Weniger ist genauso gut: Niedrig dosiertes Tamoxifen als adjuvante Therapie halbiert Rezidiv-Risiko nicht-invasiver Brusttumore

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

18. Dezember 2018

Prof. Dr. Andrea De Censi

San Antonio – „Tamoxifen in einer Dosierung von 5 mg/Tag über 3 Jahre gegeben halbiert das Rezidivrisiko für eine intraepitheliale Neoplasie der Brust und damit vergleichbar wie 20 mg/Tag“, so Prof. Dr. Andrea De Censi, National Hospital E.O. Ospedali Galliera S.C. Oncologia Medica, Genua, Italien, beim San Antonio Breast Cancer Symposium 2018 [1].

Die von ihm präsentierte TAM-01-Studie ergab weiter, dass niedrig dosiertes Tamoxifen das Risiko für ein Karzinom in der kontralateralen Brust um 76% verringert, was „auf eine stark präventives Potenzial“ hinweise. „Wenn wir unsere Ergebnisse mit niedrig dosiertem Tamoxifen und denen aus den NSABP-B-24- und NSABP-P1-Studien, die 20 mg Tamoxifen/Tag verwendeten, gegenüberstellen, sehen wir eine vergleichbare Risikoreduktion und eine signifikante Verminderung von schweren Nebenwirkungen“, so De Censi in einem Pressestatement.

„Wir hätten gerne eine Studie gemacht, in der diese zwei Dosen Tamoxifen verglichen werden, aber die Kosten dafür wären zu hoch gewesen angesichts unserer Fördergelder, die von Non-Profit-Organisationen und der Regierung kamen.“

Fazit von De Censi war, dass diese Ergebnisse die klinische Praxis verändern werden: „Tamoxifen 10 mg jeden zweiten Tag ist in der klinischen Praxis ab morgen anwendbar.“ Eine 5-mg-Tablette ist derzeit noch nicht verfügbar.

Tamoxifen seit vielen Jahren bewährt

Intraepithelale Neoplasien wie duktales Carcinoma in situ (DCIS), lobuläres Carcinoma in situ (LCIS) und atypische duktale Hyperplasie (ADH) sind für etwa 15 bis 25% aller Neoplasien der Brust verantwortlich. Nach der Operation erhalten die Patientinnen derzeit eine adjuvante Therapie mit Tamoxifen 20 mg/Tag über 5 Jahre. Tamoxifen wird schon sehr lange verwendet, bislang ist die minimal wirksame Dosis aber nicht bekannt.

 
Tamoxifen in einer Dosierung von 5 mg/Tag über 3 Jahre gegeben halbiert das Rezidivrisiko für eine intraepitheliale Neoplasie der Brust und damit vergleichbar wie 20 mg/Tag. Prof. Dr. Andrea De Censi
 

In der TAM-01-Studie wollten De Censi und seine Kollegen nun untersuchen, ob eine niedrige Dosis von 5 mg/Tag über nur 3 Jahre gegeben so wirksam und weniger toxisch war wie die Standarddosis von 20 mg/Tag.

In 14 italienischen Zentren wurden 500 Frauen im Alter unter 75 Jahren mit einer intraepithelialen Neoplasie der Brust aufgenommen, die randomisiert über 3 Jahre Tamoxifen 5 mg/Tag (n=253) oder Placebo (n=247) erhielten und im Median 5,1 Jahre nachbeobachtet wurden. Das Durchschnittsalter lag bei 54 Jahren, rund 45% waren prämenopausal. Alle Frauen waren operiert, 43% zusätzlich noch bestrahlt worden.

Primärer Endpunkt war die Häufigkeit von invasivem Mammakarzinom oder DCIS. Dieser Endpunkt trat bei 14 Frauen unter Tamoxifen (5,5%) und bei 28 Frauen (11,3%) unter Placebo auf (HR 0,48). Dies entspricht einer Senkung des Risikos um 52%.

Das Risiko für ein Mammakarzinom in der kontralateralen Brust wurde durch Tamoxifen um 76% im Vergleich zu Placebo gesenkt (3 vs. 12 Patienten, HR 0,24). „Wir müssen in der Beurteilung hier aber wegen der niedrigen Patientenzahlen vorsichtig sein“, mahnte De Censi.

NNT 22

Im Tamoxifen-Arm kam es zu 12 schweren Nebenwirkungen, im Vergleich zu 16 unter Placebo. Unter Tamoxifen trat ein Stadium-I-Endometriumkarzinom auf. Nach den Daten aus der NSABP-P1-Studie würde man mit Tamoxifen 20 mg/Tag 2,7 Endometriumkarzinome erwarten.

 
Tamoxifen 10 mg jeden zweiten Tag ist in der klinischen Praxis ab morgen anwendbar. Prof. Dr. Andrea De Censi
 

Außerdem wurden eine venöse Thromboembolie im Tamoxifen-Arm und eine Lungenembolie im Placebo-Arm verzeichnet. Unter 20 mg Tamoxifen täglich müsste man nach der NSABP-P1-Studie mit 2,4 Thromboembolien rechnen.

Hitzewallungen waren auch mit der niedrigen Dosis häufiger als unter Placebo, es kam etwa zu einer Hitzewallung/Tag mehr als unter Placebo. Keine Unterschiede zwischen niedrig dosiertem Tamoxifen und Placebo zeigten sich bei vaginaler Trockenheit und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie bei muskuloskeletalen Schmerzen und Arthralgien.

„Die Compliance war allerdings relativ niedrig“, merkte der italienische Onkologe an, und zwar insbesondere in den ersten 12 Monaten. Die Gründe dafür sind unklar. Unter Tamoxifen lag die Therapieadhärenz über mindestens 2,5 Jahre bei 64,8%, unter Placebo bei 60,7%.

Aus den Daten errechneten De Censi und seine Kollegen über 5 Jahre eine Number needed to treat (NNT) von 22, das heißt 22 Frauen müssen mit niedrig dosiertem Tamoxifen behandelt werden, um eine Brustkrebserkrankung zu verhindern. Dies sei in der gleichen Größenordnung wie mit andere präventive Maßnahmen, z.B. die Gabe von Statinen zur Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen.

Sehr günstig ist auch die NNH mit 218. Die Wahrscheinlich eines Nutzens dieser Therapie ist damit 10-fach höher als die eines Schadens.

 

Kommentar

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