Fall: Tropen-Urlauber fällt im Flieger in Tiefschlaf. Am Ziel kommt er sofort in die Notaufnahme. Was hatte er zu verbergen?

Dr. Anusuya Mokashi, Dr. Chandrasekar Palaniswamy, Dr. Dhana Rekha Selvaraj, Dr. Ali Nawaz Khan, Dr. Prabhakar Rajiah

Interessenkonflikte

19. März 2018

Behandlung

Bei einer Intoxikation gehören zum initialen Management die sorgfältige Beachtung der Atemwege, der Atmung und des Kreislaufs (ABC-Regel) sowie angemessene Wiederbelebungs-Maßnahmen. Das weitere Vorgehen hängt von der Art der Droge und der Ausprägung des toxischen Syndroms ab. Opioid-Intoxikationen werden mit einer kontinuierlichen Naloxon-Infusion behandelt. Dabei können recht hohe Dosierungen erforderlich sein, da nach einer intraluminalen Ruptur der Päckchen große Mengen der Droge freigegeben werden können. Einer akuten Atemdepression im Rahmen einer Opioidintoxikation wird ggf. durch zusätzliche Sauerstoffgabe oder Intubation entgegengewirkt [2].

Bei einer Kokain-Intoxikation sollte eine Therapie mit hochdosierten Benzodiazepinen und anschließender Intensivpflege eingeleitet werden [5]. Ventrikuläre Arrhythmien werden mit Lidocain und hypertonem Natriumbicarbonat behandelt werden. Eine kokaininduzierte Hypertonie wird mit Natriumnitroprussid i.v. oder Phentolamin behandelt [2]. Undichte Kokainpäckchen müssen umgehend operativ entfernt werden, da bei einer Überdosierung kein spezifisches Antidot zur Verfügung steht [2].

Die Behandlung einer Amphetaminintoxikation ähnelt der bei der Kokainintoxikation, einschließlich der sofortigen chirurgischen Entfernung undichter Päckchen [2]. Cannabis-Intoxikationen werden symptomatisch angegangen [2].

Risiko Darmverschluss

Bei einem Darmverschluss kann Kokain-Bodypackern Aktivkohle in einer Dosierung von 1 g pro kg Körpergewicht (bis zu 50 g) im Abstand von 4 Stunden über mehrere Dosen verabreicht werden. Auf Öl basierende Abführmittel sollten vermieden werden. Jedoch kann eine Darmspülung mit Polyethylenglykol-Elektrolyt-Spüllösung versucht werden, um eine glatte Passage der Päckchen zu ermöglichen [2]. Ipecacuanha-Sirup, Einläufe und Abführmittel bergen die Gefahr einer Ruptur der Päckchen und dürfen daher nicht verwendet werden. Die endoskopische Entnahme von Päckchen birgt ebenfalls ein Rupturrisiko, sodass sich dieses Vorgehen in der Regel nur dann empfiehlt, wenn sie auf einer Intensivstation oder im OP durchgeführt werden kann [2,3].

Chirurgische Entfernung

Bei Bodypackern mit Komplikationen wie Darmverschluss oder Perforation ist die sofortige operative Versorgung indiziert [2]. Bei Bedarf werden Enterotomie-Schnitte vorgenommen und der Darminhalt in Richtung der Schnitte oder des Anus gemolken [2]. Die postoperative Bildgebung (CT- oder Bariumstudie) dient der Kontrolle der vollständigen Entfernung der Päckchen [2].

In diesem Fall wurde der Patient mit einem Naloxon-Tropf versorgt und für die Operation vorbereitet. Es fanden sich Hinweise auf eine Päckchenruptur. Alle Päckchen konnten erfolgreich entfernt werden, sodass der Patient die Operation überlebte und sich gut erholte.

Das Bodypacking nimmt in letzter Zeit zu, weil scharfe Grenzkontrollen den konventionellen Drogen-Schmuggel erschweren. Ärzte und Radiologen sollten sich daher dieser potenziell lebensbedrohlichen Form des Drogen-Schmuggels bewusst sein und seine verschiedenen Ausprägungen sowie die relevanten Befunde aus der Bildgebung kennen, um eine zeitnahe Diagnose stellen und mit einem adäquaten Management beginnen zu können.

Kommentar

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