Fall: Wenn eine Kreissäge das Gesicht zerfetzt muss der plastische Chirurg Wunder vollbringen. Und das geht so ...

Ronald N. Bogdasarian, MD, Mark S. Granick, MD

Interessenkonflikte

15. Januar 2018

Der Ductus paroticus befindet sich zwar in der Nähe des Verletzungsgebietes, ist aber nicht betroffen. Wenn sein Zustand fraglich ist, kann mit einer Kanüle ein Kontrastmittel retrograd eingebracht werden. Der N. facialis ist entscheidend für die fazialen Funktionen, doch wurde er in diesem Fall glücklicherweise nicht signifikant geschädigt. Gewiss waren einige distale Äste durchtrennt, doch besteht der Bedarf einer Wiederherstellung erst beim größeren Nerventrunkus.

Die A. facialis würde man schon erhalten wollen, doch ist die Blutversorgung des Gesichts sehr redundant und es genügt eine Ligatur ohne Rekonstruktion. Der M. zygomaticus major war wahrscheinlich verletzt, doch der Schluss der Muskelschichten bezieht auch ihn mit ein, da alle Muskeln von der Gesichtsfaszie umhüllt sind. Die distalen Äste des N. infraorbitalis waren wahrscheinlich betroffen, doch handelt es sich um rein sensorische Zweige, die für die Funktionen des Gesichtes nicht entscheidend sind. Seine Rekonstruktion ist auch in den proximalen Abschnitten sehr schwierig und im Allgemeinen kehrt die Sensibilität nach einiger Zeit ein Stück weit zurück.

Körperliche und apparative Untersuchungen

Um die Weichteilverletzungen des Gesichts systematisch evaluieren und dokumentieren zu können, kann man sich verschiedene Bereiche des Gesichts als Subregionen denken. Dies sind Kopfhaut und Stirn, Augenbrauen, Lider, Wangen, Ohren, Nase, Lippen, Zunge und Kinn. Jede Subregion ist für gewisse Schlüsselfunktionen zuständig, die gründlich evaluiert werden sollten. [6,7,8,9,10] Jeder Hirnnerv wird getestet. Es sollten keine Anästhetika ein- oder aufgebracht werden, bevor nicht die Funktion aller Nerven in der Nähe bewertet wurde.

Nach einer eingehenden Wundinspektion und der normalen Untersuchung der Hirnnerven wurde das Gesicht des Patienten mit einem beidseitigen mentalen und links infraorbitalen Nervenblock anästhetisiert. Von der oberen linken Lippe bis herab zum Sulcus gingivobuccalis zog sich eine 15 cm lange Fleischwunde durch das Gesicht des Patienten, die alle Schichten betraf. Der Schnitt zog durch die untere Lippe in der Nähe der oralen Kommissur, dann durch den M. mentalis und oberflächlich herab an den vorderen Hals bis in Höhe des Ringknorpels (s. Abb. 1).

Abb. 1 Komplexe Fleischwunde durch die obere und untere Lippe mit Beteiligung aller Weichteilschichten. Beim „Lächeln“ zeigt sich die intakte Funktion des N. facialis mit jedoch durchtrennter Muskulatur.

Diagnose

Komplizierte Weichteilverletzung von Gesicht und Hals durch Ober- und Unterlippe mit Beteiligung aller Weichteilschichten und Zahnverletzungen.

Kommentar

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