Weitere BMJ-Weihnachtsstudien: Tipps zur Gewichtsabnahme rund ums Fest, das Golf-Handicap von Fachärzten und mehr

Anke Brodmerkel

Interessenkonflikte

19. Dezember 2018

Alle Jahre wieder geraten die Menschen in Versuchung, während der Weihnachtstage mehr oder weniger hemmungslos in kulinarischen Genüssen zu schwelgen. Um die Waage im Badezimmer wird in dieser Zeit gerne ein großer Bogen gemacht. Mehrere Studien haben übereinstimmend gezeigt, dass ein Großteil der jährlichen Gewichtszunahme erwachsener Menschen – die im Schnitt zwischen 0,4 und 1,0 kg liegt – in den Weihnachtsferien erfolgt.

Sich 2-mal pro Woche auf die Waage zu stellen, ist keinesfalls verkehrt

Dabei würden schon ein paar einfache Maßnahmen ausreichen, um genau das zu verhindern, so der Ratschlag von britischen Forschern um Frances Mason vom Institut für Angewandte Gesundheitsforschung der Universität von Birmingham in der diesjährigen Weihnachtsausgabe des British Medical Journal (BMJ) [1].

Helfen würde es z.B. bereits, den Menschen zu empfehlen, sich während der Weihnachtsferien mindestens 2-mal wöchentlich zu wiegen, und ihnen darüber hinaus ein paar Informationen zum Thema Gewichtskontrolle zu geben – etwa darüber, welche körperlichen Aktivitäten eigentlich notwendig sind, um die aufgenommenen Kalorien beliebter Festtagsessen wieder abzutrainieren.

Alle Probanden wurden ein paar Wochen vor und nach Weihnachten gewogen

Für ihre Studie rekrutierte das Team um Mason und die Seniorautorin der Publikation, Prof. Dr. Amanda Daley von der School of Sport, Exercise and Health Sciences der Loughborough Universität insgesamt 272 erwachsene Probanden mit einem Body Mass Index (BMI) von 20 oder mehr und einem mittleren Alter von 44 Jahren. 78% der Teilnehmer waren Frauen.

In den Jahren 2016 und 2017 erfassten die Forscher jeweils einige Wochen vor und nach Weihnachten das Gewicht ihrer Probanden. Zwischen den beiden Messungen lagen zwischen 4 und 8 Wochen, im Schnitt waren es 45 Tage. Im Rahmen der 2. Messung sollten die Teilnehmer der Studie zudem angeben, wie viel sie während der Weihnachtstage ungefähr gegessen hatten.

Nach einem kleinen Glas Glühwein tut eigentlich ein halbstündiger Spaziergang not

Die Probanden wurden in 2 Gruppen eingeteilt. Den 136 Mitgliedern der Interventionsgruppe wurde empfohlen, sich mindestens 2-mal wöchentlich zu wiegen. Zudem erhielten sie Tipps, wie es gelingt, das eigene Gewicht zu halten. Die ihnen ausgehändigte Broschüre teilte ihnen beispielsweise mit, dass ein Stück Mince Pie – ein süßes Gebäck, das in Großbritannien traditionell zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel gegessen wird – so viele Kalorien enthält, wie man bei einem 21-minütigen Dauerlauf verbraucht. Oder dass es einen 33-minütigen Spaziergang benötigt, um ein kleines Glas Glühwein wieder abzutrainieren.

Ziel dieser Maßnahmen war es, dass die Probanden der Interventionsgruppe während der Beobachtungsphase nicht mehr als 0,5 kg zunahmen. Die 136 Teilnehmer der Vergleichsgruppe erhielten nur eine Broschüre mit ein paar allgemeinen Gesundheitstipps, die jedoch keine speziellen Ratschläge zum Thema Ernährung erhielt.

Mit ein paar kleinen Tipps nahmen die Probanden sogar im Dezember ab

Wie Mason und ihre Kollegen berichten, erreichten das vorgegebene Ziel sogar beide Gruppen. Allerdings nahmen die Teilnehmer der Interventionsgruppe zwischen den beiden Messungen im Mittel 0,13 kg ab, während die Probanden der Vergleichsgruppe 0,37 kg zunahmen. Unter Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren ermittelten die Wissenschaftler eine mittlere Differenz von 0,49 kg zwischen den beiden Gruppen.

Zudem sei es den Teilnehmern dank der wenigen Tipps offenbar gelungen, signifikant weniger zu essen, um das eigene Gewicht zu halten, als es bei den Mitgliedern der Vergleichsgruppe der Fall gewesen sei, schreiben die Forscher. Keine Unterschiede hätten sich hingegen bei der Reduktion des Körperfettanteils und bei unkontrollierten Essattacken gefunden.

