Früherkennung des Endometrium-Karzinoms: Screening von Frauen mit postmenopausalen Blutungen deckt 9 von 10 Fällen auf

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

21. August 2018

Eine neue Metaanalyse von mehr als 100 Studien zeigt, dass die meisten Frauen mit Endometriumkarzinom postmenopausale Blutungen haben. Umgekehrt leidet aber nur ein Bruchteil der Frauen mit postmenopausalen Blutungen an einer Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut [1].

„Früherkennungsstrategien, die den Fokus auf Frauen mit postmenopausalen Blutungen legen, haben das Potential bis zu 90 Prozent aller Endometriumkarzinome zu entdecken. Doch bei den meisten Frauen mit postmenopausalen Blutungen wird kein Endometriumkarzinom diagnostiziert werden“, berichten Erstautorin Dr. Megan A. Clarke von der Division of Cancer Epidemiology and Genetics, National Cancer Institute, Rockville, USA, und ihre Koautoren.

Neue Leitlinie

Prof. Dr. Günter Emons

Erst im April dieses Jahres ist die neue S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientinnen mit Endometriumkarzinom“ erschienen. „Als wir die Leitlinie im Frühjahr fertiggestellt haben, lag diese Metaanalyse noch nicht vor, aber sie liefert eine Bestätigung unserer Empfehlungen in großen Zahlen“, sagt Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Günter Emons, Direktor der Universitätsfrauenklinik Göttingen, im Gespräch mit Medscape.

Clarke und ihre Kollegen analysierten 129 Studien mit insgesamt 40.790 Patientinnen, von denen 34.432 postmenopausale Blutungen und 6.358 ein Endometriumkarzinom hatten.

 
Früherkennungsstrategien, die den Fokus auf Frauen mit postmenopausalen Blutungen legen, können bis zu 90 Prozent aller Endometriumkarzinome entdecken. Dr. Megan A. Clarke
 

Die Prävalenz postmenopausaler Blutungen lag bei den Frauen mit Endometriumkarzinom bei 91%. Frauen mit postmenopausalen Blutungen hatten ein Risiko für eine Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut in Höhe von 9%.

Regionale Unterschiede

Die Zahlen hingen auch davon ab, ob die Frauen Wechseljahreshormone nahmen und in welcher geographischen Region sie lebten. In den 41 Studien, die Frauen ausschlossen, die eine Hormonersatztherapie (HRT) erhielten, war das Risiko für ein Endometriumkarzinom signifikant höher – verglichen mit den 51 Studien, die Frauen unter HRT einschlossen (12% vs 7%).

In Nordamerika (5%) und Nordeuropa (7%) gingen postmenopausalen Blutungen am seltensten auf ein Endometriumkarzinom zurück, in Westeuropa am häufigsten (13%). Diese regionalen Unterschiede blieben auch nach Stratifizierung der Frauen in diejenigen mit und diejenigen ohne HRT bestehen.

Über mögliche Gründe für die Unterschiede lässt sich nur spekulieren. In einem Editorial zur Metaanalyse spekuliert Dr. Kristen A. Matteson, Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie am Women and Infants Hospital, Providence, USA, dass sich eventuell Risikofaktoren wie Parität und Adipositas in ihrer Verteilung in den verschiedenen Populationen unterscheiden [2].

 
In 10% der Fälle ein Karzinom zu finden, ist gewaltig. Es gibt kaum ein Screening, das ähnlich gute Werte liefert. Dr. Kristen A. Matteson
 

„Eine andere mögliche Erklärung sind kulturelle Unterschiede im Umgang mit vaginalen Blutungen nach der Menopause, die beeinflussen könnten, wann eine Frau deswegen einen Arzt aufsucht. Auch der Zugang zu medizinischer Versorgung und wie sorgfältig Ärzte in der Region postmenopausale Blutungen abklären, könnten eine Rolle spielen“, ergänzt die Gynäkologin.

Für die Früherkennung geeignet

Postmenopausale Blutungen sind kein spezifisches Anzeichen für eine Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut, sie können von verschiedenen gutartigen Erkrankungen ausgelöst werden, und eben auch durch eine HRT verursacht werden. Dennoch sind sie für die Früherkennung des Endometriumkarzinoms geeignet, denn „in 10% der Fälle ein Karzinom zu finden, ist gewaltig. Es gibt kaum eine Screening-Untersuchung, die ähnlich gute Werte liefert“, betont Emons.

Matteson zählt auf, dass zum Beispiel Rektalblutungen einen vergleichbaren positiven prädiktiven Wert für Darmkrebs (8%) und tastbare Knoten in der Brust für das Mammakarzinom (10%) hätten. „Und die Erhebung dieser Symptome in Kombination mit anderen klinischen Tests, bildgebenden Verfahren, Biopsien und kleineren Eingriffen werden routinemäßig empfohlen“, betont sie.

Histologische Abklärung nur bei dicker Schleimhaut

Die aktuelle S3-Leitlinie zum Endometriumkarzinom empfiehlt, bei Frauen mit erstmaliger postmenopausaler Blutung erst einmal einen transvaginalen Ultraschall durchzuführen. In den alten Empfehlungen hatte es noch geheißen, dass jede postmenopausale Blutung histologisch abgeklärt werden sollte.

 
Wir können den Patientinnen in der Beratung sagen, dass von 100 Frauen mit postmenopausalen Blutungen 10 eine Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut haben. Dr. Kristen A. Matteson
 

„Ist die Schleimhaut flach, maximal 3 mm dick, liegt die Gefahr eines Endometriumkarzinoms nur noch bei 1,5%“, erklärt Emons. „Bei diesen Patientinnen kann abgewartet und nach 3 Monaten erneut kontrolliert werden. Ist die Schleimhaut dicker, ist zur histologischen Abklärung eine Hysteroskopie bzw. Ausschabung erforderlich.“

Die Ergebnisse der Metaanalyse könnten bei der Entscheidung über das weitere Vorgehen bei postmenopausalen Blutungen und der Beratung der Patientinnen helfen“, resümieren Clarke und ihre Koautoren. „Postmenopausale Blutungen geben Anlass zu Untersuchungen, die Untersuchungen können zur Früherkennung einer Krebserkrankung führen und eine frühe Diagnose bedeutet frühe Behandlung und besseres Überleben“ schlussfolgert Matteson. „Doch nicht alle Frauen mit postmenopausalen Blutungen haben ein Endometrium-Karzinom. Das Risiko muss den Patientinnen gegenüber adäquat kommuniziert werden.“

„Wir können den Patientinnen in der Beratung sagen, dass von 100 Frauen mit postmenopausalen Blutungen 10 eine Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut haben“, empfiehlt Emons.

 

Kommentar

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