Die Brustkrebs-Überlebensdiät: Wer sich nach der Diagnose fettarm und gesund ernährt, hat bessere Chancen

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

30. Mai 2018

Frauen, die sich fettarm und gesund ernähren, könnten bei einer Brustkrebserkrankung bessere Überlebenschancen haben. Darauf deutet eine Sekundäranalyse der Women’s Health Initiative Dietary Modification-Studie hin [1]. Über eine geringere Brustkrebssterblichkeit hinaus waren die besseren Überlebenschancen teils auch durch weniger kardiovaskulär bedingte Todesfälle bedingt.

Prof. Dr. Jutta Hübner
Quelle: UKJ/Schroll

„Epidemiologische Daten und Studien zur Krebsprävention zeigen schon seit Jahrzehnten, dass eine vor allem an tierischen Fetten reiche Ernährung das Krebsrisiko erhöht“, kommentiert Prof. Dr. Jutta Hübner, die am Universitätsklinikum Jena die Stiftungsprofessur für Integrative Onkologie der Deutschen Krebshilfe inne hat, im Gespräch mit Medscape.

 
Spannend ist, dass die Autoren dann auf die Idee gekommen sind … zu schauen, ob die fettarme Ernährung bei denjenigen, die während der Laufzeit der Studie an Brustkrebs erkranken, etwas am Überleben ändert.  Prof. Dr. Jutta Hübner
 

Auch die Women’s Health Initiative (WHI) Dietary Modification-Studie war ursprünglich eine Präventionsstudie. „Spannend ist, dass die Autoren dann auf die Idee gekommen sind, weiter zu beobachten und zu schauen, ob die fettarme Ernährung bei denjenigen, die während der Laufzeit der Studie an Brustkrebs erkranken, etwas am Überleben ändert“, kommentiert die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft.

Ernährungsumstellung nach Brustkrebs-Diagnose

An der Studie nahmen 48.835 postmenopausale Frauen teil, die bei Studien-Einschluss nicht an Brustkrebs erkrankt waren und mehr als 32% ihrer täglichen Kalorien aus Fett bezogen. Sie wurden auf eine Intervention mit Ernährungsberatung oder eine Kontrollgruppe randomisiert. Ziel der Ernährungsberatung war es, die aus Fett gewonnenen Kalorien auf 20% der Gesamtzufuhr zu reduzieren und mehr Obst, Gemüse und Getreideprodukte zu verzehren. Die Kontrollgruppe ernährte sich weiter wie zuvor.

Brustkrebs-Risikofaktoren und Mammographie-Häufigkeit seien in beiden Gruppen gleichmäßig verteilt gewesen, berichten Prof. Dr. Rowan T. Chlebowski vom City of Hope National Medical Center in Duarte, Kalifornien, USA, und seine Koautoren in JAMA Oncology.

Weniger fettreiche Nahrung, weniger Brustkrebs

Der fettreduzierte Ernährungsplan führte zu einer statistisch signifikanten Reduktion der Fettaufnahme – nach 1 Jahr bezogen die Frauen in der Interventionsgruppe noch 24,3% ihrer Kalorien aus Fett, in der Kontrollgruppe waren es 35,1%. Außerdem verzehrten die Frauen in der Interventionsgruppe signifikant mehr Obst, Gemüse und Getreideprodukte als die Frauen in der Kontrollgruppe und wogen im Schnitt 2,2 kg weniger. All diese Veränderungen waren auch nach median 4,5 Jahren noch vorhanden.

 
Dies deutete darauf hin, dass ein fettarmes Ernährungsmuster Brustkrebs-Erkrankungen reduzieren könnte, die mit einer höheren Mortalität einhergehen. Prof. Dr. Rowan T. Chlebowski
 

Am Ende der im Schnitt 8,5 Jahre andauernden Ernährungsintervention waren 1.764 Frauen an Brustkrebs erkrankt. In der Interventionsgruppe waren es 8% weniger als in der Kontrollgruppe, doch dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Doch in der Interventionsgruppe traten signifikant weniger Östrogenrezeptor-positive, Progesteronrezeptor-negative Brustkrebserkrankungen mit schlechter Prognose auf.

