Multiple Sklerose: Mehr Sonnenlicht – geringeres Risiko? Wohl nicht nur eine Frage von Vitamin D

Der Aufenthalt im Freien im Sommer scheint stärker mit einem verringerten Risiko für Multiple Sklerose (MS) assoziiert zu sein als die Dauer einer direkten Sonneneinstrahlung auf die Haut. Dies zeigt eine neue Studie, die in Neurology veröffentlicht worden ist [1].

Dieses Ergebnis impliziert, dass „der Mechanismus nicht nur durch Vitamin D vermittelt wird“, sagte Dr. Helen Tremlett, Hauptautorin der Studie von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver, gegenüber Medscape. „Das Vitamin D spielt wohl eine Rolle, doch deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass auch andere Faktoren beteiligt sein könnten. Das Sonnenlicht könnte neben der Vitamin-D-Produktion noch weitere immunologische Effekte haben.“

 
Das Vitamin D spielt wohl eine Rolle, doch deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass auch andere Faktoren beteiligt sein könnten. Dr. Helen Tremlett
 

Die Studie zeigte auch, dass der Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und reduziertem MS-Risiko lebenslang besteht und nicht nur das Kindes- und Jugendalter betrifft. „Wir wissen zwar, dass Sonnenlicht das MS-Risiko modifiziert, doch fehlen bei dem Puzzle noch einige Teile. Diese Studie liefert wieder ein paar neue“, sagte Tremlett. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass es nicht nur die Sonnenexposition in der Kindheit ist, die das MS-Risiko senkt, sondern dass dieser Zusammenhang bis ins frühe Erwachsenenalter fortbesteht, bis wenige Jahre vor dem Auftreten der Krankheit.“

Daten aus der Nurses‘ Health Study

Die Forscher analysierten Daten aus der US Nurses´ Health Study und verglichen Frauen mit neu auftretender MS mit einer altersangepassten Kontrollgruppe. Allen Patientinnen und auch den Teilnehmerinnen an der Kontrollgruppe wurde ein Fragebogen über ihre Aufenthalte im Freien und im direkten Sonnenlicht im Laufe ihres Lebens zugeschickt.

Zu den Fragen gehörten die nach der im Sommer und Winter im Freien verbrachten Zeit, nach der Zeit unter direkter Sonneneinstrahlung (mit „minimaler Bekleidung“), Fragen zu Sonnenbränden, zum Einsatz von Sonnenschutzmitteln und zu den Haupt-Wohnorten. Außerdem wurden Informationen über die natürliche Haut- und Haarfarbe und die Neigung zur Sonnenbräune bzw. zum Sonnenbrand in Kindheit und Jugend abgefragt.

Dann kombinierten die Autoren zur Berechnung der UV-B-Sonneneinstrahlung (die Menge der UV-Durchdringung an der Erdoberfläche) Informationen über den Breitengrad, der Höhe über dem Meeresspiegel und der Wolkendecke, wie sie sich aus den Aufzeichnungen der Wetterstationen darstellt.

Die Ergebnisse wurden für verschiedene Faktoren adjustiert:

  • den Body-Mass-Index (BMI) im Alter von 18 Jahren, um die Unterschiede im allgemeinen Gesundheitszustand und bei der körperlichen Aktivität zu berücksichtigen, die mit einem vermehrten Aufenthalt im Freien verbunden sind,

  • für den Nikotinkonsum im Leben (ja oder nie) und

  • für zusätzliche Vitamin-D-Einnahmen (aus den Basisangaben in Ernährungs-Fragebögen).

Rund 90% der Befragten antworteten, was Informationen über 151 Frauen mit MS und 235 gematchten Kontrollpersonen aus allen Teilen der USA entspricht. Die meisten Teilnehmerinnen waren weiß (98%). Das Durchschnittsalter zu Beginn der MS-Erkrankung betrug 39,5 Jahre.

Die Ergebnisse zeigten, dass das Leben in einem Gebiet mit höheren UV-B-Werten (oberes Terzil) in allen Altersgruppen mit einem um 36 bis 45% geringeren MS-Risiko im Vergleich zu Personen mit einer UV-B-Exposition im unteren Terzil verbunden war.

Für spezifische Altersgruppen wurden erhöhte UV-B-Werte im Alter von 5 bis 15 und 31 bis 40 Jahren mit statistisch signifikanten 51% bzw. 65% geringeren MS-Risiken in Zusammenhang gebracht. Obwohl die Bedeutung für die anderen Altersgruppen nach vollständiger Adjustierung nicht eindeutig gezeigt werden konnte, war doch eine Tendenz in dieselbe Richtung zu beobachten.

Der Zusammenhang zwischen der während der Kindheit im Freien verbrachten Zeit und dem MS-Risiko wurde erst mit Blick auf die UV-B-Umgebung einer Person deutlich. Mehr im Freien verbrachte Zeit im Sommer war mit einem um 55% geringeren MS-Risiko verbunden, wenn man sich in Gebieten mit hohen UV-B-Werten aufgehalten hatte.

Die Untersucher berichten auch von verminderten Aufenthalten im Freien sowohl im Sommer als auch im Winter, wenn Personen erst einmal an MS erkrankt sind, was nach ihrer Auffassung „einen negativen Einfluss auf die Progredienz der MS und die Krankheitsaktivität hat und weitere negative gesundheitliche Folgen mit sich bringen kann“.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

REFERENZEN:

1. Tremlett H, et al: Neurology (online) 7. März 2018

 

Kommentar

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