Junge Frauen mit Mammakarzinom: BRCA-Mutationen mindern nicht die Überlebenschancen

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

18. Januar 2018

Junge Brustkrebspatientinnen mit BRCA-Mutation haben eine vergleichbar gute Überlebenschance wie Frauen ohne diese Mutation. BRCA-Trägerinnen mit dreifach negativem Mammakarzinom haben möglicherweise in den ersten Jahren nach der Diagnose sogar einen Überlebensvorteil.

Dies ergab die prospektive Kohortenstudie POSH (Prospective study of Outcomes in Sporadic versus Hereditary breast cancer), die von Prof. Dr. Ellen R. Copson, Medizinische Onkologie, Universität von Southampton, und ihren Kollegen in Lancet Oncology publiziert worden ist [1].

„Frauen mit frühem Mammakarzinom und BRCA-Mutation wird häufig eine doppelte Mastektomie gleich nach der Diagnose oder der Chemotherapie angeboten. Unsere Befunde legen jedoch nahe, dass dieser Eingriff nicht sofort erforderlich ist“, so die korrespondierende Autorin Prof. Dr. Diana Eccles, Universität von Southampton und Universitäts-Hospital Southampton NHS Foundation Trust in einer Pressemitteilung.

Eccles weiter: „Langfristig sollte eine risikosenkende Operation als Option mit Trägerinnen des BRCA1-Gens diskutiert werden, insbesondere um das künftige Risiko für die Entwicklung eines weiteren Mamma- oder Ovarialkarzinoms zu senken. Entscheidungen zum Zeitpunkt eines solchen zusätzlichen operativen Eingriffs sollten die Prognose der Patientin aufgrund der ersten Krebserkrankung und ihre Präferenzen berücksichtigen.“

„Diese Studie ist sicher nur der Beginn eines besseren Verständnisses eines Mammakarzinoms bei jungen Frauen“, so Prof. Dr. Peter Fasching, Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN am Universitätsklinikum Erlangen, im begleitenden Editorial in Lancet Oncology [2]. „Die Kenntnisse zur Prognose bei jungen Frauen sind wichtig, weil Patientinnen mit BRCA-Mutationen ein erhöhtes Risiko für weitere Krebserkrankungen, wie Ovarialkarzinom, Mammakarzinom der anderen Brust und ein De-novo-Karzinom der schon betroffenen Brust haben. Diese Risiken determinieren die Behandlung. Wenn man nun weiß, dass BRCA1- oder BRCA2-Mutationen die Prognose nicht ändern, kann dies den Therapieansatz für diese Risiken ändern.“

 
Frauen mit frühem Mammakarzinom und BRCA-Mutation wird häufig eine doppelte Mastektomie gleich nach der Diagnose oder der Chemotherapie angeboten. Prof. Dr. Diana Eccles
 

Seiner Meinung nach muss dieses wichtige Thema in weiteren prospektiven Studien untersucht werden. „Die Daten von POSH legen eine Rationale für prospektive Studien, in denen diese Fragen untersucht werden.“

Widersprüchliche Daten zum Outcome

Nur etwa 5% der Brustkrebserkrankungen treten bei Frauen im Alter unter 40 Jahren auf, jedoch ist die Sterblichkeit hoch. Häufig kann bei den Frauen eine Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen nachgewiesen werden. Frauen mit diesen Mutationen haben ein hohes Lebenszeitrisiko, an einem Mamma- oder Ovarialkarzinom zu erkranken (wie Medscape berichtete).

Die bislang publizierten meist retrospektiven Studien und Metaanalysen zum Outcome von Frauen mit BRCA-Mutationen kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. In der Kohortenstudie POSH wurde daher prospektiv untersucht, wie sich eine Mutation auf das Überleben von jungen Mammakarzinom-Patientinnen im Vergleich zu Frauen ohne Mutation auswirkte.

Studienbeginn im Jahr 2000

In die Studie wurden 2.733 Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren in den Jahren zwischen 2000 und 2008 aufgenommen, als BRCA-Tests und eine entsprechende risikoverringernde Operation bei frühem Mammakarzinom noch nicht routinemäßig eingesetzt worden waren. Die Mehrzahl der Patientinnen (89%) wurde mit einer Chemotherapie behandelt, etwa die Hälfte wurde brusterhaltend operiert (49%), die andere Hälfte mastektomiert (50%). Nur 16 Frauen (1%) wurden nicht operiert.

 
Diese Studie ist sicher nur der Beginn eines besseren Verständnisses eines Mammakarzinoms bei jungen Frauen. Prof. Dr. Peter Fasching
 

Die Frauen wurden im Mittel 8,2 Jahre nachbeobachtet. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben. 338 Frauen (12%) wiesen eine BRCA1- (n=201) oder BRCA2-Mutation (n=137) auf. In der Beobachtungszeit starben 678 Frauen, davon 651 am Brustkrebs, 18 an anderen Krebserkrankungen und 9 aus anderen Gründen.

Keine Unterschiede im Gesamtüberleben

Das Gesamtüberleben unterschied sich zwischen BRCA-Trägerinnen und Nicht-Trägerinnen nach 2, 5 und 10 Jahren nicht. Es betrug:

  • mit BRCA-Mutation nach 2 Jahren 97%, ohne Mutation 96,6%,

  • nach 5 Jahren 83,8% vs. 85% und

  • nach 10 Jahren 73,4% vs. 70,1%.

Ein Subgruppenanalyse mit 558 Frauen mit dreifach negativem Mammakarzinom ergab, dass Frauen mit BRCA-Mutation in den ersten 2 Jahren eine bessere Überlebenschance hatten als Frauen ohne Mutation (95% vs. 91%). Nach 5 und 10 Jahren waren die Überlebensraten ähnlich.

Eine Post-hoc-Analyse zeigte, dass der initiale Überlebensvorteil nicht durch eine frühe risikovermindernde Operation verursacht war. Die Gründe hierfür sind unklar und müssen weiter untersucht werden. Fasching ist der Meinung, dass dies möglicherweise mit einem besseren Ansprechen auf die Chemotherapie bei Frauenmit mutiertem dreifach negativem Mammakarzinom erklärt werden kann, wie es in der GeparSixto-Studie nachgewiesen worden war.

Die Autorengruppe weist darauf hin, dass sich die Behandlung von Frauen mit BRCA-Mutationen seit dem Beginn dieser Studie im Jahr 2000 stark verändert hat, was möglicherweise ihr Überleben verlängert und damit die Studienergebnisse beeinflusst hat. Außerdem könnten die Ergebnisse nicht auf ältere Frauen mit BRCA-Mutationen übertragen werden.

 

REFERENZEN:

1. Copson E, et al: Lancet Oncol (online) 11. Januar 2018

2. Fasching PA: Lancet Oncol (online) 11. Januar 2018

 

Kommentar

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