Wenn einfach besser als doppelt ist: Interleukin-23-Blocker bei Psoriasis wirksamer als der kombinierte IL-12/23-Blocker

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

12. September 2018

Über einen Mangel an Therapieoptionen können sich Dermatologen, die Psoriasis-Patienten betreuen, wahrlich nicht beschweren. Mittlerweile stehen 9 Biologika für die Psoriasistherapie zur Verfügung. Doch beliebig austauschbar sind die Mittel nicht, schon kleine Unterschiede können sich auf den Therapieerfolg auswirken. In 2 Phase-3-Studien brachte der Interleukin-23(IL-23)-Blocker Risankizumab die Hautläsionen von Psoriasispatienten signifikant häufiger zur Abheilung als Ustekinumab (Stelara®), das IL-12 und IL-23 inhibiert [1].

„Ustekinumab gehört mit dem TNF-alpha-Blocker Adalimumab (Humira®) zu den am meisten eingesetzten Präparaten in der Psoriasistherapie“, erklärt Prof. Dr. Michael Sticherling, Leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor der Hautklinik am Universitätsklinikum Erlangen im Gespräch mit Medscape. „Offensichtlich ist durch die isolierte IL-23-Blockade mit Risankizumab eine effizientere Therapie möglich als durch die kombinierte IL-12/23-Blockade mit Ustekinumab. Insofern ist die IL-23-Blockade eine Weiterentwicklung gegenüber der IL-12-/23-Blockade.“

16 Wochen Doppelblindphase

IL-23 ist das zentrale Zytokin in der Psoriasis-Pathogenese. Risankizumab ist der zweite IL-23-Antikörper, der auf den Markt kommt. Bereits seit etwa einem Jahr in der klinischen Anwendung ist der IL-23-Antikörper Guselkumab (Tremfya®).

Risankizumab wurde in den multinationalen Phase-3-Studien Studien UltIMMa-1 und UltIMMa-2 mit Placebo und Ustekinumab verglichen. Erstautor Prof. Dr. Kenneth B. Gordon vom Medical College of Wisconsin, Milwaukee, USA und seine Koautoren schlossen Patienten ein, die an moderater bis schwerer Plaque-Psoriasis litten und über 18 Jahre alt waren – insgesamt waren es knapp 1.000. Nach Körpergewicht und vorangegangener Therapie mit einem TNF-alpha-Blocker stratifiziert erhielten sie randomisiert entweder 150 mg Risankizumab, gewichtsabhängig 45 oder 90 mg Ustekinumab oder ein Placebo.

 
Offensichtlich ist durch die isolierte IL-23-Blockade mit Risankizumab eine effizientere Therapie möglich als durch die kombinierte IL-12/23-Blockade mit Ustekinumab. Prof. Dr. Michael Sticherling
 

Die ersten 16 Wochen der Studie waren eine Doppelblindphase. Darauf folgte bis Woche 52 eine Phase, in der die Placebopatienten auf 150 mg Risankizumab umgestellt wurden, während alle anderen Patienten bei ihrer ursprünglichen Zuordnung blieben. Das Studienmedikament wurde zu Studienbeginn sowie nach 4, 16, 28 und 40 Wochen subkutan verabreicht.

Als primären Endpunkt evaluierten Gordon und seine Kollegen, wie viele Patienten bis Woche 16 eine 90%ige Verbesserung des Psoriasis Area Severity Index (PASI 90) und einen static Physician’s Global Assessment (sPGA) Score von 0 oder 1 erreichten. PASI90 bedeutet eine Verbesserung der Krankheitssymptome um 90%, dabei berücksichtigt der PASI sowohl die betroffene Körperoberfläche als auch die Symptomstärke. Der sPGA beurteilt die Erkrankungsschwere auf Basis der Schwellung, der Schuppung und der Rötung auf einer Skala von 0 („klares Hautbild“) bis 7 („schwere Psoriasis“).

Signifikant bessere Ergebnisse mit Risankizumab

In beiden Studien erreichten unter der Behandlung mit Risankizumab signifikant mehr Patienten PASI90 als unter Placebo oder unter Ustekinumab, wie Gordon und seine Kollegen im Lancet berichten. In den Risankizumab-Armen heilten die Psoriasis-Läsionen bei 74 bis 75% der Patienten zu 90% ab. In den Ustekinumab-Armen erreichten 42 bis 47% eine entsprechende Verbesserung.

Ähnlich verhielt es sich mit dem sPGA-Score. Während unter Risankizumab 83 bis 87% der Patienten nach 16 Wochen ein klares oder fast klares Hautbild aufwiesen, war dies unter Ustekinumab bei 61 bis 63% der Fall.

Nebenwirkungen auf Placebo-Niveau

Die Nebenwirkungsraten bewegten sich sowohl bei Risankizumab als auch bei Ustekinumab auf Placeboniveau. Schwere Nebenwirkungen waren sowohl unter Risankizumab als auch unter Ustekinumab selten. „Risankizumab scheint gut verträglich zu sein“, sagt Sticherling. Allerdings „muss das Präparat noch dem Wind des normalen Lebens standhalten. Bislang haben wir nur Daten aus Studien, die immer einen artifiziellen Zustand darstellen.“

Die mittlerweile zur Verfügung stehenden Daten und Erfahrungen aus der 1-jährigen Anwendung des anderen IL-23-Blockers Guselkumab, seien „beruhigend“. „Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass sich IL-23-Blocker als ähnlich gut verträglich erweisen werden wie Ustekinumab und das ist sehr gut verträglich“, so Sticherling.

Ob es Wirksamkeitsunterschiede zwischen den beiden IL-23-Blockern Risankizumab und Guselkumab gibt, lasse sich momentan nicht beantworten, da es noch keine direkten Vergleichsstudien gebe. „Und die publizierten Studien waren einfach zu unterschiedlich, als dass ein solider Vergleich möglich wäre“, so Sticherling. Letztlich, resümiert er, sei es vorteilhaft, eine breite Palette an konventionellen und biologischen Systemtherapeutika zu haben, aus denen patientengerecht die geeigneten Präparate ausgewählt werden könnten.

 

Kommentar

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