Der neue Gehaltsreport ist da: Was Ärzte in Deutschland verdienen – ihr Frust, ihre Geschäftsideen, ihre Wünsche

Claudia Gottschling

Interessenkonflikte

24. April 2018

Die Höhe des Gehalts gilt als Symbol der Wertschätzung – erst recht in einem Beruf, den viele als Berufung verstehen und mit großem persönlichem Engagement ausüben. Doch die Mehrheit der Ärzte in Deutschland geben in einer Umfrage von Medscape an, dass sie sich nicht fair und leistungsgerecht bezahlt fühlen.

6 von 10 Medizinern sind frustriert, wenn sie auf ihre Gehaltsabrechnung blicken. Sie haben zudem eine klare Vorstellung davon, wieviel sie mehr verdienen sollten. Über 40% der Unzufriedenen wünschen sich bis zu einem Viertel mehr Gehalt. Jeder 10. Arzt will das Doppelte!

Die Neugierde, wieviel dem Kollegen in der Praxis nebenan am Ende des Monats an Geld übrig bleibt, braucht niemandem peinlich zu sein. Wer verdient mehr – Kliniker oder Niedergelassene? Hausärzte oder Fachärzte? Wieviel bringen IGeL-Leistungen? Wofür machen Ärzte Schulden, bei welchen Luxusgütern werden sie schwach?

Die Antworten auf diese Fragen können für die persönliche Karriereplanung wichtig sein. Man kann beim Durchforsten der Statistik herauszufinden, wo man selbst steht, wo man hin will und was einem wirklich wichtig ist.

Deshalb ist es jedes Jahr wieder spannend, im Medscape-Gehaltsreport von rund 640 registrierten Lesern zu erfahren, wie sich ihre finanzielle Situation entwickelt hat. Außerdem können sich Ärzte mit Hilfe der internationalen Befragung mit Kollegen in anderen europäischen Ländern und den USA vergleichen.

125.000 Euro im Durchschnitt

Möglicherweise resultiert der Frust der deutschen Ärzte auch aus der Gehaltsentwicklung, die sich für viele Mediziner nicht so rosig gestaltet, wie man in einem Land mit prosperierender Wirtschaft erwarten könnte. Nur jeder 3. Arzt hat im Jahr 2016 mehr verdient als im Vorjahr. Wenig überraschend gelang dies vor allem jüngeren Kollegen (50%).

Positiv fiel auch die Gehaltsentwicklung bei Krankenhausärzten aus. Jeder 3. Mediziner verdiente dort bis zu 10% mehr. Bei der Hälfte der Kliniker blieb das Einkommen jedoch auf dem gleichen Stand.

Im Mittel verdienten Ärzte im Jahr 2016 in Deutschland rund 125.000 Euro brutto pro Jahr. Im Vergleich zur Medscape-Umfrage 2015 ist der Durchschnittsverdienst um 15.000 Euro gestiegen. Doch die Zuwächse verteilen sich möglicherweise sehr unterschiedlich.

Vollzeit tätige Generalisten, wie Hausärzte (153.000 Euro), erzielten in unserer aktuellen Erhebung deutlich mehr Einkommen als spezialisierte Fachärzte (122.000). Das klingt zunächst überraschend. Doch: Wer niedergelassen ist, verdient im Schnitt 40.000 Euro mehr als seine Kollegen im Krankenhaus. Weil in unserer Umfrage aber rund 60% der Teilnehmer in der Klinik arbeiten, könnte dies das überraschend niedrigere Durchschnittseinkommen der Fachärzte erklären. Noch immer liegt das Einkommen von Männern viel höher als von Frauen, die in Vollzeit arbeiten. Der Unterschied beträgt in unserer Umfrage über 25%.

Riesige Diskrepanzen zwischen Europa und USA

Im internationalen Vergleich sind Mediziner in den USA die Topverdiener. Ihr Einkommen ist mit 250.000 Euro fast doppelt so hoch wie das ihrer deutschen Kollegen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit Großbritannien auf Augenhöhe. Ein riesiger Unterschied besteht zu Spanien. Dort verdienen Ärzte im Schnitt nur 53.000 Euro im Jahr.

Niedergelassene in Deutschland werden außerdem geschäftstüchtiger. Fast ein Drittel hat in den vergangenen Jahren ihr Angebot an IGeL-Leistungen ausgebaut oder verkauft vermehrt Produkte in der Praxis. Gut 70% entschieden sich allerdings dagegen und erweiterten ihre Angebote an Zusatzleistungen nicht.

Eher zurückhaltend reagieren Ärzte auch auf unzuverlässige Besucher. Unfreiwillige Pausen, weil der Patient nicht auftaucht oder zu spät kommt, stellen im Schnitt nur 12% der Ärzte mit einer Art Strafzahlung in Rechnung. Fachärzte sind dabei deutlich strenger als Hausärzte.

Viele Ärzte sparen – wofür?

Und wieviel Geld haben Ärzte hierzulande auf der hohen Kante? Mehr als die Hälfte der Mediziner geben an, dass Sie weniger als 200.000 Euro Vermögen besitzen. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Haushaltsvermögen der Deutschen lag nach einer Erhebung der Bundesbank im Jahr 2016 bei rund 214.000 Euro.

Das Klischee des Arztes, der den Luxus liebt, scheint sich – zumindest in Hinblick auf die Medscape-Leser – nicht zu bestätigen. Mehr als jeder 3. Arzt beschreibt sich als sparsam. Jeder 2. achtet darauf, dass er nicht über seine Verhältnisse lebt. Privat investieren Mediziner am liebsten in Dinge, die sich die meisten Menschen wünschen: ein Haus, das Studium der Kinder und ihr Auto.

 

Kommentar

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