Nach einem kumulativen Follow-up von im Median 16,1 Jahren stellte sich heraus, dass die Zahl der Todesfälle nach Brustkrebs – gemessen seit Randomisierung – in der Interventionsgruppe signifikant reduziert war (Hazard Rato: 0,82). „Dies deutete darauf hin, dass ein fettarmes Ernährungsmuster Brustkrebs-Erkrankungen reduzieren könnte, die mit einer höheren Mortalität einhergehen“, schreiben die Autoren um Chlebowski. Doch da die Mortalität vom Zeitpunkt der Randomisierung aus gemessen worden war, war unklar, in welchem Ausmaß die Ernährung nach der Brustkrebs-Diagnose eine Rolle gespielt hatte.

Die Frauen nahmen auch nach der Diagnose Brustkrebs weiter an Aktivitäten der Ernährungsberatungsgruppe teil. Im Schnitt hatten Frauen mit Brustkrebs vor der Diagnose 4,5 Jahre an der Intervention teilgenommen und blieben nach der Diagnose noch 4 Jahre dabei.

Höheres 10-Jahres-Überleben nach Diagnose

In ihrer aktuellen Publikation in JAMA Oncology präsentieren Chlebowski und sein Team deshalb die Ergebnisse zum Gesamtüberleben gemessen ab dem Zeitpunkt der Brustkrebs-Diagnose. Die Nachbeobachtungszeit liegt bei median 11,5 Jahren. In dieser Zeit starben von den 1.764 an Brustkrebs erkrankten Frauen 516. In der Interventionsgruppe war das 10-Jahres-Überleben mit 82% signifikant höher als in der Kontrollgruppe mit 78%. Diese Ergebnisse waren unabhängig vom Krebsstadium bei Diagnose, dem Hormonrezeptor-Status und dem Ausgangsgewicht der Frauen.

Die häufigste Todesursache war der Brustkrebs, gefolgt von anderen Krebserkrankungen und kardiovaskulären Erkrankungen. In der Interventionsgruppe starben 14% weniger Frauen am Brustkrebs als in der Kontrollgruppe, aber auch die Zahl an Todesfällen durch andere Krebserkrankungen (-24%) sowie kardiovaskuläre Erkrankungen (-38%) war reduziert.

Die verbesserten Überlebenschancen in der Gruppe mit fettärmerer Ernährung seien zum Teil auf ein besseres Überleben bei anderen Todesursachen zurückzuführen. Und es sei nicht klar, in welchem Ausmaß die Ernährung die Ergebnisse beeinflusst habe, so Chlebowski und seine Koautoren.

Ernährungsumstellung sinnvoll für Brustkrebs-Patientinnen

Hübner wirft zudem die Frage auf, ob sich die beiden Gruppen möglicherweise hinsichtlich der sportlichen Aktivität unterschieden haben, denn auch dies hätte das Überleben beeinflussen können. „Möglicherweise strebten die zu einer gesünderen Ernährung beratenen Frauen einen insgesamt gesünderen Lebensstil an und machten mehr Sport?“, so Hübner.

 
Nach dieser Studie können wir den Patientinnen sagen, dass sie selbst wenn sie bereits an Brustkrebs erkrankt sind, durch eine gesündere Ernährung noch einen erheblichen Vorteil haben. Prof. Dr. Jutta Hübner
 

Auf Nachfrage von Medscape berichtet Chlebowski, dass die sportliche Aktivität in der Women’s Health Initiative(WHI)-Studie nicht systematisch erfasst worden sei. Allerdings „stehen für eine Untergruppe von 330 Frauen Daten zur sportlichen Aktivität nach der Brustkrebs-Diagnose zur Verfügung. Sie betrug in der Ernährungsgruppe 12,8 und in der Kontrollgruppe 10,8 MET-Stunden pro Woche. Wir denken nicht, dass dieser bescheidene, statistisch nicht signifikante Unterschiede bei der körperlichen Aktivität unsere Studienergebnisse erklären würde“, so Chlebowski.

Der US-Onkologe und seine Koautoren schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass „eine Ernährungsumstellung möglicherweise den Verlauf einer Brustkrebs-Erkrankung beeinflussen könnte“. Und auch Hübner resümiert, dass „es offensichtlich möglich ist, mit einer Ernährungsberatungsintervention nachhaltig etwas am Überleben der Patienten zu ändern. Und nach dieser Studie können wir den Patientinnen sagen, dass sie selbst wenn sie bereits an Brustkrebs erkrankt sind, durch eine gesündere Ernährung noch einen erheblichen Vorteil haben.“

 

Kommentar

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