Folge von Impfung und veränderten Sexualpraktiken? Oropharynx-Karzinom jetzt in USA häufigster HPV-assoziierter Krebs

Nick Mulcahy

Interessenkonflikte

12. September 2018

Das Oropharynx-Karzinom ist nach einem neuen Bericht der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), der die Jahre 1999 bis 2015 abdeckt, inzwischen der häufigste mit humanen Papillomaviren (HPV) assoziierte Krebs in den USA. Im selben Zeitraum ging der Gebärmutterhalskrebs als häufigste HPV-assoziierte Krebsart zurück – das plattenepitheliale Oropharynx-Karzinom übernahm diesen Spitzenplatz.

Zu dem Wechsel kam es, weil die Zervixkarzinom-Inzidenz um 1,6% pro Jahr abnahm, während die Oropharynx-Karzinom-Inzidenz bei Männern um 2,7% und bei Frauen um 0,8% pro Jahr stieg. Der neue Bericht ist im Morbidity and Mortality Weekly Report veröffentlicht worden [1].

Im Jahr 2015 gab es in den USA insgesamt 11.788 Fälle von Gebärmutterhals-Krebs im Vergleich zu 18.917 Oropharynx-Karzinomen. Der Rückgang bei den Zervix-Karzinomen ist ein „seit den 1950er-Jahren anhaltender Trend, der als Folge der Krebsvorsorge zu sehen ist“, schreiben die Autoren des Berichts unter Leitung von Dr. Elizabeth Van Dyne, Epidemiologin bei den CDC.

Der Anstieg bei den plattenepithelialen Oropharynx-Karzinomen könnte zum Teil auf ein „sich wandelndes Sexualverhalten“ zurückzuführen sein – einschließlich ungeschützten Oralsexes, heißt es. Dies gelte vor allem für weiße Männer, die über die höchste Anzahl von Sexualpartnern berichteten und im Vergleich zu anderen ethnischen Gruppen diese Praxis bereits in jüngeren Jahren durchführten, schreiben die Autoren.

Oropharynx-Karzinome umfassen Tumoren an der Zungenbasis, den Rachenmandeln, dem vorderen und hinteren Gaumensegel, dem Sulcus glossotonsillaris, der Vorderfläche des weichen Gaumens und des Zäpfchens sowie den seitlichen und hinteren Rachenwänden.

Die Autoren der Studie definierten HPV-assoziierte Karzinome als „eine invasive Malignität, bei der mit speziellen Untersuchungsverfahren häufig HPV-DNA gefunden wurde“. Mit anderen Worten: Die neuen Studiendaten zeigen die Gesamtzahl bestimmter Krebserkrankungen, die mit HPV zusammen auftreten, aber nicht zwangsläufig durch HPV verursacht sein müssen.

Insgesamt sind im Jahr 1999 30.115 neue Fälle von HPV-assoziierten Krebserkrankungen gemeldet worden, im Jahr 2015 waren es 43.371. Während des Untersuchungszeitraums sank die Rate der HPV-assoziierten Krebserkrankungen bei Frauen (- 0,4%) insgesamt, während sie bei Männern zunahm (+ 2,4%).

Die CDC analysierten Daten aus ihrem National Program of Cancer Registries und dem SEER-Programm des National Cancer Institute (Surveillance, Epidemiology, and End Results) für die Jahre 1999 bis 2015. „Diese Daten decken etwa 97,8 Prozent der US-Bevölkerung ab“, so die Autoren. Diese bevölkerungsbezogenen Krebsregister weisen jedoch eine Einschränkung auf: Sie registrieren invasive Krebserkrankungen, aber nicht den HPV-Status von Krebserkrankungen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass HPV nicht nur Zervixkarzinome, sondern auch „einige oropharyngeale, vulväre, vaginale, penile und anale Krebsarten“ verursachen kann.

Tab. 1: Durchschnittliche jährliche Veränderung der Inzidenz zwischen 1999 und 2015 nach Karzinomart


Karzinomart

Durchschnittliche Veränderung pro Jahr (in %)

Zervixkarzinom

- 1,6

Vaginalkarzinom

- 0,6

Oropharynxkarzinom (Männer)

+ 2,7

Oropharynxkarzinom (Frauen)

+ 0,8

Analkarzinom (Männer)

+2,1

Analkarzinom (Frauen)

+2,9

Vulvakarzinom

+1,3

Die Penis-Krebsraten blieben während des Untersuchungszeitraums stabil.

Die Autoren betonen die Bedeutung dieser Zahlen für die öffentliche Gesundheit. Denn eine HPV-Impfung könne bei beiden Geschlechtern „die Infektion mit den am stärksten mit Krebs assoziierten HPV-Typen verhindern“.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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