vorhofkomplexe.

„Unsere Untersuchung konzentrierte sich in erster Linie auf die Auswirkungen des Alkohols auf die elektrophysiologischen Eigenschaften des Vorhofes, aber zahlreiche jüngere Studien haben einen übermäßigen Alkoholkonsum als signifikanten Prädiktor für das Wiederauftreten nach einer Katheterablation identifiziert“, sagt Kistler. „Das unterstreicht die Wichtigkeit eines angepassten Lebensstils für ein möglichst gutes klinisches Ergebnis im Hinblick auf das Vorhofflimmern nach einer Ablation.“

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

MEHR

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....