Stich für Stich zur besseren Compliance: Akupunktur mildert Aromatasehemmer-induzierten Gelenkschmerz beim Mammakarzinom

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

18. Dezember 2017

San Antonio – Akupunktur bessert durch Aromataseinhibitoren induzierte Gelenkbeschwerden signifikant. Dies im Vergleich zu Placebo-Akupunktur oder auch keiner Behandlung. So das Ergebnis der Phase-3-Studie SWOG S1200, die bislang größte multizentrische Studie zu dieser Fragestellung.

Prof. Dr. Dawn L. Hershman

Ihre Ergebnisse wurden von Prof. Dr. Dawn L. Hershman, Leiterin des Brustkrebsprogramms am Herbert Irving Comprehensive Cancer Center des New-York-Presbyterian/Columbia University Medical Center, USA, beim 40. San Antonio Breast Cancer Symposium im Dezember 2017 vorgestellt [1].

„Die Daten dieser randomisierten Phase-3-Studie deuten darauf hin, dass Ärzte die Akupunktur als Behandlungsmöglichkeit von Aromatasehemmer-induzierten Gelenkbeschwerden mit ihren Patienten diskutieren sollten, weil so ihre Lebensqualität verbessert werden könnte“, betonte Hershman. „Wir hoffen, dass die Akupunktur durch eine Verringerung der Nebenwirkungen der Aromataseinhibitoren die Therapieadhärenz und damit das Outcome der Patienten verbessern kann.“ Allerdings seien hierzu weitere Studien erforderlich.

Muskuloskeletale Symptome führen häufig zum Therapieabbruch

Aromataseinhibitoren (AI) gehören zu den am häufigsten eingesetzten und effektivsten Therapien für postmenopausale Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom. Allerdings leiden viele Patienten unter Nebenwirkungen, die zur Nonadhärenz oder auch zum frühzeitigen Abbruch der Behandlung beitragen.

„Non-Compliance ist ein großes Problem bei Frauen, die eine endokrine Therapie einnehmen“, betonte Hershman bei einer Pressekonferenz. Einer der wichtigsten Gründe für Nonadhärenz und vorzeitigen Therapieabbruch sind durch AI induzierte muskuloskeletale Symptome.

Viele Patienten wollen jedoch keine weiteren Medikamente zur Linderung dieser Symptome einnehmen. Einige kleine monozentrische Studien hatten gezeigt, dass mit einer Akupunkturbehandlung AI-induzierte Gelenkbeschwerden gebessert werden konnten, andere Untersuchungen zeigten keinen Nutzen. Daher wurde nun in der SWOG-1200-Studie der Effekt einer Akupunktur auf AI-induzierte Gelenkbeschweren prospektiv und randomisiert mit über 200 Patienten untersucht.

Schmerzreduktion durch Akupunktur

In die Studie wurden 226 Frauen mit AI-induzierten Gelenkbeschwerden aufgenommen, die den AI seit mindestens 30 Tagen einnahmen und einen Schmerzscore von mindestens 3 auf der Brief Pain Inventory Worst Pain(BPI-WP)-Skala aufwiesen. Der BPI ist ein Fragebogen mit 14 Punkten, mit dessen Hilfe die Schmerzen eines Patienten anhand einer 10-Punkte-Skala beurteilt werden können. Je höher der Score, umso stärker sind die Schmerzen.

 
Non-Compliance ist ein großes Problem bei Frauen, die eine endokrine Therapie einnehmen. Prof. Dr. Dawn L. Hershman
 

Die demographischen Parameter der 3 Gruppen waren vergleichbar. Die Patientinnen waren im Median etwa 60 Jahre alt. Die Hälfte hatte eine Chemotherapie erhalten und im Median waren sie 1 Jahr mit AI behandelt worden. Der mediane BPI-WP-Score betrug zu Studienbeginn 6,5.

Die Patientinnen wurden 2:1:1 randomisiert über 6 Wochen 2-mal wöchentlich richtig akupunktiert (110), zum Schein akupunktiert (59) oder gar nicht behandelt (57). Nach 6 Wochen wurde der primäre Endpunkt erhoben. Anschließend erhielten sie über weitere 6 Wochen je eine Behandlung pro Woche, um zu prüfen, ob eine Erhaltungstherapie den Effekt aufrechterhalten kann. Insgesamt wurden die Frauen 24 Wochen nachbeobachtet, um die Dauer des Effekts festzustellen. Die Akupunktur wurde von geprüften Akupunkteuren ausgeführt.

Primärer Endpunkt war die Änderung im BPI-WP-Score nach 6 Wochen. Zu den sekundären Endpunkten gehörten z.B. der Western-Ontario-and-McMaster-Universities-Osteoarthritis-Index (WOMAC) für Hüfte und Knie und funktionelle Tests der Griffstärke sowie der zum Aufstehen benötigten Zeit (Timed Get Up and Go – TGUG).

Das Design sah den Vergleich zwischen echter Akupunktur versus Schein-Akupunktur und echter Akupunktur versus Kontrollgruppe ohne Behandlung vor. „Der Grund dafür ist, dass Schein-Akupunktur manchmal physiologische Effekte auslösen kann“, erklärte Hershman.

Akupunktur verringerte Schmerzen signifikant

Der BPI-WP wurde durch richtige Akupunktur im Vergleich zur Scheinakupunktur und im Vergleich zu keiner Behandlung jeweils signifikant um 0,92 bzw. 0,96 Scorepunkte verbessert (jeweils p = 0,01). Kein Unterschied zeigte sich zwischen keiner Therapie und Scheinakupunktur.

Eine als klinisch bedeutsam angesehene Reduktion des BPI-WP-Scores um mindestens 2 Punkte wurde bei 58% der Frauen unter richtiger Akupunktur gesehen, bei 31% unter Scheinakupunktur und bei 30% in der Kontrollgruppe. Die Effekte hielten über insgesamt 24 Wochen Beobachtungszeit an.

 
Akupunktur ist eine nichtpharmakologische Option, die Gelenksymptome und möglicherweise die AI-Adhärenz und damit das Mammakarzinom-Outcome bessern kann. Prof. Dr. Dawn L. Hershman
 

Auch die verschiedenen sekundären Endpunkte besserten sich durch die Akupunktur. Diese Effekte wurden ebenfalls über 24 Wochen aufrechterhalten. Die Verträglichkeit der Akupunktur war gut, teilweise kam es zur Bildung blauer Flecken.

„Akupunktur ist eine nichtpharmakologische Option, die Gelenksymptome und möglicherweise die AI-Adhärenz und damit das Mammakarzinom-Outcome bessern kann“, so Hershman. Die Kosten für die 12-wöchige Intervention mit 18 Sitzungen lagen bei etwa 1.250 US-Dollar (65-75 US-Dollar/Sitzung). Hershman hofft, dass damit ausreichend Belege vorliegen, dass Versicherungen diese Kosten übernehmen.



REFERENZEN:

1. San Antonio Breast Cancer Symposium 2017, 5. bis 9. Dezember 2017, San Antonio/USA

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....