Enttäuschte Hoffnung beim dreifach negativen Mammakarzinom: Adjuvantes Capecitabin senkt hohes Rezidivrisiko nicht

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

20. Dezember 2018

Prof. Dr. Miguel Martin

San Antonio – Die adjuvante Therapie mit Capecitabin verbessert bei Frauen mit dreifach negativem Mammakarzinom das krankheitsfreie Überleben (DFS) nicht – dies im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die nur beobachtet wird. Dies ergab die Phase-3-Studie CIBOMA/2004-01_GEICAM/2003-11, deren Ergebnisse Prof. Dr. Miguel Martin, Universität Complutense, Madrid, Spanien, beim San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2018 vorgestellt hat [1].

„Wir sind enttäuscht, dass die adjuvante Therapie mit Capecitabin zusätzlich zur Standardbehandlung das krankheitsfreie oder Gesamtüberleben nicht signifikant verbessert hat“, so der spanische Onkologe in einem Pressestatement.

Aber: In einer Subgruppe von Patientinnen mit EGFR- und CK5/6-negativen (nichtbasalen) Tumoren fand sich ein deutlicher Unterschied im DFS und im Gesamtüberleben (OS). Dieser interessante Befund sollte allerdings nach Aussage von Martin mit Vorsicht interpretiert werden. Seltsam ist z.B., dass der Unterschied beim DFS nicht signifikant, beim OS jedoch signifikant war. Dies alles müsse daher in weiteren prospektiven Studien bestätigt werden.

Häufig Rezidive beim dreifach negativen Mammakarzinom

Das frühe dreifach negative Mammakarzinom reagiert sehr empfindlich auf eine (neo)adjuvante Chemotherapie. Dennoch kommt es im Stadium I bei 7 bis 10%, im Stadium II bei 15 bis 20% und im Stadium III bei 25 bis 50% der Patientinnen zu einem Rezidiv. Daher ist man auf der Suche nach neuen adjuvanten Therapiemöglichkeiten.

Mit Capecitabin steht ein oral applizierbares Fluoropyrimidin zu Verfügung, das für die Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms zugelassen ist. Vorteilhaft ist, dass es keine Kreuzresistenz mit Anthracyclinen und Taxanen aufweist.

 
Wir sind enttäuscht, dass die adjuvante Therapie mit Capecitabin zusätzlich zur Standardbehandlung das krankheitsfreie oder Gesamtüberleben nicht signifikant verbessert hat. Prof. Dr. Miguel Martin
 

In randomisierten Studien mit Capecitabin als Teil des adjuvanten Regimes wurden jedoch bislang meist negative Ergebnisse erzielt. Nur in einer Studie, der Create-X, ergab sich ein positiver Effekt auf die Progression und das Gesamtüberleben – wenn Capecitabin als Erhaltungstherapie bei Frauen eingesetzt wurde, die nach konventioneller präoperativer Behandlung eine pathologische Resterkrankung aufwiesen. Der größte Nutzen wurde dabei in der Create-X-Studie bei Patienten mit dreifach negativem Mammakarzinom erreicht.

CIBOMA/2004-01_GEICAM/2003-11-Studie

Daher sollte nun die offene internationale CIBOMA/2004-01_GEICAM/2003-11-Studie klären, ob Capecitabin in dieser Patientinnen-Gruppe etwas bringt. In der Phase-3-Studie waren Patientinnen mit dreifach negativem Mammakarzinom nach 6 Zyklen neo/adjuvanter Chemotherapie mit Anthracyclinen ± Taxan bzw. 4 Zyklen Doxorubicin plus Cyclophosphamid bei fehlendem Lymphknotenbefall randomisiert mit 8 Zyklen Capecitabin (1.000 mg/m² zweimal täglich an Tag 1 bis 14 alle 3 Wochen) behandelt (n=448) oder nur beobachtet worden (n=428).

Die Patienten waren im Median 49,5 Jahre alt, etwa 60% stammten aus Spanien und 40% aus Lateinamerika. Eine adjuvante Chemotherapie hatten 78,8% im Capecitabin- und 82,2% im Beobachtungs-Arm erhalten, während 19,9% im Capecitabin-Arm und 17,5% in der Beobachtungs-Gruppe neoadjuvant und adjuvant behandelt worden waren.

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,34 Jahren waren in der Capecitabin-Gruppe 105 Ereignisse, in der Beobachtungsgruppe 120 Ereignisse aufgetreten (Hazard-Ratio 0,82, p=0,136). Das 5-Jahres-Überleben ohne Erkrankung (DFS) betrug damit in der Capecitabin-Gruppe 79,6%, in der Beobachtungsgruppe 76,8%. In der Capecitabin-Gruppe waren 71 Patientinnen, in der Beobachtungsgruppe 73 Patientinnen gestorben (HR 0,92) Das 5-Jahres-Überleben lag damit bei 86,2% bzw. 85,9% (p=0,623).

Vordefinierte Subgruppen-Analysen ergaben bei Patientinnen mit basalen (EGFR- und CK5/6-positiven) Tumoren ein krankheitsfreies 5-Jahres-Überleben (DFS) von 78,5% mit Capecitabin und 78,2% bei Beobachtung (HR 0,94; p=0,696). Bei nichtbasaler Erkrankung betrug das 5-Jahres-DFS mit Capecitabin 82,6% und 72,9% unter Beobachtung (HR 0,53; p=0,02). Bei basaler Erkrankung lebten mit Capecitabin nach 5 Jahren noch 84,9%, in der Beobachtungsgruppe noch 88,0% (p=0,286). Bei nichtbasaler Erkrankung lagen die 5-Jahres-Überlebensraten bei 89,5% mit Capecitabin und 79,6% in der Beobachtungsgruppe (p=0,007).

Die unerwünschten Wirkungen entsprachen dem, was von Capecitabin bekannt ist. Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher traten bei 40,4% der Patienten unter Capecitabin auf, wobei ein Hand-Fuß-Syndrom mit 18,5% am häufigsten war. Die mediane Dosisintensität betrug 86,3% und 75,2% (d.h. so viele Patientinnen durchliefen alle 8 geplanten Zyklen).

 

Kommentar

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