Fall: Tropen-Urlauber fällt im Flieger in Tiefschlaf. Am Ziel kommt er sofort in die Notaufnahme. Was hatte er zu verbergen?

Dr. Anusuya Mokashi, Dr. Chandrasekar Palaniswamy, Dr. Dhana Rekha Selvaraj, Dr. Ali Nawaz Khan, Dr. Prabhakar Rajiah

Interessenkonflikte

19. März 2018

Der Verdacht auf Bodypacking sollte bei Personen aufkommen, die nach einer internationalen Flugreise in jüngster Vergangenheit oder ohne jede Vorgeschichte eines illegalen Drogenkonsums Symptome einer Drogen-Intoxikation aufweisen [2]. Bei entsprechendem Verdacht erfolgt eine detaillierte Anamnese mit anschließender gründlicher körperlicher Untersuchung. Nach Möglichkeit sollten Angaben über die Art der Droge, die Zahl der Päckchen, die Art der Verpackung und die Magen-Darm-Symptomatik gewonnen werden.

Zusätzliche Hinweise auf die Art der Droge lassen sich durch Beurteilung der Vitalparameter, des psychischen Zustandes, der Pupillengröße, der Darmgeräusche und der Hautbefunde erlangen. Es sollte eine vorsichtige rektale und vaginale Untersuchung durchgeführt werden, um eventuell Päckchen zu entdecken [2].

Vergiftungserscheinungen

Eine Kokain-Intoxikation manifestiert sich auf sehr unterschiedliche Weise: mit ausgeprägter Angst, Tachykardie, Mydriasis, neuropsychologischen Symptomen, Hyperthermie, Anfällen, Emesis, Atemdepression, Dysrhythmie und Kardiodepression [3].

Eine Heroin-Überdosierung kann zu Sedierung, Miosis und verminderten Darmgeräuschen gefolgt von Atemdepressionen führen [2]. Bodypacker können auch die Symptome eines Darmverschlusses oder anderer gastrointestinaler Komplikationen wie Blutungen oder Perforationen aufweisen [2,3].

Rückschlüsse auf Drogen durch die Bildgebung

Bei der Bildgebung sollte mit einfachen Leeraufnahmen des Abdomens und des Beckens begonnen werden. Diese Untersuchungen haben eine Sensitivität von 85–90% [2]. Die Päckchen erscheinen als multiple runde oder ovale, gut abgegrenzte, strahlendichte Objekte im Verlauf des Intestinums.

Je nach Päckcheninhalt und Reinheit der Droge werden drei verschiedene Abstufungen der Strahlendichte beschrieben: Haschisch erscheint dichter als Stuhl, Kokain ähnelt dem Stuhl und Heroin hat eine eher gasförmige Transparenz [4]. Aufgrund ihres Aufbaus können einige Arten von Kokainpäckchen mit einem kleinen strahlendurchlässigen Band umwickelt sein [3].

Im Zweifel können Barium-Kontrast- und CT-Untersuchungen des Abdomens eingeleitet werden. Das kontrastverstärkte CT von Bauch und Becken ist sensitiver als die reine Leeraufnahme und zeigt Fremdkörper, die von einer kleinen Menge Gas umgeben sind. Die Barium-Kontrastuntersuchung zeigt die Päckchen als Füllfehler innerhalb des Kontrastmittels [2].

Häufig werden urintoxikologische Untersuchungen durchgeführt, weil Bodypacker in der Regel keine genauen Angaben über den Inhalt der Päckchen machen. In einer Studie wurden dabei in bis zu 78% der Fälle positive Ergebnisse erzielt [5]. Aufgrund der Rate an falsch positiven Ergebnissen haben jedoch viele Toxikologen erheblichen Zweifel am klinischen Nutzen dieser Untersuchungen.

Die Behandlung wird auf die Art der Präsentation und den Schweregrad des toxischen Syndroms zugeschnitten. Asymptomatische Bodypacker können konservativ auf einer Intensivstation behandelt werden, während auf den spontanen Abgang der Päckchen gewartet wird [2]. Bei Symptomen einer Drogenintoxikation sowie bei Darmverschluss oder Perforation ist eine Behandlung unvermeidlich.

Kommentar

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