Tränen lügen nicht: Biomarker in der Tränenflüssigkeit als möglicher neuer Weg in der Parkinson-Diagnostik

Nach einer laufenden Studie könnten sich Proteine in der Tränenflüssigkeit als Biomarker zur Füh-Diagnostik der Parkinson-Krankheit eignen. „Die Messung bestimmter, mit der Parkinson-Krankheit verbundener Proteine in der Tränenflüssigkeit – besonders des α-Synuclein – könnte zu einem zuverlässigen, billigen und nichtinvasiven Test in der Parkinson-Diagnostik werden“, erklärt der Erstautor der Untersuchung Dr. Mark Lew von der Keck School of Medicine der University of Southern California in Los Angeles, USA, gegenüber Medscape. Die Studie wird auf der 70. Jahrestagung der American Academy of Neurology (AAN) im April 2018 in Los Angeles vorgestellt werden.

Frühdiagnostik bisher schwierig

Lew betont, dass die Identifizierung eines einfach zu messenden Biomarkers für die Parkinson-Krankheit sehr hilfreich wäre, vor allem, wenn er zu einem frühen Zeitpunkt im Krankheitsverlauf nachgewiesen werden könnte. „Während wir die Parkinson-Krankheit im fortgeschritteneren Stadium nach der Entwicklung einer motorischen Symptomatik recht zuverlässig diagnostizieren können, stellt uns die Frühdiagnostik bislang noch vor Probleme“, sagt er. „Die Patienten können zunächst andere Symptome wie einen verminderten Geruchssinn, Schlafstörungen, Depressionen und Verstopfung bei zugleich sehr gering ausgeprägten oder gar ganz fehlenden motorischen Symptomen entwickeln. Doch sind diese anderen Merkmale sehr unspezifisch und könnten auf viele Ursachen zurückzuführen sein.“

Die Diagnose von Parkinson zu einem sehr frühen Zeitpunkt würde es ermöglichen, viel eher mit krankheitsmodifizierenden Behandlungen zu beginnen, wodurch sich der Krankheitsverlauf verlangsamen könne, fügt er hinzu.

„Wenngleich uns derartige Behandlungen derzeit nicht zur Verfügung stehen, werden doch mehrere vielversprechende Ansätze gegenwärtig untersucht und es ist wahrscheinlich, dass es später auch krankheitsverlangsamende Medikamente geben wird“, sagt er. „Es gibt auch viele Zustände, die Parkinson ähneln, und es wäre sehr nützlich, einen Test zu haben, der bei der Abgrenzung helfen kann.“

 
Während wir die Parkinson-Krankheit im fortgeschritteneren Stadium ... recht zuverlässig diagnostizieren können, stellt uns die Frühdiagnostik bislang noch vor Probleme. Dr. Mark Lew
 

Proteinkonzentration in Tränenflüssigkeit gemessen

Lew berichtet, dass er und sein Team einige Vorstudien mit Speichel durchgeführt hatten, aber mit dem Assay auf Schwierigkeiten gestoßen waren, da die Konzentrationen der Zielproteine sehr niedrig waren. „Wir hatten die Gelegenheit, mit einigen Augenärzten zusammenzuarbeiten, die bereits für andere Erkrankungen potenzielle Biomarker in Tränen gefunden hatten, also dachten wir, dass wir dort auch nach Parkinson-Markern suchen könnten.“

In der Studie maßen die Forscher in der Tränenflüssigkeit von Parkinson-Patienten und einer altersentsprechenden Kontrollgruppe die Konzentrationen von Proteinen, die mit Parkinson assoziiert sind: α-Synuclein, CC-Chemokin-Ligand 2 (CCL-2) und DJ-1 (PARK7). Dies geschah mithilfe des Schirmer-Tests, bei dem ein kleines Stück Lackmuspapier in den Bindehautsack eingelegt wird, der die Tränenflüssigkeit aufsaugt, nachdem zuvor einige anästhetische Augentropfen appliziert wurden. „Es ist ein kaum invasiver und recht einfacher Prozess“, erläutert Lew.

Proteinmuster bei Parkinson-Patienten weicht ab

Bisher liegen Ergebnisse für 55 Patienten mit unterschiedlich ausgeprägter Parkinson-Erkrankung und für 27 alters- und geschlechtsentsprechenden Probanden einer Kontrollgruppe vor. Bei den Patienten mit Parkinson waren die Gesamtniveaus von α-Synuclein im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant niedriger (423,12 pg/mg vs 703,61 pg/mg; p = 0,05). Allerdings war das oligomere α-Synuclein bei Patienten mit Parkinson im Vergleich zu den Kontrollen signifikant erhöht (1,45 ng/mg vs 0,27 ng/mg; p = 0,0007). CCL-2 und DJ-1 waren in der Tränenflüssigkeit nachweisbar, doch waren keine Konzentrationsunterschiede zwischen Parkinson-Patienten und Kontrollpersonen messbar.

„Wir fanden niedrigere Werte für die monomere Form von α-Synuclein, doch bei der oligomeren Form stellten wir eine Versechsfachung des Niveaus bei Parkinson-Patienten gegenüber der Kontrollgruppe fest“, so Lew. Dass α-Synuclein sei in vielen Teilen des Körpers zu finden sei. Bei Parkinson neige es jedoch dazu, sich in der oligomeren Form zu verklumpen, woraus sich die toxischen Lewy-Körperchen entwickelten, die für die Krankheit charakteristisch seien, erläutert Lew. „Die Messung geringerer Konzentrationen der monomeren Form und höherer Werte für die oligomere Form in den Tränen Parkinson-Kranker ist also folgerichtig und entspricht dem, was man erwarten konnte.“

 
Unsere Ergebnisse zeigen, dass die für Parkinson charakteristische oligomere Form von α-Synuclein in der Tränenflüssigkeit in relativ hohen Konzentrationen auftritt und einfach zu messen ist. Dr. Mark Lew
 

Test scheint grundsätzlich gut geeignet

„Nach unserem Kenntnisstand ist dies der erste Bericht über die Proteinanalyse der Tränen als möglicher nichtinvasiver, preiswerter und zuverlässiger Biomarker von Parkinson. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die für Parkinson charakteristische oligomere Form von α-Synuclein in der Tränenflüssigkeit in relativ hohen Konzentrationen auftritt und vergleichsweise einfach zu messen ist“, resümiert Lew.

Er betont, dass Tränen ein geeignetes Testmedium darstellten, da sie „sauberer“ seien als einige andere Körperflüssigkeiten. So gäbe es etwa beim Speichel viele Probleme mit Kontaminationen, da der Mund voller Bakterien und Speisereste sei, während es bei den Tränen kaum vergleichbare Probleme gäbe.

Die vorliegenden Befunde bei einer begrenzten Personenzahl sind nur vorläufige Ergebnisse. Lew will mehr Daten einer größeren Teilnehmerzahl auf dem AAN-Meeting präsentieren, allerdings erwarte er keine grundsätzlich anderen Ergebnisse.

Die Forscher planen auch, die Studie weiter auszudehnen, um mehr Patienten und Kontrollen einzubeziehen und Subgruppenanalysen zu ermöglichen. „Wir wären gerne in der Lage, bestimmte Gruppen aufzuschlüsseln und dann näher zu betrachten. Es müsste interessant sein zu sehen, ob es in den verschiedenen Patientengruppen, die nach Geschlechtern, Alter, Krankheitsstadium usw. unterteilt werden können, zu einem ähnlichen Anstieg der Werte für das oligomere α-Synuclein kommt“, sagt er abschließend.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

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