Obwohl die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nur klein und auch etwas geringer als erwartet seien, könnten die angewandten Maßnahmen dazu beitragen, Übergewicht in der Bevölkerung zu verhindern – gerade in schwierigen Zeiten wie den Weihnachts- und Silvestertagen, lautet das Fazit von Mason und ihrem Team. Darüber hinaus sei jedes nicht zugenommene Kilo für die allermeisten Menschen ein Gewinn für die Gesundheit.

Puzzeln und Rätselraten helfen nicht vor geistigem Verfall im Alter

Wer die ruhigen Tage zwischen den Jahren gerne dazu nutzt, Sudokus oder Kreuzworträtsel zu lösen oder schwierige Puzzles zu legen, tut seiner mentalen Fitness bekanntlich etwas Gutes. Trotzdem halten schottische Forscher des Krankenhauses Aberdeen Royal Infirmary und der Universität von Aberdeen eine eher schlechte Nachricht für alle Rätsel- und Puzzle-Fans bereit: Wie das Team um Dr. Roger Staff ebenfalls in der Weihnachtsausgabe des BMJ berichtet, helfen die genannten Aktivitäten nicht dabei, dem geistigen Verfall im Alter vorzubeugen [2].

Der bekannte Spruch „Use it or lose it“ gelte hier leider nur bedingt, fassen die Forscher die Ergebnisse ihrer Untersuchung zusammen.

Alle Probanden hatten sich mit 11 Jahren einem IQ-Test unterzogen

Für ihre Beobachtungsstudie werteten die Wissenschaftler Daten des Scottish Council for Research in Education (SCRE) aus, dem wiederum Daten des Scottish Mental Surveys aus dem Jahr 1947 vorlagen. Die 498 Teilnehmer dieser Erhebung waren alle im Jahr 1936 geboren und hatten im Alter von 11 Jahren an einem Intelligenztest, dem Moray House Test, teilgenommen.

Zu Beginn der aktuellen Untersuchung waren die Probanden 64 Jahre alt. In einem Zeitraum von weiteren 15 Jahren unterzogen sie sich bis zu 5-mal einem Testverfahren, bei dem unter anderem ihr Gedächtnis, ihre geistige Geschwindigkeit und ihre intellektuelle Neugier untersucht wurden. Zudem sollten die Teilnehmer jedes Mal angeben, wie häufig sie sich dem Lösen von Rätseln widmeten, puzzelten oder Schach und ähnliche Spiele spielten. Darüber hinaus berücksichtigte das Team um Staff bei allen Probanden den Bildungsgrad und das Ergebnis des National Adult Reading Test (NART) – eine Untersuchung, die gewöhnlich dafür verwendet wird, die prämorbide Intelligenz von Demenz-Patienten abzuschätzen.

Ihre Studie ist allerdings kein Grund, auf Rätsel zu verzichten oder gar das 1.000-Teile-Puzzle oder ein neues Schachbrett vom Weihnachtswunschzettel zu streichen. Immerhin würden derartige Freizeitbeschäftigungen, regelmäßig ausgeübt, die geistigen Fähigkeiten während des gesamten Lebens stärken – so dass der geistige Abbau im Alter zumindest bei einem höheren kognitiven Level beginne, schreiben Staff und seine Kollegen. Liebhaber derartiger Beschäftigungen seien zwar nicht absolut, aber doch zumindest relativ vor dem geistigen Abbau im Alter geschützt.

Das Klischee des Golf spielenden Arztes scheint zu stimmen

Ärzte, die ihre Weihnachtsferien trotz des vermutlich wenig einladenden Wetters lieber dazu nutzen, sich auf dem Golfplatz zu vergnügen, werden dabei vermutlich auf den einen oder anderen älteren Kollegen treffen. Zumindest in den USA scheint an dem Klischee, dass insbesondere Mediziner in etwas fortgeschrittenem Alter sich in der Freizeit vorzugsweise dem Golfspiel widmen, etwas dran zu sein.

Wie Forscher der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, ebenfalls in der Weihnachtsausgabe des BMJ berichten, sind die meisten golfspielenden Ärzte männlich, über 60 und als Chirurgen tätig [3].

Gal Koplewitz, der Erstautor der Studie, untersuchte gemeinsam mit dem Seniorautor, Prof. Dr. Anupam Jena, und weiteren Kollegen die sportlichen Gewohnheiten von mehr als 40.000 US-Medizinern. Die Forscher nutzten dazu die Daten der Doximity physician database, die Informationen wie Alter, Geschlecht und Fachrichtung über fast alle Ärzte aus den USA enthält, sowie das Golf Handicap and Information Network, das unter Amateurgolfern sehr verbreitet ist, um beispielsweise das Handicap und die Ergebnisse der letzten Spiele einzutragen.

