Vorsicht vorm Infarkt unter Wasser – kardiovaskuläre Risiken bei Sporttauchern erkennen!

Paul Klammer

Interessenkonflikte

15. August 2018

Der Sommerurlaub bietet für viele Menschen Gelegenheit, aufwändigeren Hobbies nachzugehen oder neue Sportarten zu erlernen, etwa das Tauchen mit Pressluft. Dass dies häufig mit medizinischen Risiken verbunden ist, legt eine aktuelle Studie mit Daten aus den USA nahe [1].

Dr. Peter Buzzacott und seine Kollegen von Divers Alert Network, Durham, USA, haben repräsentative Angaben aus einer großen telefonischen Gesundheitsbefragung ausgewertet. Ihr Ergebnis: Mehr als ein Drittel der aktiven Hobby-Gerätetaucher ist 50 Jahre alt oder älter. 54% sind aktive oder ehemalige Raucher, 48% übergewichtig und 33% haben eine diagnostizierte Hypertonie.

Immer mehr Taucher über 50 Jahre

„Mich überraschen diese Zahlen nicht“, bestätigt Dr. Susanne Berrisch-Rahmel gegenüber Medscape. Sie ist Sprecherin der Arbeitsgruppe Sportkardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Sporttauchen sei nicht nur bei besonders Gesunden beliebt. „Angebote für Fernreisen werden günstiger und viele ältere Menschen wollen aktiv sein und im Urlaub Neues ausprobieren. Das ist eine Gruppe, um die wir uns als Sportmediziner kümmern müssen.“

Das sei ein wichtiger Unterschied zu der Population aus der US-Studie. Dort stammte ein Drittel der aktiven Taucher aus den Sonnenschein-Staaten Florida und Kalifornien. Die Hälfte der Sportler tauchte mindestens einmal pro Woche. „Bei uns ist der klassische Taucher der Urlauber. Nur wenige tauchen hingegen regelmäßig, z.B. in einem Tauchsportverein“, so Berrisch-Rahmel.

 
Viele ältere Menschen wollen aktiv sein und im Urlaub Neues ausprobieren. Das ist eine Gruppe, um die wir uns als Sportmediziner kümmern müssen. Dr. Susanne Berrisch-Rahmel
 

„Bei tauchbedingten Todesfällen sehen wir eine deutliche Koinzidenz mit kardiovaskulären Vorerkrankungen“, betont auch die Kardiologin. Buzzacott und Kollegen bestätigen dies mit Verweis auf frühere Untersuchungen. Diese belegen zudem, dass der Anteil der Über-50-Jährigen an den Todesfällen beim Tauchen zugenommen hat.

Rauchen und Übergewicht bei Tauchern häufiger als bei anderen körperlich Aktiven

Einige Gründe dafür liefert die neue Studie, die zum ersten Mal auf Daten aus der Allgemeinbevölkerung zurückgreifen konnte und anders als frühere Arbeiten nicht vor allem die Gesundheit von organisierten Sportlern untersuchte. In 3 Wellen wurden zwischen 2011 und 2015 von der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC insgesamt 736 Millionen Menschen befragt, von denen 498 Millionen im vorangegangenen Monat körperlich aktiv gewesen sind.

113.892 Befragte (0,02%) gaben Gerätetauchen als ihre wichtigste Sportart an. Jeder dieser Teilnehmer wurde für die Untersuchung von Buzzacott und Kollegen mit 3 körperlich aktiven Probanden verglichen, die ihm in Alter, Geschlecht und bewohntem Bundesstaat glichen.

Von den aktiven Gerätetauchern gaben 54% an, schon mindestens einmal geraucht zu haben, deutlich mehr als unter den Vergleichspersonen (46%). Auch Übergewicht war bei den Tauchern signifikant höher als in der Kontrollgruppe. Lediglich eine Hypertonie-Diagnose berichteten sie etwas seltener als Nicht-Taucher (33 vs 36%). Das könnte aber auch daran liegen, dass Taucher im vorangegangenen Jahr deutlich seltener einen Routine-Checkup wahrgenommen hatten als Probanden der Kontrollgruppe (54,5 vs 63%).

 
Bei tauchbedingten Todesfällen sehen wir eine deutliche Koinzidenz mit kardiovaskulären Vorerkrankungen. Dr. Susanne Berrisch-Rahmel
 

Regelmäßige Tauglichkeitsuntersuchung nach fachlichem Standard

„Es sind für gewöhnlich nicht die jüngeren Taucher, die Gesundheitsprobleme haben. Sie wurden meist erst vor kurzem untersucht. Es sind die älteren Taucher, die nicht auf ihre Gesundheit achten“, sagt Buzzacott. Er plädiert deshalb für regelmäßige Fitness-Untersuchungen, um Risikofaktoren gezielt angehen zu können.

Vor diesem Hintergrund sei es ratsam, im Rahmen der Reiseberatung bei älteren Patienten und solchen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden gezielt nachzufragen, ob ein Tauchgang geplant sei, rät Berrisch-Rahmel. Obwohl viele Tauchsport-Veranstalter eine ärztliche Bescheinigung empfehlen oder verlangen, sei dies keine Beleg dafür, dass ein Sportler gründlich untersucht worden sei. „Gerade im Ausland wird häufig nicht überprüft, ob das Zertifikat von einem erfahrenen Tauchsportarzt ausgestellt wurde.“

In Deutschland empfiehlt die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) Tauchtauglichkeitsuntersuchungen zwischen dem 19. und 40. Lebensjahr alle 3 Jahre zu wiederholen, ab dem 40. Geburtstag jährlich. Die GTÜM macht dazu detaillierte Empfehlungen, unter anderem ein obligates Belastungs-EKG für Patienten ab 40 Jahre.

„Ich würde sogar altersunabhängig zu einer Ergometrie raten, um die Belastbarkeit einzuschätzen“, sagt Berrisch-Rahmel. Bei Unsicherheit rät sie Kollegen, den tauchwilligen Patienten bei einer tauchsportärztlichen Untersuchungsstelle vorzustellen.

 

Kommentar

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