Diese Impfungen brauchen Ihre Patienten auf Reisen: Neues zu Influenza, Gelbfieber, Meningokokken und Co

Dr. Klaus Fleck

Interessenkonflikte

26. April 2018

Mannheim – Impfungen für Reisende: Die meisten denken wohl an Gelbfieber und andere Tropenkrankheiten. Die aufgrund ihrer Relevanz – zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen – vielleicht wichtigste Reise-Impfung ist jedoch die gegen Influenza. So zeigt die weltweite Influenza-Verbreitungsanalyse der WHO, dass Grippeviren längst nicht nur auf der Nordhalbkugel, sondern auch zwischen den Wendekreisen vermehrt vorkommen. Und auf Kreuzfahrtschiffen, mit ihrer oft auch älteren Klientel, herrschen für Grippeviren gute Ausbreitungsbedingungen.

Prof. Dr. Tomas Jelinek

„Die Influenza-Impfung ist wichtig, die Impfstoffe aber sind nicht gut“, sagte Prof. Dr. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf, beim 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim [1]. Er gab dort einen Überblick zu aktuellen Empfehlungen und Entwicklungen bei Reise-Impfungen.

Besonders wichtig: Schutz vor Influenza

Die Qualität der Influenza-Vakzinen leide zum einen daran, dass sie aufgrund gesundheitspolitischer Vorgaben möglichst billig zu produzieren seien, zum anderem, dass die WHO alljährlich schon m März einschätzen müsse, mit welchen Influenza-Stämmen im darauffolgenden Dezember zu rechnen sei. Diesbezügliche Vorhersagen, nach denen sich die Impfstoff-Zusammensetzung und -produktion richtet, treffen aber eben nicht immer zu.

 
Die Influenza-Impfung ist wichtig, die Impfstoffe aber sind nicht gut. Prof. Dr. Tomas Jelinek
 

„Allerdings kann die Antwort darauf nicht sein, nicht gegen Influenza zu impfen, sondern im Gegenteil zu möglichst vielen Impfungen im Verlauf des Lebens zu raten.“ Die Erklärung des Experten: Bei jeder Influenza-Impfung werden Gedächtniszellen angelegt, bei Beginn in jüngeren Jahren also insgesamt entsprechend mehr als bei älteren Menschen. Bei späterem Kontakt mit den jeweils aktuellen Antigenen bzw. Virusstämmen werden die Gedächtniszellen aktiviert und bauen eine entsprechende Immunantwort auf.

Gelbfieber-Ausbreitung in Brasilien

Eine Krankheit, die Reisemediziner derzeit intensiv beschäftigt, ist Gelbfieber. Besondere Risikogebiete sind Afrika und Südamerika und hier vor allem Brasilien, wo die Gelbfieber-Infektionen mittlerweile auch die Küstenregionen (u.a. die Bundesstaaten Rio de Janeiro und Sao Paulo) erreicht haben, die im vergangenen Jahr noch als Gelbfieber-frei galten.

„Die in der vollen Dosis applizierte Gelbfieber-Impfung ist extrem effektiv und hält lebenslang, sie sollte jedem in Risikogebiete Reisenden empfohlen werden“, sagte Jelinek. Allerdings gebe es einige Länder, die den Nachweis einer Wiederholungsimpfung nach 10 Jahren verlangten. Deshalb rieten Reisemediziner oft zu einer 2. Impfung, auch wenn diese medizinisch nicht erforderlich sei.

Booster-Bedarf gegen Hepatitis A, aber nicht B

Bei Hepatitis A sind demgegenüber Booster-Impfungen nach vorangegangener Grundimmunisierung notwendig, um den Impfschutz nach längerer Zeit wieder aufzufrischen. Dieser Zeitraum beträgt je nach verwendetem Impfstoff zwischen 25 und 40 Jahren, wie Jelinek mitteilte.

