Große Fall-Kontroll-Analyse: Hohe Vitamin-D-Spiegel bieten keinen Schutz vor Lungenkrebs

Kristin Jenkins

Interessenkonflikte

25. Mai 2018

Die „bislang größte und umfassendste Beobachtungsstudie“ zur Hypothese, dass Vitamin D vor der Entwicklung eines Lungenkarzinoms schützt, stützt diese Hypothese leider nicht.

Die Studie einer internationalen Forscher-Gruppe war eine gepoolte Analyse, bei der die Serum-Vitamin-D-Konzentrationen vor der Diagnose eines Lungenkarzinoms bei 5.000 Fall-Kontroll-Paaren verglichen wurden. Es fand sich keine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen den verschiedenen Vitamin-D-Konzentrationen und dem Risiko eines Lungenkarzinoms (Odds Ratio: 0,98). Auch bei Berücksichtigung von Geschlecht, Alter, Raucherstatus oder Histologie fand sich keine Assoziation, berichten Dr. Paul Brennan von der International Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon und sein Team.

Die Untersuchung war Teil des größeren Lung-Cancer-Cohort-Consortium-Projektes (LC3), an dem über 2 Millionen Menschen aus 20 Kohorten in Asien, Australien, Europa und Nordamerika teilnehmen. Sie ist in den Annals of Oncology online veröffentlicht [1].

Rauch-Stopp bleibt die wichtigste Lungenkrebs-Prävention

„Wir interpretieren dieses Ergebnis so, dass eine präventive Wirkung einer Vitamin-D-Supplementierung hinsichtlich der Primärprävention des Lungenkarzinoms unwahrscheinlich ist – dies unabhängig davon, ob man Raucher ist oder nicht“, sagt Brennan gegenüber Medscape. „Der wichtigste Weg, sich vor Lungenkrebs zu schützen, bleibt, mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst damit anzufangen“, ergänzt er.

 
Wir interpretieren dieses Ergebnis so, dass eine präventive Wirkung einer Vitamin-D-Supplementierung hinsichtlich der Primärprävention des Lungenkarzinoms unwahrscheinlich ist. Dr. Paul Brennan
 

Im Gegensatz zu früheren Studien, die sich auf Angaben der Teilnehmer zum Tabakkonsum stützten, bestimmte diese Analyse die jüngste Tabakexposition unter Verwendung von Serum-Cotinin, einem im Blut gefundenen Nikotin-Metaboliten, wie die Autoren berichten.

„Unsere Ergebnisse sind wichtig, weil viele Präventionsstrategien gegen eine Reihe von Krankheiten, einschließlich Krebs, immer noch auf die Vitamin-D-Supplementierung als Schutzmaßnahme setzen“, sagt Brennan in einer Erklärung der IARC.

Das Lungenkarzinom bleibt weltweit unter den Malignomen mit jährlich fast 1,7 Millionen Todesopfern und 20% aller krebsbedingten Todesfälle die häufigste Todesursache. Obwohl die Hauptursache für das Lungenkarzinom die Tabakbelastung ist, bleibt das lebenslange Risiko für Lungenkrebs bei ehemaligen Rauchern erhöht, und auch Nichtraucher sind gefährdet.

Frühere Meta-Analysen ließen auf einen Lungenkrebs-Schutz schließen

„Angesichts der weltweit hohen Inzidenz des Lungenkarzinoms ist es wichtig, die Anstrengungen zur Reduktion des Tabakkonsums an die erste Stelle zu setzen und weitere Präventivmaßnahmen zu finden, die dazu beitragen können, das Erkrankungsrisiko zu verringern“, sagt Dr. Christopher Wild, Direktor des IARC, in der Erklärung. „Trotz früherer kleinerer Studien, die darauf hindeuteten, dass hohe Vitamin-D-Konzentrationen vor Lungenkrebs schützen könnten, stützen diese neuen Ergebnisse die Idee einer Vitamin-D-Supplementierung zur primären Vorbeugung eines Lungenkarzinoms nicht.“

Diese Ergebnisse stünden in klarem Widerspruch zu den Ergebnissen von 2 früherer Metaanalysen, nach denen hohe Vitamin-D-Konzentrationen vor Lungenkrebs schützen könnten, stellen die Untersucher klar.

