Frühzeitig Levodopa bei Parkinson? Studie klärt, was es bringt – und was nicht

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

1. Februar 2019

Levodopa hat bei Parkinson keine krankheitsmodifizierende Wirkung. Was von Klinikern schon lange vermutet wird, bestätigt nun eine randomisierte, placebokontrollierte Studie. Im New England Journal of Medicine berichten die Autoren um Dr. C.V.M. Verschuur von Amsterdam Neuroscience, Niederlande, dass es keinen Einfluss auf den Schweregrad der Parkinson-Symptomatik hat, ob früher oder später mit einer Levodopa-Behandlung begonnen wird [1].

Prof. Dr. Claudia Trenkwalder

Auf Nachfrage von Medscape erklärt Prof. Dr. Claudia Trenkwalder, Professorin an der Universitätsmedizin Göttingen und Chefärztin der Paracelsus-Elena-Klinik Kassel, Deutschlands größtem und ältestem Zentrum zur Behandlung von Parkinson-Syndromen und Bewegungsstörungen: „Dass Levodopa einen rein symptomatischen Effekt hat, ist wenig überraschend, das zeigt sich auch in der klinischen Praxis. Interessant ist, dass es im Hinblick auf die Lebensqualität der Patienten offenbar sehr wohl einen Unterschied macht, wann sie mit der Einnahme von Levodopa beginnen.“

Frühe oder späte Behandlung

An der multizentrischen Studie nahmen 445 Patienten mit einer Parkinson-Erkrankung im Frühstadium teil. Eine Hälfte der Patienten erhielt sofort eine Behandlung – bestehend aus 300 mg Levodopa und 75 mg Carbidopa am Tag –, die andere Hälfte startete mit einem Placebo und erhielt erst nach 40 Wochen Levodopa und Carbidopa.

 
Dass Levodopa einen rein symptomatischen Effekt hat, ist wenig überraschend, das zeigt sich auch in der klinischen Praxis. Prof. Dr. Claudia Trenkwalder
 

Nach 80 Wochen überprüften die Mediziner um Verschuur, ob es hinsichtlich der Parkinson-Symptome einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen gab. Zur Messung zogen sie die Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS) heran, die von 0 bis 176 reicht. Höhere Scores bedeuten eine schwerere Symptomatik.

Ergebnis: Es gab nach 80 Wochen, am Ende der Studie, keinen signifikanten Unterschied in der Veränderung des UPDRS-Score seit Studienbeginn. „Bei Patienten mit früher Parkinson-Erkrankung, die über 80 Wochen beurteilt werden, hat eine Behandlung mit Levodopa in Kombination mit Carbidopa, keinen krankheitsmodifizierenden Effekt“, resümieren Verschuur und seine Koautoren.

Rein symptomatischer Effekt

Und Trenkwalder bestätigt: „Schaut man nur auf die Progression der Symptome, ist es offenbar egal, ob man ein Dreivierteljahr früher oder später mit der Behandlung anfängt, sie hat einen rein symptomatischen Effekt.“

Aber identisch sind die beiden Behandlungsstrategien dennoch nicht. In der Gruppe mit sofortigem Start der Levodopa-Behandlung war die Lebensqualität in den ersten 40 Wochen der Studie beträchtlich höher als in der Gruppe mit späterem Behandlungsbeginn.

Der Parkinson’s Disease Questionnaire-39 (PDQ-39), ein Instrument zur Ermittlung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, zeigte zwar im Mittel nach 80 Wochen keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Doch „bis Woche 56 ist ein deutlicher Unterschied zugunsten der frühen Behandlung zu erkennen“, Trenkwalder.

Häufiger Wechsel zur Behandlung

Die Parkinson-Spezialistin weist außerdem darauf hin, dass „viele Patienten in der Placebogruppe es gar nicht bis Woche 40 geschafft haben“.

„In der Gruppe mit spätem Behandlungsbeginn fingen 39% Patienten schon vor Woche 40 mit der Einnahme von Levodopa an, da die Symptome zu stark wurden“, berichten die Autoren. Levodopa habe deshalb in der Gruppe mit frühem Behandlungsbeginn vergleichsweise weniger Zeit gehabt, einen potentiell krankheitsmodifizierenden Effekt auszuüben als in der Gruppe mit spätem Behandlungsbeginn.

Dennoch gehen Verschuur und seine Kollegen davon aus, dass dies die Ergebnisse nicht beeinflusst, denn: „Die Per-Protocol-Analyse, die den Wechsel zu Levodopa berücksichtigt, kam zu den gleichen Resultaten wie die Intention-to-treat-Analyse.“

 
Dies zeigt aber auch, dass die Patienten eine Behandlung brauchen und mit einem Placebo nicht auskommen. Prof. Dr. Claudia Trenkwalder
 

„Dieser hohe Anteil an Patienten, der die Gruppe gewechselt hat, sollte bei der Interpretation der Studienergebnisse berücksichtigt werden. Andererseits zeigt dies aber auch, dass die Patienten eine Behandlung brauchen und mit einem Placebo nicht auskommen“, resümiert Trenkwalder. „Und diese Studie macht zudem deutlich, dass Levodopa keinen negativen Effekt auf den frühen Krankheitsverlauf ausübt, wie dies manchmal von Patienten befürchtet wird.“
 

Kommentar

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