Das beste Handicap unter den Ärzten haben die Chirurgen

Indem sie die Daten beider Quellen miteinander verglichen, fanden Koplewitz und seine Kollegen heraus, dass mindestens 4% aller US-Ärzte Golf spielen und dass unter ihnen die Chirurgen und Urologen die meiste Zeit auf dem Rasen verbringen. Die zahlreichsten Golfer innerhalb der gesamten US-Ärzteschaft fanden sich unter den 61- bis 70-jährigen Männern und die wenigsten unter den 31- bis 35-jährigen Frauen. Es sei allerdings unklar, ob dieses Ergebnis aufgrund persönlicher Vorlieben zustande gekommen sei oder ob es eine Folge der unterschiedlichen Menge an Freizeit sei, schreiben die Forscher.

Das Handicap – ein Wert, der die Spielstärke des einzelnen Spielers beschreibt ­– variiere im Übrigen sehr zwischen den Ärzten verschiedener Fachrichtungen, berichtet das Team. Das beste Handicap hatten der Studie zufolge Thorax-, Gefäß- und orthopädische Chirurgen, das schlechteste Endokrinologen, Dermatologen und Onkologen.

Leider könne man bislang keine Aussagen darüber machen, inwieweit sich das Golfspiel auch auf die Patientenresultate der Ärzte auswirke, schreiben die Forscher. Hierzu seien weitere Studien erforderlich. Offen bleibt allerdings auch, ob die National Institutes of Health (NIH), die die aktuelle Untersuchung unterstützt haben, weitere Projekte dieser Art finanzieren werden.

Wer über Weihnachten das Krankenhaus verlässt, lebt nicht ganz ungefährlich

Niemand verbringt die Feiertage gerne im Krankenhaus. Dabei wäre das in manchen Fällen vielleicht gar keine so schlechte Idee. Denn das Sterberisiko von Patienten, die während der Weihnachtsferien nach Hause entlassen würden, sei deutlich höher als das von Menschen, die in den Wochen davor und danach die Klinik verlassen würden, berichten kanadische Forscher im BMJ-Weihnachtsspecial [4].

Zudem erhielten die Patienten seltener einen Termin zur Nachuntersuchung und müssten häufiger als sonst innerhalb von 30 Tagen nach ihrer Entlassung erneut in ein Krankenhaus eingewiesen werden, schreiben Dr. Lauren Lapointe-Shaw vom Toronto General Hospital und ihre Kollegen. Der aus früheren Studien bekannte Wochenendeffekt lasse sich somit auch auf die Weihnachtsferien übertragen.

Schuld ist vermutlich nicht nur das fehlende Personal

Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 217.305 Kindern und Erwachsenen, die in den Jahren 2002 bis 2016 während der 2-wöchigen Weihnachtsferien aus dem Krankenhaus entlassen worden waren, und verglichen sie mit 453.641 Patienten, die Ende November oder Ende Januar die Klinik hatten verlassen dürfen. Risikopatienten wie Neugeborene, schwangere Frauen, Patienten nach einem Langzeitaufenthalt in der Klinik oder solche der Palliativmedizin waren von der Studie ausgeschlossen.

Pro 100.000 Patienten verzeichneten Lapointe-Shaw und ihre Kollegen in der Gruppe, die um Weihnachten herum das Krankenhaus verließ, 26 mehr Todesfälle, 188 mehr Wiedereinweisungen, 483 mehr Besuche in der Notaufnahme und 2.999 weniger Termine zur Nachuntersuchung.

Überraschenderweise war dabei das Risiko schwerkranker Patienten, etwa solcher mit Lungenerkrankungen, niedriger als das von weniger schwer erkrankten Menschen. Das könne jedoch womöglich daran liegen, dass als besonders gefährdet geltende Patienten in der Weihnachtszeit bevorzugt behandelt würden, mutmaßen die Forscher.

Ihr Ergebnis führen Lapointe-Shaw und ihre Kollegen übrigens nicht nur auf das fehlende oder überarbeitete medizinische Personal zurück. Die Feierlichkeiten an Weihnachten seien vielfach mit übermäßigem Essen und Trinken, emotionalem Stress und fehlendem Schlaf verbunden, schreiben sie. All das trage dazu bei, dass sich die gesundheitliche Situation der frisch entlassenen Patienten destabilisieren könne. Ganz ungefährlich ist Weihnachten eben offenbar nicht.

 

Kommentar

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