„Geradezu bahnbrechend“ – neuer Therapieansatz bei Chorea Huntington: Antisense-Wirkstoff reduziert mutiertes Protein

Megan Brooks

Interessenkonflikte

27. Dezember 2017

Erstmals ist in einer Studie am Menschen erfolgreich ein experimenteller Antisense-Wirkstoff (Ionis-HTTRx, Ionis Pharmaceuticals) zur Senkung des mHTT-Spiegels im Liquor von Patienten mit Chorea Huntington eingesetzt worden. Das mutierte Huntingtin-Protein (mHTT) verursacht die bisher unheilbare Krankheit.

„Die Ergebnisse dieser Studie sind für Chorea-Patienten und ihre Angehörigen geradezu bahnbrechend. Zum ersten Mal konnte ein Wirkstoff die Konzentration des toxischen Proteins im ZNS senken, das die Erkrankung verursacht. Und dieser Wirkstoff war sicher und wurde gut toleriert“, erklärte Dr. Sarah Tabrizi, Direktorin des University College London Huntington's Disease Centre und führende Wissenschaftlerin der Phase-1/2a-Studie in einer Pressemitteilung [1].

„Jetzt geht es darum, rasch weiterzumachen, um in einer größeren Studie zu ermitteln, ob der Wirkstoff den Krankheitsfortgang aufhalten kann“, sagte sie weiter.

„Das sind großartige Neuigkeiten für die Patienten“, äußerte Dr. George Yohrling, Direktor der Huntington's Disease Society of America (HDSA), gegenüber Medscape.

Die Studie umfasste 46 Chorea-Patienten im Frühstadium aus 9 verschiedenen Kliniken in Großbritannien, Deutschland und Kanada. Jeder Patient erhielt 4 Dosen Ionis-HTTRx oder ein Placebo per Injektion in den Liquor.

 
Die Ergebnisse dieser Studie sind für Chorea-Patienten und ihre Angehörigen geradezu bahnbrechend. Dr. Sarah Tabrizi
 

Laut dem Studiendesign wurde die Dosis während des Untersuchungszeitraumes mehrmals erhöht. Die Behandlung mit Ionis-HTTRx führte zu einer signifikanten dosisabhängigen Verringerung des mHTT. Dies war das erste Mal, dass das für Chorea Huntington verantwortliche Protein im ZNS der Patienten reduziert werden konnte.

Der Wirkstoff war sicher und wurde gut vertragen, wie ein unabhängiges Sicherheitskomitee erklärte, das „die Weiterentwicklung unterstützt“, teilte Ionis in der Pressemitteilung mit. Eine Open-label-Erweiterungsstudie für Patienten, welche die Phase 1/2a durchlaufen haben, ist im Gang.

„Historischer Augenblick“

„Die Wirkungen von Ionis-HTTRx in der klinischen Phase-1/2a-Studie sind ermutigend. Die dosisabhängige Verringerung des mHTT, die wir in der Studie beobachten konnten, übertraf unsere Erwartungen. Und wir waren zugleich von dem Sicherheitsprofil ermutigt“, fügte Dr. C. Frank Bennett, Vizepräsident der Entwicklungsabteilung bei Ionis Pharmaceuticals, hinzu.

„Die Tatsache, dass sich der Level des mutierten Huntingtins in Korrelation mit der verabreichten Dosierung von Ionis-HTTRx verringerte, war signifikant, und der Umstand, dass die Teilnehmer der Phase-1/2a-Studie auch in der Open-label-Erweiterung der Studie mitwirken wollen, stimmt uns hinsichtlich der Sicherheit der Substanz optimistisch“, teilte die HDSA-Präsidentin und Geschäftsführerin Louise Vetter in einem Statement mit.

 
Die dosisabhängige Verringerung des mHTT, die wir in der Studie beobachten konnten, übertraf unsere Erwartungen. Dr. C. Frank Bennett
 

„Die Ankündigung von Ionis zum Abschluss der Phase-1/2a-Studie zu Ionis-HTTRx ist ein historischer Augenblick im Kampf gegen Chorea Huntington. Denn dies bedeutet den erfolgreichen Abschluss der ersten Studie, mit der kausal an den Ursachen der Chorea Huntington angesetzt wird, nämlich der genetischen Mutation selbst“, sagte Vetter.

Ionis und der Entwicklungspartner Roche wollen ihre Ergebnisse in der ersten Hälfte 2018 auf medizinischen Kongressen vorstellen und planen eine Veröffentlichung in einem Journal mit Peer-Review.

Wirkstoff hat Orphan-Drug-Status

Ionis-HTTRx kann die Produktion aller Formen des Huntingtin-Proteins vermindern, welches in seiner mutierten Form das auslösende Agens der Chorea Huntington ist. „Ionis-HTTRx bietet einen einzigartigen Ansatz für die Behandlung aller Chorea-Patienten, unabhängig von ihrer spezifischen HTT-Mutationsform“, teilt die Firma weiter mit.

Die US-amerikanische FDA (Food and Drug Administration) und die European Medicines Agency (EMA) haben Ionis-HTTRx bereits den Status eines Orphan Drug zugestanden. Roche hat seine Option zur Lizensierung von Ionis-HTTRx genutzt und wird für die weitere Entwicklung, die regulatorischen Belange und die Vermarktung verantwortlich zeichnen.

An der seltenen genetischen und fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankung Chorea Huntington, die zum Abbau der geistigen Fähigkeiten und der physischen Kontrolle führt, leiden in Deutschland etwa 8.000 Menschen.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.



REFERENZEN:

1. IONIS Pharmaceuticals: Pressemitteilung, 11. Dezember 2017

Kommentar

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