Guter Schutz vor Kolorektalkarzinom: Nach negativer CT-Kolonografie im Untersuchungsintervall seltener als nach Koloskopie

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

5. März 2018

Post-Imaging-Kolorektalkarzinome sind nach einer negativen CT-Kolonografie mit etwa 4,4% eher seltener als nach einer negativen Koloskopie (2,9–8,6 %), so das Ergebnis einer aktuellen Metaanalyse. Die britische Arbeitsgruppe um Anu E. Obaro, St. Mark’s Academic Institute, London, hat ihre Untersuchung in Lancet Gastroenteroly & Hepatology publiziert [1].

In den meisten Fällen waren Veränderungen bei der ersten Untersuchung nicht erkannt worden. Weil damit die Mehrzahl der Fälle vermeidbar ist, sollte nach Ansicht der Autoren die Ausbildung der Radiologen und die Qualitätssicherung der Bildgebung verbessert werden.

Die Kolonografie mittels Computertomografie (CT) wird auch virtuelle Koloskopie genannt. Die nach einer Koloskopie und CT-Untersuchung auftretenden Erkrankungen werden als Intervallkarzinome oder Post-Koloskopie-Kolorektalkarzinome bezeichnet. Der Begriff Post-Imaging-Kolorektalkarzinom wird für nach CT-Kolonografie auftretende Erkrankungen verwendet.

Intervallkarzinome meist bei übersehenen Läsionen

Diese Metaanalyse werfe ein neues Licht auf die Frage der Intervallkarzinome, so Prof. Dr. Perry J. Pickhardt, Abteilung Radiologie der Medizinischen Fakultät der Universität von Wisconsin, Madison, im begleitenden Editorial in derselben Zeitschrift [2]. „Die niedrige Rate von Intervallkarzinomen nach CT-Kolonografie im Vergleich zur Koloskopie spiegelt die Wirksamkeit dieses Verfahrens zum Nachweis von fortgeschrittenen Neoplasmen (großen Adenomen und Krebs) wider. Zudem unterstützt es die Praxis, kleine Läsionen eher zu ignorieren und nicht sofort alle kleine Polypen zu resezieren.“

Die Studien zur CT-Kolonografie belegten, dass die Mehrzahl der Intervallkarzinome bei übersehenen Läsionen aufgetreten sei. Pickhardt weist darauf hin, dass es möglicherweise sinnvoll sei, vermehrt auf serratierte Läsionen auf der rechten Seite zu achten, und zwar bei beiden Verfahren. Eventuell könne damit die Rate an Intervallkarzinomen gesenkt werden.

Virtuelle Koloskopie versus klassische Koloskopie

Pro Jahr werden weltweit mehr als 1,4 Mio. Kolorektalkarzinome diagnostiziert, wobei die Prognose stark vom Erkrankungsstadium bei Diagnosestellung abhängt. Die meisten Kolonkarzinome entstehen aus Dickdarmpolypen. Werden diese rechtzeitig entfernt, kann die Entstehung von Kolonkarzinomen verringert werden. Mit einer Koloskopie oder einer CT-Kolonografie (virtuellen Koloskopie) können entsprechende Veränderungen erkannt und mit einer Koloskopie auch gleich entfernt werden.

 
Die niedrige Rate von Intervallkarzinomen nach CT-Kolonografie im Vergleich zur Koloskopie spiegelt die Wirksamkeit dieses Verfahrens zum Nachweis von fortgeschrittenen Neoplasmen … wider. Prof. Dr. Perry J. Pickhardt
 

Mit beiden Verfahren können Kolonkarzinome, Polypen und serratierte (sägeblattartige) Veränderungen mit hoher Wahrscheinlichkeit entdeckt werden, aber sie vermitteln keinen absoluten Schutz gegen ein nachfolgend auftretendes Kolonkarzinom.

Verschiedene Untersuchungen belegen, dass die beiden Verfahren ähnlich gut für die Erkennung von Kolorektalkarzinomen sind. Mit der klassischen Koloskopie werden jedoch kleine und serratierte Adenome besser erkannt. Für die Koloskopie waren in verschiedenen Analysen 0,78 bis 2,9 Intervallkarzinome pro 1.000 Personenjahren berichtet worden.

Zur Häufigkeit von Post-Imaging-Karzinomen nach CT-Kolonografie lagen bislang keine Daten vor. Weil dieses Verfahren immer häufiger eingesetzt wird, untersuchten nun Obaro und ihre Kollegen in einem systematischen Review und einer Metaanalyse die Prävalenz von Post-Imaging-Kolorektalkarzinomen nach CT-Kolonografie.

Intervallkarzinome nach virtueller Koloskopie

In die Analyse wurden 12 Studien mit den Daten von 19.867 Patienten im Alter von 18 bis 96 Jahren einbezogen. Die Mehrzahl, nämlich 9 Studien, waren retrospektiv und monozentrisch durchgeführt worden. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 34 Monate.

In den 12 Studien waren mit der Untersuchung 643 Kolorektalkarzinome entdeckt worden, 29 Post-Imaging-Kolorektalkarzinome waren aufgetreten. Dies entspricht einer Rate von

  • 4,42 Post-Imaging- Kolorektalkarzinomen pro 100 nachgewiesenen Kolorektalkarzinomen,

  • 1,61 Post-Imaging-Kolorektalkarzinomen pro 1.000 CT-Kolonografien,

  • 0,64 Post-Imaging-Kolorektalkarzinomen pro 1.000 Personenjahren.

In den meisten Fällen (n=28) war bei der ersten Untersuchung ein Polyp oder eine andere Veränderung im Darm übersehen worden. Bei Koloskopie waren in verschiedenen Analysen 0,78 bis 2,9 Post-Koloskopie-Karzinome pro 1.000 Personenjahren berichtet worden, die Rate war also bei CT-Untersuchung eher günstiger.

Nach Aussage von Obaro und ihren Kollegen ist derzeit das optimale Intervall zwischen den Screening-CT-Kolonografien unklar. In den USA werden 60 Monate empfohlen. Die Ergebnisse diese Metaanalyse weisen darauf, dass ein Intervall von 5 Jahren als sicher angesehen werden kann. Möglicherweise ist jedoch auch ein Untersuchungsintervall von 10 Jahren denkbar; hierzu fehlen jedoch noch Daten.

 

REFERENZEN:

1. Obaro AE, et al: Lancet Gastroenterol Hepatol (online) 19. Februar 2018

2. Pickhardt PJ: Lancet Gastroenterol Hepatol (online) 19. Februar 2018

 

Kommentar

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