 
Die in der vollen Dosis applizierte Gelbfieber-Impfung ist extrem effektiv und hält lebenslang, sie sollte jedem in Risikogebiete Reisenden empfohlen werden. Prof. Dr. Tomas Jelinek
 

„Anders ist es bei der Hepatitis B: Hier müssen Grundimmunisierte entgegen früheren Empfehlungen in aller Regel nicht mehr geboostert werden.“

Neue Meningokokken-Vakzine

Bei den Meningokokken sieht der CRM-Reisemediziner relativ komplexen Beratungsbedarf: „Er ist abhängig vom Alter der Reisenden, der globalen Verteilung der Sero-Typen und dem jeweiligen Impfstoff.“ Weltweit rapide zunehmender Massentourismus und Migration tragen immer mehr zum Austausch der verschiedenen Meningokokken-Typen auf allen Kontinenten bei.

In Deutschland sind mehrere Konjugat-Impfstoffe (monovalent gegen Typ C und tetravalent gegen ACWY) sowie 2 relativ neue Protein-Impfstoffe (Bexsero® und seit 2017 Trumenba® gegen den hierzulande am häufigsten vorkommenden Typ B) zugelassen.

Standardmäßig empfiehlt die STIKO jedoch bisher nur eine Impfung gegen Typ C. „Die neueren Konjugat- und Protein-Vakzinen sind insgesamt sehr effektiv und stellen einen echten Durchbruch in der Bekämpfung der Meningokokken-Meningitis dar“, so jedoch Jelineks Einschätzung.

Wirksam gegen Pneumokokken und Herpes zoster

Eine wichtige Änderung für die Beratung älterer und chronisch kranker Reisender hat dem Reisemediziner zufolge die Zulassung der 13-valenten Konjugat-Impfung gegen Pneumokokken für alle Altersgruppen gebracht. Doch werde bedauerlicherweise seitens der STIKO immer noch der Polysaccharid-Impfstoff präferiert.

 
Die neueren Konjugat- und Protein-Vakzinen sind insgesamt sehr effektiv und stellen einen echten Durchbruch in der Bekämpfung der Meningokokken-Meningitis dar. Prof. Dr. Tomas Jelinek
 

Bei der reisemedizinischen Beratung könnten jedoch die Vorteile der Konjugat-Impfung herausgestellt werden, empfahl er. Für dieselbe Zielgruppe sei auch der neue Totimpfstoff gegen Herpes zoster (Shingrix®) relevant, der ab dem Alter von 50 Jahren empfohlen wird und in Studien eine protektive Effektivität von 94% gezeigt hat. Die Zulassung dieses Impfstoffs in Deutschland wird noch in diesem Frühjahr erwartet.

Zahlreiche Impfstoffe in der Pipeline

Eine beachtliche Zahl von Impfstoffen befindet sich derzeit in Entwicklung bzw. bereits in klinischer Prüfung. Jedoch seien die Aussichten auf Marktreife sehr unterschiedlich zu beurteilen, informierte Jelinek.

So habe die intensive Arbeit an einem Impfstoff gegen Dengue-Viren zwar zur Zulassung eines ersten Produkts in einzelnen Endemie-Ländern geführt (Denvaxia®). Die Impfungen lieferten jedoch zunehmend enttäuschende Ergebnisse. Hier richte sich die Hoffnung auf einen neuen Impfstoff gegen Dengue, der sich bereits in der letzten Phase der klinischen Prüfung befinde.

Ähnliches gilt für den ersten Impfstoff gegen Malaria (Mosquirix®). Dieser wird zwar in einzelnen afrikanischen Ländern eingesetzt, aber auch hier blieben die Erfolge deutlich unter dem erhofften Effekt.

An Impfstoffen gegen Zika, Chikungunya, Ebola, West Nil, Noroviren und andere Erreger wird gearbeitet. Insgesamt sind in den nächsten Jahren zahlreiche Neuentwicklungen und Zulassungen von Impfstoffen zu erwarten, die in vielen Fällen überwiegend auch für die reisemedizinische Beratung relevant sein dürften.

 

REFERENZEN:

1. 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), 14. bis 17. März 2018, Mannheim

 

Kommentar

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