Fall: Ein kleiner „Teufel“ terrorisiert Mitschüler und Lehrer. Wie kriegen Sie den 9-Jährigen in den Griff, bevor Schlimmeres passiert?

Dr. James Robert Brasic

Interessenkonflikte

18. Januar 2019

Hintergrund

Dieser 9-jähriger Junge hat eine Vielzahl von Problemen. In den letzten Wochen, bevor er mit seiner Mutter in die Notaufnahme kam, war er in der Schule wegen gewalttätigem Verhalten gegen sich selbst und seine Mitschüler aufgefallen. Er hatte versucht, sich an einem Heizgerät zu verbrennen und sich einen Bleistift in die Hand gebohrt. Außerdem griff er einen Lehrer an und warf einen Stuhl ohne ersichtlichen Grund auf ein anderes Kind.

Der Junge wurde durch eine Vergewaltigung gezeugt. Obwohl die Nabelschnur seine Kehle bei der Geburt eingeschnürt hatte, lagen seine Apgar-Werte bei 6 und 8. Das Serum-Bilirubin war erhöht. Er war bei der Geburt mit Streptococcus viridans und Coryne-Bakterien infiziert.

Er hatte zudem eine Gaumenspalte (s. Abb. 1).

Im Alter von knapp 3 Jahren wurde seine Gaumenspalte chirurgisch versorgt. Zugleich waren ihm wegen mehrfacher Otitis media beidseitig Paukenröhrchen eingesetzt worden (Abb. 2). Ein Jahr später wurde eine rechtsseitige Hydrozele operativ beseitigt (Abb. 3). Nach einem  weiteren Jahr ergab eine audiologische Untersuchung eine linksseitig leicht und rechtsseitig leicht bis mäßig ausgeprägte Schallleitungsschwerhörigkeit.

Mit 5 Jahren versuchte der Junge vorsätzlich, einen Baum in Brand zu setzen. Im Alter von 7 Jahren würgte er eine Katze und entzündete ein Feuer in seinem Kinderzimmer. Seine Mutter berichtete, dass ein Ladenbesitzer aus ihrer Nachbarschaft bereits öfters beobachtet hätte, wie der Junge Dinge geklaut habe. Außerdem hatte er häufig mit anderen Kindern aus der Familie und der Nachbarschaft gerauft. Einen Monat vor dem aktuellen Erscheinen in der Notaufnahme hatte der Freund der Mutter den Jungen im angetrunkenen Zustand so verprügelt, dass er davon Narben auf seinem Oberkörper zurückbehalten hatte.

Beide Elternteile waren in ihrer Vergangenheit drogenabhängig. Die Mutter war selbst bei verschiedenen Pflegeeltern an unterschiedlichen Orten aufgewachsen, nachdem sie von ihrer eigenen Mutter verlassen worden war. Die Mutter des Jungen hatte seit ihrer Kindheit psychische Störungen, die zu mehreren Aufenthalten in der Psychiatrie und einer antipsychotischen Therapie geführt hatten. Der Vater war gewalttätig und misshandelte andere Menschen. Er war nicht in die Familie eingebunden.

In der Familienanamnese waren keine Fälle von Hörstörungen bekannt. Das Kind selbst hatte noch keine Erfahrungen mit Alkohol oder Drogen.

Da der Junge eine ernsthafte Gefahr für sich und andere darstellte, wurde er von der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie stationär aufgenommen.

Kommentar

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