Früherkennung von Mammakarzinomen: Verbesserte MRT-Methode könnte vielen Frauen die Biopsie ersparen

Dr. Angela Speth

Interessenkonflikte

23. März 2018

Mit den modernen radiologischen Verfahren zur Früherkennung von Brustkrebs sind Veränderungen sehr sensitiv nachweisbar. Nachteil ist jedoch, dass benigne oft schwer von malignen Läsionen abzugrenzen sind, weshalb zur Abklärung Biopsien unvermeidbar erscheinen. Eine neue MRT-Methode eröffnet die Aussicht einer genaueren Unterscheidung, wodurch vielen Frauen eine Gewebeentnahme erspart bleiben könnte.

„Es war immer schon ein Wunsch, die Bildgebung zu verbessern, um Biopsien wegen Veränderungen zu vermeiden, die sich letztlich als gutartig herausstellen“, erläutert die Radiologin Prof. Dr. Sylvia H. Heywang-Köbrunner auf Anfrage von Medscape.Das von deutschen Autoren publizierte Verfahren betrachtet die Leiterin des Referenzzentrums Mammographie München mit vorsichtigem Optimismus: „Es bietet sicherlich eine Chance, aber erst muss in umfangreichen Untersuchungen geprüft werden, ob man sich auf stabile und reproduzierbare Ergebnisse verlassen kann.“

Die Bilder werden per Computer analysiert

Wissenschaftler um Dr. Sebastian Bickelhaupt vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben eine Form der diffusionsgewichteten Magnetresonanztomografie (MRT) mit intelligenter Bildanalyse kombiniert, um die Natur von Auffälligkeiten im Brustgewebe genauer zu identifizieren. Damit streben sie an, die Entdeckung von Brustkrebs zu optimieren, ohne dass eine Bildgebung mit Kontrastmitteln angewandt oder ein Gewebestück herausgeschnitten werden muss.

 
Es war immer schon ein Wunsch, die Bildgebung zu verbessern, um Biopsien wegen Veränderungen zu vermeiden, die sich letztlich als gutartig herausstellen. Prof. Dr. Sylvia Heywang-Köbrunner
 

Dass die neue Methode tatsächlich recht eindeutige Aussagen über die Art von Veränderungen in der Brust ermöglicht, haben die Forscher jetzt in einer von der Dietmar-Hopp-Stiftung geförderten Studie nachgewiesen. Darin durchleuchteten sie per MRT 222 Probandinnen, die einen verdächtigen Mammografie-Befund erhalten hatten, und beurteilten das Gewebe, bevor eine Biopsie erfolgte [1].

Die histopathologische Untersuchung ergab schließlich bei 60% der Frauen eine maligne Läsion, meist – zu 3 Vierteln – ein invasives duktales Karzinom. Die übrigen Veränderungen offenbarten sich als gutartig, und zwar zu gleichen Teilen als Fibrosen und Fibroadenome.

Der Anteil falsch-positiver Befunde ließ sich um 70 Prozent reduzieren

Den Berechnungen zufolge ließ sich mit der diffusionsgewichteten MRT plus computerbasierter Bildanalyse der Anteil von falsch-positiven Befunde um 70% reduzieren. Auch konnten die Forscher in einer der Studiengruppen 60 von 61 jener Frauen aufspüren, deren Läsionen sich als maligne erwiesen hatten. Das entspreche einer Trefferquote von 98% und sei ähnlich fundiert wie eine MRT mit Kontrastmitteln, resümieren sie.

 
Neben der Erfassung von Brustkrebs kommt der Vermeidung falsch-positiver Befunde bei der Untersuchung gesunder Frauen eine hohe Priorität zu. Prof. Dr. Sylvia Heywang-Köbrunner
 

Wie Heywang-Köbrunner im Gespräch ergänzt, empfehlen Leitlinien in Deutschland die Kontrastmittel-MRT ab einem 30%-igen Lebenszeitrisiko, an Brustkrebs zu erkranken, etwa bei familiären Formen durch mutierte BRCA-Gene.

Doch häufen sich nach ihrer Aussage leider gerade bei diesen Frauen Berichte über falsch-positive Befunde, was ein erhebliches Dilemma darstellt. „Neben der Erfassung von Brustkrebs kommt der Vermeidung falsch-positiver Befunde bei der Untersuchung gesunder Frauen eine hohe Priorität zu“, betont die Radiologin.

