In England sollen Kinder in der Schule kardiopulmonale Reanimation lernen

Peter Russell

Interessenkonflikte

13. August 2018

Geht es nach Plänen der englischen Regierung könnten Schulkinder in England künftig Unterricht in Erster Hilfe erhalten. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass Kinder in der Grundschule grundlegende Erste-Hilfe-Maßnahmen und in weiterführenden Schulen kardiopulmonale Reanimation erlernen.

Laut British Heart Foundation wäre die Ergänzung des Lehrplans um kardiopulmonale Reanimation „ein entscheidender Schritt in dem Bestreben, die erschreckend niedrigen Überlebensraten bei Herzstillstand im Vereinigten Königreich zu verbessern“.

Der Vorschlag der Regierung ist Bestandteil eines neuen Unterrichtsblockes im Lehrplan, der sich mit den Themen Beziehung, Gesundheit und Sexualkunde auseinandersetzt und vom englischen Kultusministerium entwickelt worden ist. Die neuen Lehrinhalte sollen bis September 2020 in allen englischen Schulen verpflichtend eingeführt werden.

Der englische Bildungsminister Damian Hinds sagte, er wolle Kinder als „vielseitig gebildete Individuen (aufwachsen sehen), die mit den Herausforderungen der modernen Welt umgehen können“ und die über „die notwendigen Fertigkeiten verfügen, um nach Verlassen der Schule ein erfolgreiches Leben zu führen“.

Erste Hilfe und lebensrettende Maßnahmen im Klassenzimmer

Grundschulkinder sollten dem neuen Gesetzentwurf zufolge wissen:

  • Wie man bei Bedarf einen klar verständlichen und effizienten Notruf absetzt

  • Grundkonzepte der Erster Hilfe, wie den Umgang mit häufigen Verletzungen, auch Kopfverletzungen

In der Sekundarstufe steht dann Folgendes auf dem Lehrplan:

  • Grundlegende Versorgung häufiger Verletzungen

  • Lebensrettende Maßnahmen, auch die Durchführung einer kardiopulmonalen Reanimation

  • Der Zweck von Defibrillatoren und Situationen, in denen einer nötig sein könnte

Kardiopulmonale Reanimation sollte am besten nach dem 12. Lebensjahr unterrichtet werden, so der Vorschlag der britischen Regierung.

Entscheidung „würde Tausende von Leben retten“

Der Vorschlag, Erste-Hilfe-Unterricht in den Lehrplan aufzunehmen, folgt auf eine Kampagne der British Heart Foundation, des Britischen Roten Kreuzes und St John Ambulance, die sich zu der „Every Child a Lifesaver Coalition“ zusammengeschlossen haben.

 
Dieser historische Schritt wird die Überlebensraten bei Herzstillstand in Zukunft drastisch verändern. Simon Gillespie
 

Laut British Heart Foundation könnte einer von 4 Menschen, die außerhalb eines Krankenhauses einen Herzstillstand erleiden, überleben, wenn alle jungen Leute in der Lebensrettung per kardiopulmonaler Reanimation ausgebildet wären. Eigenen Untersuchungen zufolge führten Menschen mit dreimal so hoher Wahrscheinlichkeit eine kardiopulmonale Reanimation durch, wenn sie entsprechend geschult worden seien.

Der Vorstandsvorsitzende der British Heart Foundation, Simon Gillespie, kommentierte: „Die Ankündigung der Regierung sendet eine eindeutige Botschaft, dass sie entschlossen ist, junge Menschen mit lebensrettenden Fertigkeiten auszustatten, die sie mit ins Erwachsenenleben nehmen werden. Dieser historische Schritt wird die Überlebensraten bei Herzstillstand in Zukunft drastisch verändern.“

Auch dem Britischen Roten Kreuz zufolge würde die Entscheidung Tausende von Leben retten. Vorstandsvorsitzender Mike Adamson: „Künftige Generationen werden nun über die simplen, aber überlebenswichtigen Erste-Hilfe-Kenntnisse verfügen, die in Notsituationen den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten können. Die Evidenz zeigt uns, dass das Wissen der Öffentlichkeit in Erster Hilfe mangelhaft ist.“

Der Gesetzentwurf, der nun zur öffentlichen Diskussion steht, kommt 4 Monate nach der Veröffentlichung des Kerslake Reports zum Terroranschlag auf die Manchester Arena im Mai 2007. Der Report zeigt, dass einige Menschen, die in dieser Nacht zu helfen versuchten, „offenbar nicht mit Erste-Hilfe-Prinzipen vertraut waren“, während andere Maßnahmen zur Versorgung schwerer Verletzungen ergriffen, wie das Anlegen eines Druckverbandes oder die Anwendung eines Defibrillators, ohne über die dafür notwendigen Kenntnisse zu verfügen.

In dem Report wird die englische Regierung dazu aufgefordert, Erste-Hilfe-Kurse für die Öffentlichkeit stärker zu unterstützen, auch für Kinder und Jugendliche.

Dieser Artikel wurde von Nadine Eckert aus www.medscape.com übersetzt und angepasst.

 

Kommentar

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