Den CEA-Wert beim Kolonkarzinom erst postoperativ zu bestimmen, lohnt sich

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

8. Januar 2018

Bei Patienten mit Kolonkarzinom sollte der Spiegel des karzinoembryonalen Antigens (CEA) eher nach als vor der Operation gemessen werden. Denn postoperativ erhöhte CEA-Werte sind mit einem erhöhten Rezidivrisiko – vor allem in den ersten 12 Monaten nach der Operation – assoziiert.

Präoperativ erhöhte CEA-Werte sind dagegen kein Hinweis auf eine schlechte Prognose, so das Ergebnis einer retrospektiven Kohortenanalyse, die eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Martin R. Weiser vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York, online in JAMA Oncology publiziert hat[1]. Patienten mit erhöhten präoperativen Werten, die sich nach der Operation normalisierten, hatten ein ähnliches Outcome wie Patienten mit normalen präoperativen CEA-Spiegeln.

Diese retrospektive Kohorten-Studie lege eine wichtige Grundlage für weitere konfirmatorische Untersuchungen, kommentieren PD Dr. Rebecca Anne Miksad und Prof. Dr. Neal J. Meropol Flatiron Health, New York, USA, im begleitenden Editorial [2]. Sekundäre Analysen der CEA-Daten aus randomisierten adjuvanten Studien könnten weitere Informationen liefern.

„Wir glauben, dass dies eine klinische Hypothese ist, für die ergänzende Evidenzen aus anderen Real-World-Settings eine Änderung der klinischen Praxis rechtfertigen können, ohne dass eine prospektive randomisierte Studie gebraucht wird“, schreiben sie.

Wir glauben, dass dies eine klinische Hypothese ist, für die ergänzende Evidenzen aus anderen Real-World-Settings eine Änderung der klinischen Praxis rechtfertigen können …

Prof. Dr. Martin R. Weiser und Kollegen

Wichtig sei auch die Beobachtung, dass ein Rezidiv bei hohen postoperativen CEA-Spiegeln früher eintrete. Dies erlaube eine Risiko-stratifizierte Überwachung. Eine frühe Erkennung subklinischer Metastasen erlaube möglicherweise eine Therapie mit kurativem Potenzial.

CEA – Tumormarker beim Kolonkarzinom

Das erstmals im Jahr 1965 beschriebene CEA ist ein Tumormarker, der nach den Empfehlungen verschiedener Fachgesellschaften bei Patienten mit nicht metastasiertem Kolorektalkarzinom präoperativ gemessen werden sollte. Vor der weiten Verbreitung moderner bildgebender Verfahren war ein erhöhter präoperativer CEA-Wert Auslöser für weitere Untersuchungen etwa einer Leberszintigraphie.

Im Zeitalter der modernen Computertomographie (CT) ist der Wert der CEA-Bestimmung jedoch weniger eindeutig, weil ein erhöhter CEA-Wert mit normalem CT-Befund eine Operation mit kurativer Absicht nicht ausschließt. Ein vor der Operation erhöhter CEA-Wert kann sich nach dem Eingriff wieder normalisieren.

Daher untersuchte die Arbeitsgruppe um Weiser in einer retrospektiven Kohortenanalyse den prognostischen Wert der prä- und der postoperativen CEA-Bestimmung. In die Analyse wurden die Daten von 1.027 Patienten eines Zentrums eingeschlossen, die sich zwischen Januar 2007 und Dezember 2014 einer kurativen Resektion wegen eines Kolonkarzinoms im Stadium I bis III unterzogen hatten und von denen prä- und postoperative CEA-Werte vorlagen.

Sie wurden in 3 Gruppen unterteilt: normale präoperative CEA-Wert, erhöhte präoperative, aber normale postoperative CEA-Werte sowie erhöhte präoperative und postoperative CEA-Werte. Untersucht wurde das rezidivfreie Überleben (RFS) über 3 Jahre.

Rascheres Rezidiv bei hohen postoperativen CEA-Werten

Die Rate derjenigen, die 3 Jahre rezidivfrei überstanden, war bei normalen präoperativen CEA-Werten um 7,4 Prozentpunkte höher als bei erhöhten präoperativen CEA-Werten (89,7% vs 82,3%; p = 0,01). Normalisierten sich die CEA-Werte nach der Operation, lag das 3-Jahres-RFS bei 89,4%, also ähnlich hoch wie bei normalen präoperativen Werten. Blieben sie nach dem Eingriff erhöht, betrug das 3-Jahres-RFS jedoch nur 74,5 %.

Von den Patienten mit normalem postoperativem CEA-Wert waren um 14,9 Prozentpunkte mehr noch nach 3 Jahren rezidivfrei – unabhängig vom präoperativen CEA-Wert – als von den Patienten mit erhöhtem postoperativen CEA-Wert (89,4% vs 74,5%; p = 0,001).

Der postoperative CEA-Wert ist sehr viel informativer als der präoperative Wert. Man sollte ihn am besten 2 bis 3 Wochen nach der Operation bestimmen.

Prof. Dr. Martin R. Weiser

Weitere Auswertungen belegten, dass Rezidive in der Gruppe mit postoperativ erhöhten CEA-Werten auch früher auftraten als bei normalen CEA-Werten. Die Autoren sind deshalb der Ansicht, dass es sinnvoller ist, den CEA-Wert postoperativ und nicht präoperativ zu messen: „Der postoperative CEA-Wert ist sehr viel informativer als der präoperative Wert“, so Weiser in einem JAMA-Interview. „Man sollte ihn am besten 2 bis 3 Wochen nach der Operation bestimmen.“

 

REFERENZEN:

1. Konishi T, et al: JAMA Oncology (online) 21. Dezember 2017

2. Miksad RA, et al: JAMA Oncology (online) 21. Dezember 2017

 

Kommentar

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