Im Screening-Programm erfolgt bei jährlich rund 35.000 Frauen eine Biopsie

Dass dieses Ziel noch nicht zufriedenstellend umgesetzt ist, illustriert eine Mitteilung des DKFZ: Viele Teilnehmerinnen und Radiolog(inn)en beim Mammografie-Screening seien mit dem Fall konfrontiert, dass die Aufnahme eine klare Diagnose nicht zulasse. In Deutschland müsse etwa jede 20. der jährlich rund 2,8 Millionen untersuchten Frauen damit rechnen.

Das wiederum habe zur Folge, dass sich pro Jahr knapp 35.000 von ihnen eine Gewebeprobe entnehmen lassen. „Doch nur bei rund der Hälfte findet sich tatsächlich ein bösartiger Tumor“, wird Bickelhaupt in der Mitteilung zitiert.

Heywang-Köbrunner warnt allerdings davor, irreführende Schlüsse zu ziehen. Sie stellt klar, dass weder jede 20. der untersuchten Frauen eine Biopsie bekommt, noch auch eine MRT benötigt. „Zunächst bedeutet eine Wiedereinbestellung bei 3 bis 4 Prozent der gescreenten Frauen nur, dass ergänzende Bilder gemacht werden.“ Eine Gewebeentnahme sei im Screening lediglich bei 1,2% der Frauen erforderlich.

Jede zweite Biopsie innerhalb des Screenings endet mit einem Krebsbefund

„Zugunsten des qualitätsgesicherten Mammografie-Screenings muss einfach fairerweise gesagt werden: Hier ist das Problem der unklaren Befunde bei weitem am besten gelöst“, so Heywang-Köbrunner. Denn immerhin ende jede 2. Biopsie mit einem Krebsbefund, wogegen für Untersuchungen außerhalb des Screenings ähnliche Raten nicht belegt seien. Tatsächlich führe bei anderen Methoden wie Ultraschall oder MRT nur jede 3. bis 10. Biopsie zu der Erkenntnis, dass ein Tumor vorliege.

Derzeit bauen Bickelhaupt und seine Mitarbeiter Kooperationen auf, um die nicht-invasive Methode in größeren multizentrischen Studien auf ihre Eignung zu testen. Denn ein genügend sicherer Einblick ins Gewebe ist eine unerlässliche Voraussetzung, um ein Untersuchungsinstrument zusätzlich und routinemäßig anwenden zu können.

Dabei verweisen die DKFZ-Forscher auf den Vorteil, dass eine spezielle Software die Analyse der Bilder übernimmt und damit eine weitgehend unabhängige Interpretation gewährleistet. Insofern sei zu vermuten, dass die Auswertungen an verschiedenen Kliniken gut übereinstimmen. Außerdem werde den einzelnen Ärzten die Diagnostik erleichtert.

Die Ergebnisse lassen sich noch nicht verallgemeinern

In der Übertragbarkeit der Ergebnisse liegt nach Einschätzung von Heywang-Köbrunner die entscheidende Bewährungsprobe: Die jetzige Studie liefere erst vorläufige Anhaltspunkte, denn man sollte beachten, dass sich das Team von Radiologen und Informatikern seit Jahren mit dem Verfahren beschäftigt und daher jede Menge Erfahrungen gesammelt hat.

Zwar habe die verfeinerte Technik einen günstigen Eindruck hinterlassen, dennoch dürfe man nicht außer Acht lassen, dass es sich um eine retrospektive Erhebung handele, die von einer vorausschauenden eventuell stark abweicht, so Heywang-Köbrunner. Außerdem sei die Zahl der Teilnehmerinnen recht klein. „Bei einem prospektiven Vorgehen jedoch, wo auf die Diagnose Verlass sein muss, und bei breiter Anwendung, wo verschiedene, auch unerwartete Fehlermöglichkeiten auftreten können, sind nicht unbedingt ebenso gute Resultate zu erwarten.“

 

REFERENZEN:

1. Bickelhaupt S, et al: Radiology (online) 20. Februar 2018

 

Kommentar

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