Ovarialkarzinom: ASS nach der Diagnose könnte das Überleben verlängern

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

6. August 2018

Die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) nach der Diagnose eines Ovarialkarzinoms kann eventuell das Überleben der Patientinnen verlängern. Diesen Schluss lässt eine Analyse von Daten aus der Nurses Health Study (NHS) und der Nurses Health Study II (NHSII) zu, die PD Dr. Melissa A. Merritt, University of Hawaii Cancer Center, Honolulu (USA), und ihre Kollegen online in Lancet Oncology publiziert haben [1].

„Wenn diese Ergebnisse in weiteren Studien bestätigt werden, sollte in weiteren Untersuchungen die potenzielle synergistische Wirkung von Antiphlogistika in Kombination mit einer Standard-Krebstherapie untersucht werden, um die Prognose von Frauen mit Ovarialkarzinom zu verbessern“, so das Fazit der Autorengruppe.

 
Die derzeitigen Daten sind vielversprechend, aber sie geben keine klare Antwort, und die Einnahme von ASS und anderen NSAR ist nicht ohne Risiko. Prof. Dr. Penelope M. Webb
 

Niedrig dosierte ASS wird derzeit von der US Preventive Services Task Force für die Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen und von Kolonkarzinomen bei Personen im Alter zwischen 50 und 59 Jahren empfohlen, erläutert Prof. Dr. Penelope M. Webb, QIMR Berghofer Medical Research Institute, Brisbane (Australien), im begleitenden Editorial in Lancet Oncology [2].

Ob ASS nach einer Krebsdiagnose das Überleben verbessern kann, ist derzeit eher unklar, aber „gepoolte Daten von kardiovaskulären Studien und aus Beobachtungsstudien legen nahe, dass ASS das könnte“, so Webb. Entsprechende Untersuchungen bei Frauen mit Ovarialkarzinom lägen bisher nicht vor, weil sie aufgrund zahlreicher möglicher Störfaktoren und Verzerrungen komplex seien. Merritt und ihre Kollegen hätten jedoch mit ihrer Studie einen lobenswerten Versuch unternommen, diese Störfaktoren möglichst auszuschalten.

Bemerkenswert sei das Ausmaß des Nutzens, den die zusätzliche Einnahme von ASS oder NSAR in dieser und auch in anderen Studien gezeigt haben. Die Frage, ob Frauen mit einem Ovarialkarzinom nun ASS einnehmen sollten, könne noch nicht beantwortet werden: „Die derzeitigen Daten sind vielversprechend, aber sie geben keine klare Antwort, und die Einnahme von ASS und anderen NSAR ist nicht ohne Risiko…. Definitive Antworten können nur von randomisierten Studien kommen.“

Daten aus Fragebögen: Überleben in Abhängigkeit von der Analgetika-Einnahme

Mit den Daten der NHS und der NHSII, die zwischen 1976 und 2012 bzw. 1989 und 2013 mit Hilfe von alle 2 Jahren ausgefüllten Fragebogen gewonnen wurden, analysierten Merritt und ihre Kollegen das krebsspezifische Überleben von 1.143 Frauen mit Ovarialkarzinom in Abhängigkeit von der Einnahme von ASS, NSAR oder Paracetamol.

Frauen, die in den letzten 2 Jahren nach der Diagnose ASS (Hazard-Ratio 0,68) oder NSAR (HR 0,67) eingenommen hatten, zeigten im Vergleich zu Frauen ohne diese Analgetika ein besseres krebsspezifisches Überleben. Dieser Effekt war bei den Patientinnen besonders ausgeprägt, die nach der Diagnose ihres Ovarialkarzinoms neu mit der Einnahme von ASS (HR 0,44) oder NSAR (HR 0,46) begannen.

Alle Analgetika, die vor der Diagnose eingenommen wurden, sowie nach der Diagnose verwendetes Paracetamol hatten keinen Effekt. Auch in einer Studie des Ovarian Cancer Association Consortium konnte kein Effekt der Analgetika-Einnahme vor Diagnose des Karzinoms auf das Überleben nachgewiesen werden.

Effekt durch Hemmung der Prostaglandin-Synthese oder der Thrombozyten-Funktion?

Merritt und ihre Kollegen erklären den Effekt von ASS mit der Hemmung der Prostaglandin-Synthese. Prostaglandine könnten nach neueren Befunden Wachstum und Ausbreitung von Krebszellen fördern.

Ein weiterer Mechanismus könnte die Hemmung der Thrombozyten-Funktion durch ASS sein. Ein Drittel der Frauen mit einem Ovarialkarzinom leidet an einer Thrombozytose. Es mehren sich die Hinweise, dass Thrombozyten bei Wachstum, Angiogenese und Metastasierung eines Ovarialkarzinoms eine Rolle spielen. Darüber hinaus ist bekannt, dass eine hoher Thrombozyten/Lymphozyten-Quotient das Überleben der Frauen verschlechtert.

 

Kommentar

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