Quiz: Die Grippe-Welle kommt! Überraschende Details zu Symptomen, Tests und Medikamenten. Machen Sie den Influenza-Check …

Dr. Michael Stuart Bronze

Interessenkonflikte

10. Januar 2019

Derzeit empfohlene antivirale Medikamente sind die Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir (erste Wahl, oral) und Zanamivir als Nasenspray.

Vor Kurzem hat die amerikanische FDA Baloxavir-marboxil-Tabletten zur Behandlung der akuten unkomplizierten Influenza bei Personen ab 12 Jahren zugelassen, die seit maximal 48 Stunden symptomatisch sind. Es ist seit etwa 20 Jahren das erste antivirale Grippemittel mit einem neuartigen Wirkmechanismus, das von der FDA zugelassen worden ist.

Baloxavir marboxil ist ein oraler, Cap-abhängiger Endonukleasehemmer, der die Vermehrung des Influenzavirus blockiert, indem er die Einleitung der mRNA-Synthese hemmt. Weil der Wirkmechanismus ein anderer als bei den herkömmlichen Influenza-Medikamenten ist, kann er auch gegen Viren eingesetzt werden, die beispielsweise resistent gegen Tamiflu® sind. Als erstes wurde er in Japan für die Influenzabehandlung zugelassen.

Ein Antrag auf Zulassung in Europa liegt laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bisher nicht vor, weshalb Baloxavir für diese Grippe-Saison in Deutschland nicht verfügbar sein wird. Das Unternehmen Roche hat sich inzwischen die weltweiten Vermarktungsrechte – außer in Taiwan und Japan – gesichert. Es wird Baloxavir gemeinsam mit der japanischen Firma Shionogi weiterentwickeln.

Eine Arbeitsgruppe des Expertenbeirats Influenza am Robert Koch-Institut (RKI) hat die Patientengruppen definiert, bei denen antiviral wirksame Medikamente zum Einsatz kommen sollten:

  • hospitalisierte Patienten

  • Patienten mit einer schweren, komplizierten oder progressiven Erkrankung

  • Patienten mit einem erhöhten Risiko für influenza-assoziierte Komplikationen. Dazu zählen:

    • Kinder unter 2 Jahre und Erwachsene über 65 Jahre

    • Patienten mit chronischen Erkrankungen, z.B. COPD, Diabetes, Herzinsuffizienz, BMI > 40, schweren neurologischen Erkrankungen

    • Mit iatrogener oder erworbener Immunsuppression

    • schwangere oder postpartale (< 2 Wochen) Frauen

    • Personen unter 19 Jahren mit ASS-Dauertherapie (Gefahr eines Reye-Syndroms)

    • Personen in Pflegeheimen und ähnlichen Einrichtungen, in denen chronisch Kranke versorgt werden.

Eine antivirale Behandlung kann auch auf der Grundlage eines klinischen Urteils für jeden ambulanten Patienten mit bestätigter oder vermuteter Grippe, der keine bekannten Risikofaktoren für schwere Krankheiten aufweist, in Betracht gezogen werden, sofern die Therapie innerhalb von 48 Stunden nach Einsetzen der Symptomatik eingeleitet wird. Chronisch kranke und hospitalisierte Personen können auch noch bis zu 5 Tage nach dem Einsetzen der Symptomatik von einer Therapie profitieren.

Die Behandlungsdauer kann bei entsprechender Klinik und individueller Einschätzung auch über die im Normalfall üblichen 5 Tage deutlich hinausgehen.

Die Neuraminidase-Hemmer (Oseltamivir, Peramivir (intravenös verabreicht) und Zanamivir) sind gegen Influenza-A- und -B-Viren (einschließlich H1N1, „Schweinegrippe“) aktiv. Die Adamantane (Amantadin und Rimantadin) sind jedoch nur gegen Influenza-A-Viren wirksam. Seit 2006 werden wegen der weitverbreiteten Resistenz gegen die Adamantane unter den Influenza-A (H3N2)-Virusstämmen nur noch die Neuraminidase-Hemmer empfohlen.

Um als Behandlung wirksam zu sein, müssen diese Mittel innerhalb von 48 Stunden nach dem Einsetzen der Symptomatik verabreicht werden. Sie sind am wirksamsten, wenn sie innerhalb der ersten 24 Stunden der Symptomatik gegeben werden. Wenn die Behandlung 24 bis 48 Stunden nach dem Auftreten der Symptome beginnt, ist ihre Wirksamkeit bereits geringer.

Zur Effektivität lieferte die Schweinegrippe im Jahr 2009 einige interessante Daten: Der sofortige Einsatz antiviraler Medikamente während der Pandemie verbesserte damals das Überleben schwerkranker schwangerer Frauen. Eine CDC-Studie mit 347 Schwangeren (272, die eine Aufnahme auf eine Intensivstation benötigten, überlebten; 75 starben) und 15 schwerkranken Frauen nach der Geburt (von denen 9 starben) ergab: 94,8% der Überlebenden hatten eine antivirale Behandlung mit Oseltamivir oder Zanamivir erhalten, während es unter den Gestorbenen nur 86,1% waren. Dies war ein statistisch signifikanter Unterschied.

 

Kommentar

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