MenW breitet sich aus – warum ein umfassender Meningokokken-Impfschutz vor allem für Austausch-Schüler wichtig ist

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

15. Juni 2018

Im Meningitis-Gürtel im Afrika südlich der Sahara hat der Serotyp W den Serotyp A verdrängt und auch in einigen westlichen, darunter auch europäischen Ländern ist es in letzter Zeit zu einem Anstieg der Infektionen mit diesem Serotyp gekommen. Darauf verweist das Centrum für Reisemedizin (CRM) in einer Pressemitteilung [1]. „MenW“ zählt zu den Meningokokken-Infektionen, die am häufigsten tödlich verlaufen.

Vor allem jüngere Reisende sollten einen möglichst umfassenden Impfschutz gegen alle derzeit impf-präventablen Serogruppen A, B, C, W und Y Meningokokken haben, rät das CRM. Wichtig sei dieser vor allem für Reisenden bis zum 25. Lebensjahr, insbesondere wenn sie engen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung haben oder in Gemeinschaftsunterkünften übernachten, etwa Austauschschüler und -studenten. Denn das Risiko, sich mit Meningokokken anzustecken, ist in dieser Gruppe besonders groß.

Serotyp W breitet sich von Afrika kommend auch nach Europa aus

Prof. Dr. Tomas Jelinek

Bekannt sind 12 Serotypen. In Europa dominieren bisher noch die Serotypen B und C. Doch MenW breitet sich aus: Noch vor Jahren war dieser Serotyp auf die Sahel-Zone beschränkt, inzwischen werden 40% der Meningokokken-Infektionen in der Türkei vom Serotyp W verursacht. „Das ist eine Folge der Globalisierung, der Migration und des Reisens“, betont Prof. Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM, im Gespräch mit Medscape.

In unserem Nachbarland, den Niederlanden, sind in den ersten 5 Monaten dieses Jahres bereits 57 Personen an Meningitis vom Typ W erkrankt, 11 sind an der Infektion gestorben. Damit liegt die Zahl der durch diesen Erregertyp verursachten Infektionen bereits jetzt über der – ebenfalls schon auffallend hohen – Gesamtzahl im Jahr 2017.

Als Reaktion auf diesen Anstieg hat die niederländische Regierung bereits im vergangenen Jahr Reihen-Impfungen beschlossen, um Kleinkinder und Grundschüler mit einem Kombinationsimpfstoff gegen die Serotypen A, C, W und Y zu schützen. „Auch in England, wo sich bereits vor einigen Jahren ein Anstieg dieses Serotyps bemerkbar machte, wurde der 4-Fachimpfstoff vor zweieinhalb Jahren in das staatliche Impfprogramm aufgenommen“, berichtet Jelinek.

 
Denn der Serotyp W wird sich auch in Deutschland ausbreiten und man muss ja nicht erst warten, bis es so weit kommt. Prof. Dr. Tomas Jelinek
 

In Deutschland registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) 2017 288 Fälle von Meningokokken-Infektionen. Mehr als 70% war von Meningokokken Typ B verursacht, fast alle übrigen vom Serotyp C und 2 vom Serotyp W.  

Inzwischen spricht sich auch die Sächsische Impfkommission für tetravalente Impfungen gegen Meningokokken aus, die STIKO hingegen (noch) nicht. „Die tetravalente Impfung sollte auch für Deutschland eingeführt werden“, fordert auch Jelinek. „Denn der Serotyp W wird sich auch in Deutschland ausbreiten und man muss ja nicht erst warten, bis es so weit kommt.“ Jelinek weist darauf hin, dass der Preisunterschied zwischen einer monovalenten Impfung (gegen den Serotyp C) und einer tetravalenten Impfung ohnehin gering ist.

Serotyp W ist eher eine Gefahr für Erwachsene

Meningokokken-Infektionen können in jedem Lebensalter auftreten, sind jedoch in 2 Altersgruppen besonders häufig: Meist erkranken Kinder im 1. und 2. Lebensjahr sowie 15- bis 19-jährige Jugendliche. Das RKI weist darauf hin, dass die Inzidenz bei 15- bis 19-jährigen Jugendlichen etwa um das 3-fache über der Gesamtinzidenz liegt.

Nach dem 25. Lebensjahr treten Menigokokken-Infektionen eher selten auf – sofern nicht bestimmte Risikofaktoren vorliegen. „Zu den Risikofaktoren zählen eine Immunschwäche, etwa aufgrund einer Splenektomie, oder auch durch eine Immunsuppression“, sagt Jelinek.

 
Dieser Serotyp ist eher eine Gefahr für Erwachsene. In den Niederlanden waren die meisten Patienten, die am Serotyp W erkrankt waren, über 45 Jahre alt. Prof. Dr. Tomas Jelinek
 

Serotyp W weist aber im Gegensatz zu C oder B eine Besonderheit auf: „Dieser Serotyp ist eher eine Gefahr für Erwachsene. In den Niederlanden waren die meisten Patienten, die am Serotyp W erkrankt waren, über 45 Jahre alt“, berichtet Jelinek.

Alarmsignale sind Nackensteife, starke Lichtempfindlichkeit und Krampfanfälle

Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und können grundsätzlich 2 verschiedene Krankheitsbilder verursachen: Die namengebende Hirnhautentzündung (Meningitis) und eine Blutvergiftung (Sepsis), die auch gemeinsam auftreten können.

„Beide Krankheiten entwickeln sich extrem rasch und können tödlich verlaufen“, sagt Jelinek. Deshalb muss so schnell wie möglich antibiotisch therapiert werden. Problematisch ist dabei, dass die typischen Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und Übelkeit eher unspezifisch sind und einer Grippe oder starken Erkältung ähneln können. „Alarmsignale für eine Meningitis sind Nackensteife, starke Lichtempfindlichkeit und manchmal auch Krampfanfälle“, so Jelinek.

Eine Sepsis mache sich dagegen mit Gliederschmerzen, einer schnellen, flachen Atmung und einer blassen fleckigen Haut bemerkbar. Die Flecken werden durch kleine Einblutungen verursacht und lassen sich im Gegensatz zu einem normalen Ausschlag nicht „wegdrücken“.

 

Kommentar

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