Hormonersatz um chronischen Erkrankungen vorzubeugen? Bringt nichts, sagen US-Experten

Marcia Frellick

Interessenkonflikte

8. Januar 2018

Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) empfiehlt in einer kürzlich veröffentlichten Erklärung, keine Hormonersatztherapie (HRT) zur primären Prävention chronischer Erkrankungen einzusetzen [1]. Dies gilt für Östrogene allein oder in Kombination mit Gestagenen. Die im JAMA veröffentlichte Empfehlung hält damit an den Leitlinien von 2012 fest.

Mögliche Risiken überwiegen die Vorteile

Die Mitglieder der Task Force stellen in ihrem Statement zwar einige Vorteile der HRT heraus, bestätigen aber auch bekannte mögliche Risiken. Für die Kombi-Therapie nennen sie z.B. ein eventuell erhöhtes Risiko für invasiven Brustkrebs und venöse Thromboembolien, für koronare Herzkrankheiten, Demenz, Schlaganfall, Gallenblasenerkrankungen und Harninkontinenz. Für die Östrogen-Monotherapie wird ebenfalls von einem erhöhten Risiko für Thromboembolien, Schlaganfall, Demenz, Gallenblasen-Erkrankungen und Harninkontinenz ausgegangen.

Die Task Force stellt außerdem fest, dass es keine Hinweise gebe, dass irgendeine Subgruppe eine davon abweichende Nutzen/Risiko-Relation haben könnte – wenn man die Primärprävention betrachtet.

Als hauptsächliche Evidenz stützt sich die Empfehlung erneut auf die Studien der Women's Health Initiative (WHI), in denen festgestellt worden ist, dass die HRT mit schweren Nebenwirkungen bei postmenopausalen Frauen assoziiert sein kann. Beide große Studien sind vorzeitig abgebrochen worden. Als Folge der WHI-Studien ging der Einsatz der HRT in dieser Gruppe in den USA drastisch zurück – von 44% in den Jahren 1994 bis 1998 auf 4,7% im Jahr 2010.

Studien der Women's Health Initiative weiterhin maßgeblich

In einem begleitenden Editorial merken Dr. Cora E. Lewis von der Abteilung für Präventivmedizin der Birmingham School of Medicine an der Universität von Alabama und Dr. Melissa F. Wellons, von der Abteilung für Diabetes, Endokrinologie und Stoffwechsel am Medical Center der Vanderbilt University in Nashville, USA, an, dass es keine anderen Studien gebe, die eine statistische Power wie die WHI-Studien hatten[2]. Nur sie ließen dementsprechende Aussagen zur Sicherheit der Hormontherapie zu.

„Wenn Daten aus Beobachtungsstudien potenzielle Schäden aufzeigen, müssen diese beachtet werden“, schreiben sie. Andererseits zeigten aber die Erfahrungen bei der HRT, dass positive Signale aus solchen Beobachtungsstudien doch eindeutig in die Irre führen können.

Wie von Medscape bereits berichtet, ist eine vorläufige Fassung der aktuellen Empfehlung bereits im Mai 2017 veröffentlicht und für öffentliche Kommentare zugänglich gemacht worden.

Kontraindikationen gelten nur für die Primärprävention

Als Reaktion auf diese Kommentare stellt die USPSTF nun nochmals klar, dass sie sich bei ihren Empfehlungen nur um solche für postmenopausale Frauen und zur Primärprävention handelt.

„Die Empfehlung gilt nicht für Frauen, die eine Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder vaginale Trockenheit in Erwägung ziehen. Es gilt auch nicht für Frauen, die eine vorzeitige Menopause (primäre Ovarialinsuffizienz) oder eine chirurgische Menopause hatten“, schreiben die Autoren.

Die Task Force stellt auch klar, dass sie die orale oder transdermale HRT geprüft, die Evidenz zu Hormoncremes und Hormonringe allerdings nicht untersucht hatte, da diese nicht generell zur primären Prävention chronischer Erkrankungen verwendet werden.

Das Panel fügte auch das Wort „primär“ zu „Prävention“ hinzu, um hervor zu heben, dass „sich diese Empfehlung auf den Einsatz der Hormontherapie zur primären Prävention chronischer Erkrankungen bei postmenopausalen Frauen konzentriert und nicht auf die Behandlung von vasomotorischen, vulvovaginalen oder anderen Symptomen“. Entsprechend prüfte das Panel auch nicht das Potenzial der HRT zur Behandlung und Vorbeugung von Wechseljahres-Symptomen.

Diese Empfehlung konzentriert sich auf den Einsatz der Hormontherapie zur primären Prävention chronischer Erkrankungen bei postmenopausalen Frauen und nicht auf die Behandlung von … Symptomen.

US Preventive Services Task Force

Die Verfasser des Editorials stellen fest, dass viele Ärzte die Hormontherapie nur noch für klimakterische Symptome verordnen und genau da liege auch deren Potenzial, sagen sie. „Schaut man sich die langfristigen WHI-Daten an, dann scheint die Hormontherapie sich für relativ gesunde, jüngere Frauen in den Wechseljahren mit ausreichend schweren vasomotorischen oder anderen klimakterischen Symptomen zu eignen“, schreiben sie. „Diese Frauen können eine Hormontherapie zur Linderung der Symptome in Betracht ziehen. Ärzte haben hier auch eine bessere Evidenz und können diese ihren Patienten im Gespräch über Therapien für Wechseljahresbeschwerden vermitteln.“

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

REFERENZEN:

1. US Preventive Services Task Force: JAMA 2017;318(22):2224-2233

2. Lewis CE: JAMA 2017;318(22):2187-2189

 

Kommentar

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