„Dramatischer Zusammenhang“: Bei Patienten unter Hydrochlorothiazid ist wohl das Risiko für weißen Hautkrebs erhöht

Dr. Graeme M. Lipper

Interessenkonflikte

4. Juni 2018

Das blutdrucksenkende Medikament Hydrochlorothiazid (HCT) hat eine stark fotosensibilisierende Wirkung, die fototoxische und fotoallergische Hautreaktionen sowie einen Medikamenten-induzierten Lupus nach sich ziehen kann. HCT steigert im experimentellen Modell auch die UVA-induzierte DNA-Schädigung und erhöhte in einer dänischen Fall-Kontroll-Studie die Inzidenz des Plattenepithelkarzinoms der Lippe um das 7-Fache.

Da HCT nach wie vor eines der am häufigsten verschriebenen Diuretika in den USA und in Westeuropa ist, haben Dr. Sidsel Arnspang Pedersen vom Odense University Hospital, Odense, Dänemark, und sein Team versucht, Zusammenhänge zwischen einem dauerhaften HCT-Einsatz und weißem Hautkrebs zu finden [1].

Das kutane Plattenepithelkarzinom (cSCC) und das Basalzellkarzinom (BCC) – zusammen als weißer Hautkrebs (non-melanoma skin cancer, NMSC) bezeichnet – sind die häufigsten menschlichen Malignome, die sowohl in den USA als auch weltweit mit einer wachsenden Inzidenz verbunden sind. Allein in den USA werden jedes Jahr mehr als 700.000 neue cSCC-Fälle gemeldet, was jährlich zu über 3.000 Todesfällen führt. Etablierte Risikofaktoren des weißen Hautkrebses sind ein heller Hauttyp, Immunsuppression, eine positive Familienanamnese für weißen Hautkrebs sowie eine starke UV-Belastung durch natürliche oder künstliche Quellen.

Dramatischer Zusammenhang zwischen HCT-Nutzung und NMSC

Pedersen und sein Team haben eine Fall-Kontroll-Studie unter Verwendung des dänischen Krebsregisters (2004–2012) initiiert und dabei 71.533 BCC-Fälle und 8.629 SCC-Fälle registriert. Diese Fälle haben sie mit dem National Prescription Registry abgeglichen, um die kumulative HCT-Exposition zu bestimmen und diese Daten mit denen aus der normalen Bevölkerung zu vergleichen.

Der Zusammenhang zwischen HCT-Nutzung und dem NMSC war dramatisch, besonders für das cSCC. Die weiteren Ergebnisse waren:

  1. Der hochdosierte Einsatz von HCT (kumulative Dosis ≥ 50.000 mg) erhöhte die Odds Ratio für das BCC und das cSCC um 1,29 bzw. 3,98.

  2. Die Patienten mit der höchsten HCT-Exposition (> 200.000 mg) zeigten erhöhte ORs von 1,54 (BCC) und 7,38 (SCC).

  3. Die HCT-Exposition und das NMSC zeigten eine Dosis-Wirkungs-Beziehung, was eine Ursache-Wirkungs-Beziehung nahelegt.

  4. Der Anteil der Hautkrebserkrankungen, die auf HCT-Exposition zurückzuführen sind, betrug 9% für cSCC und 0,6% für BCC.

  5. HCT zeigte die stärkste Assoziation mit einem Hautkrebs an stark sonnenexponierten Stellen wie den unteren Extremitäten (im Vergleich zum Stamm).

  6. Jüngere Personen (< 50 Jahre) zeigten die stärkste Assoziation zwischen HCT-Einnahme, BCC (OR: 1,91) und cSCC (OR: 42,85).

Es wurden keine Assoziationen zwischen dem NMSC und der Einnahme anderer Blutdruck senkender Substanzen gefunden.

Ein deutliches Alarmsignal

In einer früheren Studie konnte die Forschergruppe bereits einen starken Zusammenhang zwischen der HCT-Einnahme und dem SCC der Lippe herstellen.  Jetzt haben Pedersen und sein Team überzeugende Evidenzen dafür geliefert, dass der Einsatz von HCT das SCC-Risiko und in geringerem Maße auch das BCC-Risiko erhöht. Möglicherweise war ihre alarmierendste Beobachtung, dass jüngere Personen (< 50 Jahre) im Vergleich zu der Kontrollgruppe, die kein HCT einnahm, ein über 40-fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines SCC haben.

Aufgrund von Beschränkungen im Studiendesign konnten Pedersen und Kollegen zu keiner Beurteilung darüber kommen, ob der HCT-Einsatz mit einer aggressiveren oder einer weniger aggressiven BCC- oder SCC-Histopathologie verbunden ist. Sie konnten auch das Tumorverhalten in Bezug auf Metastasierung und Mortalität nicht vergleichen.

Nichtsdestotrotz sind diese Befunde ein deutliches Alarmsignal. Patienten, die HCT einnehmen, sollten auf SCC und BCC untersucht werden, und wenn möglich, sollten Patienten mit einem Hautmalignom in der Anamnese und/oder den genannten Risikofaktoren (heller Hauttyp, Immunsuppression, positive Familienanamnese für Hautmalignome) auf einen alternativen Blutdrucksenker wechseln. Zukünftige Studien sollten zudem überprüfen, ob andere fotosensibilisierende Substanzen mit einem ähnlich erhöhten NMSC-Risiko verbunden sind.

Der Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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