Size matters – vor allem bei Frauen: Körpergröße und -gewicht beeinflussen die Lebenserwartung

Kurt-Martin Mayer

Interessenkonflikte

28. Januar 2019

Die körperlichen Maße einer Frau – sowohl das Gewicht (gemessen als BMI) als auch die Größe – wirken sich offenbar stärker auf die Lebenserwartung aus als dies bei Männern der Fall ist. Diesen Schluss lässt eine Beobachtungsstudie von Lloyd Brandts sowie Dr. Piet van den Brandt von der Abteilung für Epidemiologie der Universitätsklinik Maastricht in den Niederlanden zu. Ebenso zeigten sich unterschiedliche Zusammenhänge zwischen Lebenserwartung und körperlicher Aktivität bei den Geschlechtern.

Da die erhobenen Daten zum Lebensstil jedoch auf Angaben der Teilnehmer beruhen und es sich nur um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich kein kausaler Zusammenhang herstellen. Erschienen ist die Arbeit im britischen Journal of Epidemiology & Community Health  [1].

Kohorte mit 120.000 Männern und Frauen nachverfolgt

Brandts und Brandt griffen auf Teilnehmer der niederländischen Kohortenstudie (Netherlands Cohort Study, NLCS) zurück. Die NLCS (2) schloss bei ihrem Start im Jahr 1986 insgesamt 120.000 Männer und Frauen zwischen 55 und 69 Jahren ein. Die Forscher überprüften den Zusammenhang zwischen Gewicht, Körpergröße, körperlicher Aktivität und der Wahrscheinlichkeit, 90 Jahre oder älter zu werden.

Außerdem interessierten sie sich für Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 7.807 Studienteilnehmer (4.161 von ihnen Frauen) zwischen 68 und 70 Jahren hatten 1986 die notwendigen Angaben gemacht und sich außerdem an ihr Gewicht im Alter von 20 Jahren erinnert.

Die körperlichen Aktivitäten, von Gartenarbeit über das Ausführen des Hundes bis zu regelmäßig betriebenem Freizeitsport, wurden in 3 zeitliche Kategorien zusammengefasst: weniger als 30 Minuten pro Tag, 30 bis 60 Minuten und 90 Minuten oder mehr.

Zu den sonstigen Einflussfaktoren, die die Epidemiologen bei der Auswertung berücksichtigten, zählen der gegenwärtige beziehungsweise vergangene Zigarettenkonsum, Alkohol, Schulabschluss und die tägliche Kalorienaufnahme.      

Die Beobachtungszeit eines jeden Teilnehmers lief bis zu seinem Tod oder längstens bis zu seinem 90. Geburtstag. Diesen erreichten 433 Männer (16,7%) und 944 Frauen (34,4%).

Bei Frauen genügt offenbar eine mittlere Dosis Bewegung

Die so alt gewordenen Frauen waren im Durchschnitt größer, hatten beim Studienstart weniger gewogen und hatten seit dem Alter von 20 weniger Gewicht zugelegt als ihre kleineren und schwereren Geschlechtsgenossinnen. Frauen mit mehr als 175 Zentimeter Körpergröße vollendeten mit 31% höherer Wahrscheinlichkeit das 90. Lebensjahr als Frauen unter 160 Zentimeter. Bei Männern waren diese Unterschiede nicht zu entdecken.

Bei ihnen zeigte sich auch ein eher linearer Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Langlebigkeit. Jeweils 30 Minuten mehr Bewegung pro Tag schlug sich in einer um jeweils 5 % erhöhten Chance nieder, 90 oder älter zu werden.

Bei Frauen ergab dagegen kein linearer Zusammenhang. Wer zwischen 30 und 60 Minuten pro Tag körperlich aktiv war, erreichte die 90 mit um 39% höherer Wahrscheinlichkeit als bei weniger als 30 Minuten täglicher Belastung. Doch die optimale Spanne pendelte sich bei 60 Minuten ein, mehr brachte kaum einen Zugewinn an Lebensjahren. Der Zusammenhang habe die Form eines U, schreiben Brandts und Brandt.

Die Autoren verweisen darauf, dass der Trend zu einer immer höheren Lebenserwartung in manchen westlichen Ländern offenbar zum Stillstand gekommen sei und machen dafür vorrangig Übergewicht verantwortlich.

 

Kommentar

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