Die erste Metaanalyse, die 9 prospektive Studien umfasst hatte, ließ eine 17%ige Abnahme des Lungenkrebs-Risikos bei Teilnehmern mit unterschiedlichen Konzentrationen von zirkulierendem 25-OH-Vitamin-D als wichtigstem Vitamin-D-Metaboliten erkennen, so Brennan und sein Team. Ebenso zeigten gepoolte Ergebnisse der zweiten Metaanalyse eine nicht-lineare inverse Assoziation zwischen Calcidiol und dem Lungenkrebsrisiko.

„Laufende Studien zur Krebsprävention, in denen Vitamin-D-Ergänzungen getestet werden, können schließlich zusätzliche Hinweise darauf liefern, ob eine Erhöhung der Vitamin-D-Konzentration zu einer Verringerung des Lungenkrebsrisikos führt oder nicht“, schreiben die Forscher.

Kein Hinweis auf eine Assoziation mit Vitamin-D-Spiegeln

Für die aktuelle Analyse identifizierten Brennan und sein Team 11.399 Lungenkrebsfälle der LC3-Kohortenteilnehmer mit prä-diagnostischen Blutproben. Bei insgesamt 5.313 Lungenkrebs-Patienten wurde anschließend das Blut auf Cotinin analysiert. Die Studienautoren haben nach eigenen Aussagen in der Kohorte Nichtraucher und ehemalige Raucher überproportional berücksichtigt, um die Aussagekraft ihrer Analyse hinsichtlich dieser Gruppen zu stärken.

Die gematchten Kontrollpersonen wurden nach dem Zufallsprinzip aus den Kohorten-Teilnehmern ausgewählt, sie waren zum Zeitpunkt der Diagnose des Lungenkarzinoms bei ihrem gematchten Partner ohne Malignom. Es wurden 5 Kategorien zum Rauchstatus unterschieden: 1) Nichtraucher; 2) ehemalige Raucher, die vor weniger als 10 Jahren aufgehört hatten; 3) ehemalige Raucher, die vor über 10 Jahren aufgehört hatten; 4) „leichte“ Raucher mit einem Tabakkonsum von unter 15 Zigaretten pro Tag; 5) „starke“ Raucher mit einem Konsum von 15 oder mehr Zigaretten pro Tag.

Zur Messung und Analyse des Serum-Cotinins wurden die Flüssigchromatografie und die Tandem-Massenspektrometrie eingesetzt. Diese Verfahren dienten auch der getrennten Analyse von 25(OH)D2- und 25(OH)D3-Konzentrationen. Die Konzentrationen beider Substanzen wurden dann zu einem Gesamtmaß für 25(OH)D kombiniert.

Nach Angaben der Untersucher umfasste die Analyse Teilnehmer, deren Vitamin-D-Konzentrationen zwischen 7 und 41 nmol/l lagen. „Selbst als wir die Referenzkategorie weiter einschränkten, um nur Teilnehmer mit Vitamin-D-Konzentrationen unter 25 nmol/l einzubeziehen, fanden wir keinen Hinweis für eine Assoziation zwischen einer adäquaten Vitamin-D-Konzentration und einem geringeren Lungenkrebsrisiko“, schrieben sie.

Obwohl kein Konsens darüber besteht, wieviel Vitamin D ausreichend ist, weisen die Autoren darauf hin, dass in einem Bericht des US Institute of Medicine aus dem Jahr 2011 Serum-Vitamin-D-Konzentrationen unter 30 nmol/l als Mangel (deficiency) und Konzentrationen unter 50 nmol/l als unzureichend (inadequacy) eingestuft worden waren.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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