Fortgeschrittenes Mammakarzinom: Prämenopausale Frauen leben mit Ribociclib als Erstlinientherapie länger progressionsfrei

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

12. Dezember 2017

San Antonio – Mit der zusätzlichen Gabe des CDK4/6-Inhibitors Ribociclib zu oraler Hormontherapie und Goserelin überleben prämenopausale Frauen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom signifikant länger progressionsfrei als unter alleiniger endokriner Therapie: 23,8 Monate im Median im Vergleich zu 13,0 Monaten.

Prof. Dr. Debu Tripathy

„Ribociclib ist in Kombination mit Tamoxifen oder nichtsteroidalen Aromatasehemmern plus Goserelin eine potenzielle neue Therapieoption für prämenopausale Frauen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem Mammakarzinom“, so die Schlussfolgerung von Prof. Dr. Debu Tripathy vom MD Anderson Cancer Center in Houston. Er stellte die Ergebnisse der Phase-3-Studie MONALEESA 7 beim 40. San Antonio Breast Cancer Symposium vor [1].

„MONALEESA 7 ist die erste klinische Studie mit ausreichender statistischer Power zum Nachweis eines klinischen Nutzen speziell bei prä- und perimenopausalen Frauen mit Hormonrezeptor-positivem und HER2- fortgeschrittenen Mammakarzinom“, betonte Tripathy. „Es ist zudem die erste Studie, die zeigt, dass Ribociclib sicher und wirksam mit Tamoxifen, nichtsteroidalen Aromatasehemmern und mit Goserelin kombiniert werden kann.“ Um einen Effekt von Ribociclib auf das Gesamtüberleben nachzuweisen, müssen die Patientinnen noch über eine längere Zeit nachbeobachtet werden.

Prof. Dr. Virginia Kaklamani

Prof. Dr. Virginia Kaklamani, Leiterin des Breast Cancer Program UT Health San Antonio Cancer Center, erklärte gegenüber Medscape , dass für sie Ribociclib bereits Standard für diese Patientinnen sei: „Es ist ganz einfach: Wir haben genügend Daten von anderen Studien, die zeigen, dass Ribociclib mit endokriner Therapie wirkt – auch bei prämenopausalen Frauen, die durch Goserelin postmenopausal werden. Das Konzept hier ist also, dass ich junge Frauen mit Goserelin in einen postmenopausalen Status überführe und sie dann dazu mit einer endokrinen Therapie behandele und on top mit Ribociclib. Nun haben wir eine große Studie bei prämenopausalen Frauen vorliegen. Und weil diese Subtanzen schon im postmenopausalen Setting zugelassen sind, werde ich sie bei jeder Patientin mit metastasiertem Mammakarzinom in der Erstlinientherapie einsetzen.“

Aggressivere Mammakarzinome bei jüngeren Frauen

Jüngere Frauen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom haben meist eine besonders aggressiven Erkrankung. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie an ihrem Karzinom sterben, ist höher als bei älteren Frauen. Derzeit ist die endokrine Therapie mit ovarieller Suppression für die Erstlinienbehandlung der prämenopausalen Frauen mit Hormonrezeptor-positiven und HER2-negativen Tumoren Standard. Häufig kommt es jedoch zu Resistenzentwicklung und Progression.

Die letzte randomisierte Studie, in die nur prämenopausale Frauen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom aufgenommen worden waren, ist im Jahr 2003 publiziert worden. MONALEESA 7 ist nun die erste Phase-3-Studie, in der Wirksamkeit und Verträglichkeit eines CDK4/CDK6-Inhibitor-basierten Regimes in der ersten Linie bei prämenopausalen Frauen untersucht wurden.

 
MONALEESA 7 ist die erste Studie, die zeigt, dass Ribociclib sicher und wirksam mit Tamoxifen, nichtsteroidalen Aromatasehemmern und mit Goserelin kombiniert werden kann. Prof. Dr. Debu Tripathy
 

In die Studie wurden 672 nicht vorbehandelte prä- oder perimenopausale Frauen mit Hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem fortgeschrittenem Mammakarzinom aufgenommen. Randomisiert wurden sie mit Ribociclib plus Tamoxifen oder nichtsteroidalem Aromataseinhibitor (NSAI) plus Goserelin (n = 335) oder mit Placebo plus endokriner Therapie (n = 337) behandelt. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS), zu den sekundären Endpunkten gehörten das Gesamtüberleben, die Gesamtansprechrate, der klinische Nutzen, die Sicherheit und von Patienten berichtete Outcomes. Die primäre Analyse war nach 329 PFS-Ereignissen geplant. Die demographischen Parameter der beiden Gruppen waren gut vergleichbar, die Frauen waren im Mittel 44 Jahre alt, über 55% waren Weiße, knapp 30% Asiatinnen.

Signifikant längeres Überleben ohne Progression

Die primäre Analyse erfolgte nach 318 Ereignissen nach einer medianen Studiendauer von 19,2 Monaten. Die Studie erreichte den primären Endpunkt. Das progressionsfreie Überleben wurde durch Ribociclib signifikant von 13,0 auf 23,8 Monate im Median verlängert (HR 0,553, p < 0,0001). Die Unterschiede waren in allen Subgruppenanalysen nachweisbar, beispielsweise war Ribociclib unabhängig von der eingesetzten endokrinen Therapie (Tamoxifen oder NSAI) vergleichbar wirksam. Bei Patienten mit messbarer Erkrankung zu Studienbeginn betrug die Gesamtansprechrate mit Ribociclib 51%, mit Placebo 36% (p < 0,001). Die Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht reif.

 
Das Konzept hier ist also, dass ich junge Frauen mit Goserelin in einen postmenopausalen Status überführe und sie dann dazu mit einer endokrinen Therapie behandele und on top mit Ribociclib. Prof. Dr. Virginia Kaklamani
 

Wie erwartet war die häufigste Nebenwirkung eine Neutropenie, die bei 76% der Patienten unter Ribociclib und bei 8% in der Vergleichsgruppe auftrat. Neutropenien vom Schweregrad 3/4 traten bei 61% unter dem CDK4/6-Inhibitor und bei 4% im Placeboarm auf. Meist waren die Neutropenien jedoch asymptomatisch, zu Fieber kam es bei 2% unter Ribociclib und bei 1% unter Placebo. Weitere unerwünschte Wirkungen waren Hitzewallungen (34% vs. 34%), Übelkeit (32% vs. 20%), Leukopenie (31% vs. 6%) und Arthralgie (30% vs. 27%).

Unter den von Patienten berichteten Outcomes zeigte sich bei Behandlung mit Ribociclib eine anhaltende Besserung in der Zeit bis zur Verschlechterung des gesamten Gesundheitszustands um mindestens 10%. Nach 8 Wochen wurde zudem eine anhaltende Besserung der Schmerzscores beschrieben.



REFERENZEN:

1. San Antonio Breast Cancer Symposium 2017, 5. bis 9. Dezember 2017, San Antonio/USA

Kommentar

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